China kämpft gegen die Umweltverschmutzung

Peking

Foto: M. Schneider

Smog in Peking, Müllimporte und verdreckte Flüsse: Die zunehmende Umweltver-schmutzung hat ein Umdenken in China bewirkt. Umweltschutz ist schon seit 2005 Thema der chinesischen Politik, ist aber nun besonders in den Fokus gerückt. Er steht neben Künstlicher Intelligenz, Internet und Biotechnologie auf der aktuellen Agenda der Regierung. Das Reich der Mitte als Umweltschützer zu reklamieren, wäre jedoch übertrieben. Auch ökonomische und Image-Gründe spielen eine Rolle, weshalb eine neue strengere Umweltpolitik derzeit eingeläutet wird. Doch wie agiert Chin auf seinem Weg, die Umweltverschmutzung zu bekämpfen?

1. Elektromobilität
Autos sind in China Statussymbol und kennzeichnen das Bild in vielen Metropolen. Seit Jahren setzt das Land vermehrt auf Elektroautos, die seit 2009 gefördert werden. China ist Spitzenreiter. Laut einer Studie des Brancheninstitus CAM wurden 2017 in China 777.000 E-Autos abgesetzt. Ob deren Prognose mit einer Million in diesem Jahr eintrifft, bleibt abzuwarten. Die Subventionen, die bis 2020 gewährt werden, fallen geringer aus, um Missbrauch zu vermeiden und den Wettbewerb zu stärken. Die Hersteller müssen seit diesem Jahr zudem die Wiederverwertung von alten Elektro-Akkus gewährleisten. Recycling ist jetzt Pflicht. Fakt ist: China führt in der Welt derzeit den Absatz bei E-Autos an – noch vor den USA. Das Technologieunternehmen Baidu darf jetzt sogar selbstfahrene Autos in Peking testen.

2. Luftverschmutzung
Laut Greenpeace hat sich die Luft in Peking verbessert. Im letzten Quartal 2017 haben sich die Feinstaubwerte zum Vorjahr um die Hälfte reduziert. Die Gründe hierfür: Fabriken wurden stillgelegt, Kohleöfen entfernt und auf Gas und Strom umgestellt sowie Autofahrverbote eingeführt. Allerdings ist die Stadt immernoch nicht smogfrei. Zur Verbesserung der Luft hat die Stadt Xi’an sogar einen 100 Meter hohen Turm errichtet, der die Luft filtert (Link: https://www.golem.de/news/umwelt-china-baut-100-meter-turm-fuer-die-luftreinigung-1801-132303.html).
China hat das Ziel, die Kohleverbrennung bei Heizungen landesweit zurückzufahren, insbesondere in Nordchinas Städten und auf dem Land. Gemäß Angaben des Umweltministers sollen die Grenzwerte für Feinstaub nach einem neuen Drei-Jahres-Plan nochmals reduziert werden. Genaue Zahlen sind aber noch nicht bekannt. Außerdem werden Kohlekraftwerke geschlossen und die Stahlproduktion reduziert.

3. Verbot von Müllimporten
24 Müllsorten, z. B. Plastik und Papier, werden seit Januar nicht mehr nach China importiert. Laut Ministerpräsident Li Keqiang soll jeglicher Müllimport zukünftig verboten sein.

4. Umweltschutzsteuer für Unternehmen
Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen ab April eine neue Umweltschutzsteuer zahlen. Die Steuer wird fällig für Lärm-, Luft- und Wasseremissionen, sofern eine Erlaubnis für die Abgabe von umweltschädlichen Stoffen vorliegt.

5. „Grüne Städte“ als Demontrationszonen
Drei Städte haben es geschafft: Shenzhen, Taiyuan und Guilin wurden ausgewählt, um neue Technologien im Bereich saubere Energie, Nachhaltigkeit und Ökologie zu testen. Insgesamt soll es zehn Städte geben, die von umweltfördernden Technologien profitieren werden und als Testprojekte zukunftsweisend für das ganze Land fungieren sollen.

6. Wasserressourcen
Die Flüsse sind verschmutzt, das Leitungswasser in den Städten lässt zu Wünschen übrig. Die Konsequenz: Laut Regierung wurde ein Programm zum Wassersparen landesweit eingeführt, außerdem noch ein neues System zur Wasserressourcenverwaltung. Laut Angaben der UNO zum Weltwassertag habe sich die Trinkwasserversorgung in China in den letzten Jahren verbessert. 2015 hatten in China 330 Millionen mehr Zugang zu sauberem Trinkwasser als im Jahr 2000.

7. Wind- und Solarenergie
China ist Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien. Nach Angaben von Bloomberg New Energy Finance hat China 133 Milliarden Dollar investiert, darunter mehr als die Hälfte für Solarenergie.
Im letzten Jahr überraschte dann ein Projekt der Provinz Qinghai, die eine Woche lang auf fossile Brennstoffe verzichtete. Die Huffington Post berichtete.

8. „Smog“-App
Die Regierung stellt eine App mit Luftwerten von Städten zur Verfügung. Verstöße durch Überschreitung der Werte können von den Bürgern den lokalen Behörden über die sozialen Netzwerke angezeigt werden. Es gibt außerdem eine Smartphone-App von Umweltschützern, die die Emmissionsdaten zur Luftverschmutzung in chinesischen Städten als Karte anzeigt. Allerdings wurde diese App mit dem Namen „Air matters“ (vorher „Luftqualitäts-Index von ganz China“) von der Regierung 2017 zensiert. Es gibt nun eine Obergrenze von 500, die gezeigt wird, auch wenn die Luftbelastung tatsächlich in der jeweiligen Stadt höher liegt. Link: https://air-matters.com/

Weitere Links zum Thema:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/smog-das-wunder-von-peking-a-1197823.html

http://german.china.org.cn/txt/2018-03/25/content_50745763.htm

https://www.welt.de/wirtschaft/article174643484/Recycling-Alba-zeigt-den-Chinesen-wie-es-funktioniert.html

http://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/china/probleme-und-potenziale/

https://www.tagesschau.de/ausland/klimakonferenz-china-101.html

Advertisements

Der Elefant, der das Glück vergaß – buddhistische Geschichten von Ajahn Brahm

Der Elefant der das Glueck vergass von Ajahn Brahm

Das Buch „Der Elefant, der das Glück vergaß“, erschienen im Lotos Verlag, ist eine Sammlung von traditionellen buddhistischen Geschichten und persönlichen Anekdoten des Autors Ajahn Brahm. Er ist ein buddhistischer Mönch, der als Peter Betts in London geboren wurde und später theoretische Physik in Cambridge studierte. Ich habe sein Buch gelesen, das unkonventionell und leicht verständlich geschrieben ist.

Die kurzen Geschichten, die Ajahn Brahm erzählt, stehen ganz im Zeichen der buddhistischen Lehre. Zentrale Themen sind Mitgefühl, Bescheidenheit, Respekt und Achtsamkeit. Er verknüpft alte Erzählungen mit den Problemen der heutigen Lebenswelt und findet Parallelen und schafft dadurch den Transfer in die Gegenwart.

Die Erzählung „Alte Mönche lügen nicht“ hat mir besonders gefallen, denn sie lässt sich gut auf die Menschen in der heutigen Gesellschaft anwenden, die nie zufrieden sind und stets mehr verlangen, um glücklich zu sein. Wenn der König den „Pfeil des Verlangens“ abschießt, um einen Schatz und das Glück zu finden, findet man nichts oder Ärger. Sobald man jedoch den Pfeil loslässt, dann begreift man, dass der Schatz der Zufriedenheit im Hier und Jetzt ist.

Der Autor schreckt auch nicht davor zurück, von eigenen Fehlern oder Dummheiten zu berichten oder von den vermeintlich ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufwuchs. Die kleine Wohnung, in der er mit seiner Familie aufwuchs, versteht er nicht als Defizit, sondern Bereicherung. Warum? Weil er auf engem Raum soziales Verhalten erlernt hat – miteinander auskommen, miteinander streiten, sich versöhnen.

Der Leser erfährt, dass 70 Prozent besser seien als 100 Prozent und dass diese 70-Prozent-Regel auch insbesondere für die Erwartungshaltung gelte. Denn wer bei bestimmten Vorstellungen im Leben immer an 100 Prozent festhält, wird unweigerlich enttäuscht werden.

Manche Geschichten machen nachdenklich, manche berühren, manche beleuchten auch unangenehme Themen wie den Tod. Ajahn Brahm schafft es, über alle Sujets mit Leichtigkeit und auch Humor zu schreiben. Die moderne Interpretation alter Weisheiten ist eine gelungene Form, die ein breites Publikum anspricht. Interessant fand ich die Erlebnisse des Autors, die er immer wieder zwischendurch mit einfließen lässt. Es ist quasi ein Buch mit buddhistischen Weisheiten von gestern und heute. Wer die Bücher von Paulo Coelho mag, wird auch Ajahn Brahm gerne lesen.

Ajahn Brahm: Der Elefant, der das Glück vergaß“, Lotos Verlag (Randomhouse), 2014 18. Aufl.

„Das Gelassenheitsprojekt“ – 18 Entspannungstechniken im Selbsttest

Gelassenheit erlernen ist anstrengend? Martin-Niels Däfler hat 18 Entspannungstechniken im Selbsttest durchgeführt und nach einem eigenen Punktesystem bewertet. Seine persönlichen Erfahrungen stellt er in seinem Buch „Das Gelassenheitsprojekt“, GABAL Verlag, vor. Mit einer Prise Humor und ohne wissenschaftlichen Anspruch erzählt Däfler, ob und wie er seinem Ziel von mehr Geduld und Gelassenheit nähergerückt ist. Auch auf seinem Programm: Qigong. 

Martin-Niels Däfler hat aus einer Laune heraus eine eigene To-do-Liste zusammengestellt, um verschiedene Entspannungsmethoden auszuprobieren. Herausgekommen ist ein nicht ganz ernst gemeinter „Ratgeber“ für stressgeplagte Menschen.

„Das Gelassenheitsprojekt“ ist ein Buch, das in erster Linie auf Unterhaltung setzt und verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, wie man mehr Entspannung in sein Leben integrieren kann: durch Sport, Wellnessmaßnahmen, Entrümpeln, Stricken oder auch Tee trinken.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Qigong-Seminar? Diese chinesische Bewegungsmeditation eignet sich sehr gut, um wieder „runter“ zu kommen. Bei Däfler schneidet diese Methode nach Punktevergabe überdurchschnittlich ab, auch wenn sie nicht Spitzenreiter ist. Allerdings scheint der Autor, der zu jedem Test ein Selfie macht, ein Skeptiker zu sein, der aus westlicher Sicht zunächst nicht viel mit fernöstlichen Lehren anfangen kann. Tatsächlich hat Qigong nichts mit Esoterik zu tun, auch wenn man einen „Baum umarmt“ oder einen „Bogen spannt“. Im Vergleich zu Yoga kommt das Thema Qigong leider etwas zu kurz. Qigong sei aber „eine gute Idee, um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen“, räumt Däfler dann doch ein. Am Schluss präsentiert er eine Rangliste mit seinen Ergebnissen, die seinem individuellen Empfinden entspringen. Hätte eine weibliche Person alle Methoden durchgeführt, wäre mit Sicherheit eine andere Reihenfolge dabei herausgekommen. Stricken, so viel sei verraten, landete nicht auf Platz 1.

Welche Methode letztendlich sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Buch bietet hierfür die Inspiration und für manchen Leser auch die Motivation. Wer auf eine vergnügliche Lektüre und weniger auf Hintergrundinformationen zu Gesundheitsthemen setzt, wird Freude an dem Buch haben. Letztendlich gilt: Ein allgemeingültiges Rezept für Gelassenheit gibt es nicht. Ausprobieren heißt die Devise.

Zum Autor: Prof. Dr. Martin-Niels Däfler ist Experte für Stressabbau und Professor an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main.

Martin-Niels Däfler: Das Gelassenheitsprojekt. 18 Entspannungstechniken im ultimativen Selbsttest, GABAL, 2018

Asiatische Weisheiten zur Gelassenheit

BuddhaGelassenheit fällt zuweilen schwer. Wer sich bewusst macht, dass Ruhe und Besonnenheit eine Fähigkeit ist, die man lernen kann, kann den Stress im Alltag leichter bewältigen.
Wie haben die alten Philosophen darüber gedacht? Hier folgen ausgewählte Weisheiten von Laotse, Konfuzius und Buddha.

„Wo zwei zusammenstoßen, siegt der Besonnene.“ ~ Laotse

„Der höhere Mensch hat Seelenruhe und Gelassenheit, der gewöhnliche ist stets voller Unruhe und Aufregung.“ ~ Konfuzius

„Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern.“ ~ Konfuzius

„Der Fürst, der sein Land regiert mit Tugend, gleicht dem Polarstern. Selbst ruhend, wird von allen Sternen er umkreist.“ ~ Konfuzius

Statue Kunyam„Echtes Glück erfordert den Frieden des Geistes oder ein Maß an geistiger Gelassenheit. Wenn dies vorhanden ist, zählt Härte nichts.“ ~ Buddha

„Nicht außerhalb, nur in sich selbst soll man den Frieden suchen.
Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts, und er verwirft auch nichts.“ ~ Buddha

„Du lächelst – und die Welt verändert sich.“ ~ Buddha

„Laß deinen Geist still werden wie einen Teich im Wald. Er soll klar werden, wie Wasser, das von den Bergen fließt. Laß trübes Wasser zur Ruhe kommen, dann wird es klar werden, und laß deine schweifenden Gedanken und Wünsche zur Ruhe kommen.“ ~ Buddha

Buchtipp: Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität

Der Mai Tai trinkende Mönch Cover

Der Mai Tai trinkende Moench und die Lehre der Authentizitaet von Stefan Weiss

Philosophie im modernen Märchen: In der Geschichte „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“ von Stefan Weiss, erschienen im Goldmann Verlag, erklärt der Mönch Kenso die buddhistische Lehre der Authentizität in klaren, einfachen Worten. In einem Frage-und-Antwort-Spiel werden zentrale Lebensfragen erläutert. Die Dialoge führen zu teils überraschenden Erkenntnissen.

Nachdem der Mönch Kenso sein Kloster verlassen hat, trifft er zufällig einen freundlichen Herrn in einer Bar. Dieser stellt ihm täglich verschiedene Personen vor, die ihre Fragen an den Mönch stellen. Auch wenn die Zusammenkunft mit  den Fremden, die sehr persönliche Dinge von sich preisgeben, ein wenig konstruiert erscheint, ist die Geschichte unterhaltsam und kurzweilig zu lesen. Die gewählte Form des Dialogs zwischen dem Protagonisten und den Fragstellern ist eine schöne Methode, um philosophische Lösungsansätze in einfacher Weise zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Besprochen werden Themen wie Kreativität, Liebe, Glaubwürdigkeit oder die Zeit.

Mancher Leser wird sich ertappen, sich die eine oder andere Frage schon selbst einmal gestellt zu haben. Oft geht es um die sogenannte dritte Ebene, die wichtig ist, um Erkenntnis und Glück zu erreichen. Hilfreich ist das Glossar am Schluss, das die dritte Ebene und weitere Begriffe aus dem Buddhismus erklärt und zum besseren Verständnis hierfür auch Synonyme aus der westlichen Welt verwendet.

Das Taschenbuch ist trotz der 160 Seiten schnell zu lesen. Die Lehre der Authentizität wird anschaulich und verständlich erklärt. Fazit: Ein lesenswerter, inspirierender Ratgeber im Pocketformat, der an die buddhistische Lehre in kleinen Schritten heranführt.

Stefan Weiss: „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“, Goldmann, 2017

Buchtipp: „Als Buddha noch ein Elefant war“

Als Buddha noch ein Elefant war, AllegriaBuddhistische Weisheiten offenbaren sich in den traditionellen indischen Erzählungen und Anekdoten. Der Kunstprofessor Mark W. McGinnis hat die Geschichten über Buddhas früheres Leben in seinem Buch „Als Buddha noch ein Elefant war“ (Originaltitel: When Buddha was an elephant), erschienen im Allegria Verlag, zusammengetragen. Meine Erkenntnis: einfach märchenhaft.

Bereits beim Aufschlagen des Buchs taucht der Leser ein in eine andere Welt: Die vom Autor selbst entworfenen bunten Illustrationen mit Tiermotiven prägen jedes Kapitel. Die Erzählweise, die der Autor gewählt hat, ist bewusst im Gestus vergangener Zeiten gehalten. Dadurch unterstreicht er die poetische Qualität der 32 Geschichten, die von Mitgefühl, Ehrlichkeit und Achtsamkeit der Protagonisten berichten.  In „Der Elefant, die Zimmerleute und der König“ oder „Der goldene Pfau und der Jäger“ wird beispielsweise das Mitgefühl als eine der buddhistischen Grundregeln thematisiert.

Wer sich für die alten Lehrgeschichten Buddhas interessiert und Freude an kreativ gestalteten Büchern hat, dem kann ich das Werk empfehlen. Ein Buch, das sich besonders zum Vorlesen eignet, zur eigenen Inspiration und zum Nachdenken. Die zeitlosen Geschichten haben in ihrer Sinnhaftigkeit nicht an Aktualität verloren. Die Weisheiten Buddhas sind immernoch wegweisend  für ein glückliches und harmonisches Miteinander.

Mark W. McGinnis: Als Buddha noch ein Elefant war, Allegria, 2017

 

Buchtipp: China für die Hosentasche

China für die Hosentasche, Fischer TBSchon gewusst, dass in China 3,8 Millionen Fahrstühle und Rolltreppen täglich im Einsatz sind? Oder dass nur 11 Prozent der Fläche Chinas für die Landwirtschaft nutzbar ist? Das Buch „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“ von der Ostasienwissenschaftlerin Françoise Hauser gibt einen überraschenden Einblick in ein Land, das für die westliche Welt voller Mysterien, Rätsel und Widersprüche ist.

Die Autorin hat viele spannende Fakten zu China zusammengetragen. Kurz, prägnant und mit dem Fokus auf das Wesentliche. Der Leser erfährt viel über Alltagskultur und Kuriositäten aus dem Reich der Mitte – warum 28.000 Flüsse „verschwunden“ sind, dass der CCTV Tower in Peking im Volksmund als „große Unterhose“ bezeichnet wird und was es mit den „Geisterstädten“ auf sich hat. Die meisten Überseechinesen leben übrigens in Indonesien (7,5 Mio.) In den USA wohnen 3,8 Mio. chinesische Einwohner, 500.000 in Großbritanien und –  knapp hinter Kuba – 105.000 in Deutschland.

Kulinarische Eigenheiten werden ebenso beschrieben, wie diverse Freizeitvergnügen der Chinesen, Religion, Wirtschaft oder der digitale Wandel, der in China wie in keinem anderen Land im Eiltempo voranschreitet. Ein Handy ist für die Chinesen unverzichtbar und ein Statussymbol, das den Alltag bestimmt. 2015 besaßen fast 95 Prozent ein Handy oder Smartphone. Für viele Chinesen, so Hauser, hat das Smartphone eine besondere Funktion: Es ist für viele ein Fenster zur Welt. Denn nicht alle Chinesen sind in der Lage, sich einen teuren PC leisten zu können, um im Internet zu surfen oder auch die sozialen Netzwerke zu nutzen. Im Volkskongress ist übrigens der Gebrauch von Handys seit 2014 verboten – wahrscheinlich aufgrund der potentiellen Ablenkungsgefahr für die Abgeordneten. Wer nach einer Webseite der Kommunistischen Partei Chinas sucht, kann sich die Mühe sparen. Es gibt keine. Dafür aber eine Webseite für die digitale Ahnenverehrung – hier treffen Tradition und Moderne in sehr praktischer Weise aufeinander.

„China für die Hosentasche“, Fischer Verlag, ist ein kurzweiliges kleines Buch mit kompaktem Wissen auf 320 Seiten. Ein alternativer Reiseführer mit leichtem Einstieg in die chinesische Lebenswelt. Interessant für China-Begeisterte und China-Kenner.

Françoise Hauser: „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“, FISCHER Taschenbuch, 2017

 

 

 

 

Digitalisierung in China – vom mobilen Supermarkt bis zur Gesichtserkennung

Foto: M. Schneider

Die Digitalisierung in China schreitet schneller voran als im Westen. Staatschef Xi Jinping sprach auf dem Parteitag im Oktober 2017 von einer neuen Ära und einem digitalen China mit einer smarten Gesellschaft. Der Wettlauf um den digitalen Fortschritt ist eingeläutet. Die technischen Entwicklungen im Reich der Mitte sind beeindruckend, irritierend und zuweilen kurios.

Big Data
Die chinesische Regierung setzt bei der Digitalisierung in erster Linie auf Videoüberwachung und Big Data. Systeme zur Gesichtserkennung sollen bis 2020 in China ausgebaut werden. Hinzu kommt die Einführung eines Social Credit Systems: Wer sich korrekt und parteikonform verhält, bekommt soziale Punkte gutgeschrieben. Die gesammelten Daten fließen in ein Bewertungssystem ein, das Auswirkungen haben kann auf die Kreditwürdigkeit oder den Zugang zu Bildung und Jobs. Die Regierung arbeitet hierfür mit Firmen zusammen wie China Rapid Finance, dem Entwickler des Messengerdienst WeChat. Die Überwachung soll landesweit und allumfassend werden. George Orwell lässt grüßen. Gesichtsscannen am Himmelstempel in Peking ist bereits an der Tagesordnung. Seit den vermehrten Diebstählen von Toilettenpapier muss sich nun jeder Besucher per Gesichtserkennung identifizieren und erhält dann seine Ration von 60 cm Papier. Erst nach 9 Minuten gibt es eine Freischaltung für dieselbe Person und weiteres Toilettenpapier kann zugeteilt werden. Die New York Times berichtete.

Innovative Techniken
Auf der diesjährigen Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigte China seine Innovationsstärke. Mit 1700 Ausstellern war die Volksrepublik vertreten. Das Image, Billigproduzent und Raubkopierer zu sein, will das Land endgültig ablegen und durch eigene  technische Lösungen überzeugen. Zu den Neuheiten zählten u.a. ein Tischtennis-Trainingsroboter, der in China und Japan entwickelt wurde. Auch ein erstes Live-Übersetzungsprogramm, das Personen über Kopfhörer miteinander kommunizieren lässt, wurde präsentiert. Der Hersteller Ecoo hat den Anspruch, das günstigste Elektroauto der Welt zu produzieren. Eine Kampfansage gegenüber der deutschen Automobilindustrie, die mit Elektromobilität punkten will. China setzt in Zukunft auf dezentrale Speicherlösungen statt auf große Rechenzentren, denn auch im Cloud-Service-Markt will China in den nächsten Jahren ganz vorne mitspielen.

Soziale Netzwerke
Der Alltag der Chinesen ist weitaus mehr durch soziale Netzwerke und mobile Geräte geprägt als in Deutschland: 90 Prozent der Internetnutzer sind aktiv in den sozialen Medien (in Deutschland sind es 1/3), wobei die Chinesen über eigene Kanäle verfügen, die allerdings der Zensur der Regierung unterworfen sind. Da die westlichen Kanäle wie Youtube, Facebook, Whatsapp und Twitter in China einer Sperre u nterliegen, nutzen die Chinesen Youku, Renren, WeChat und Weibo. Chinesen können mit der App Alipay ihre Einkäufe bezahlen. Großer Konkurrent für Amazon ist das Internetunternehmen Alibaba, das von Jack Ma gegründet wurde.

Mobiler Markt
Einkaufen  in China wird digitaler. In Shanghai fährt bereits heute ein mobiler Supermarkt als Prototyp durch die Straßen. Registrierte Personen können dort einkaufen. Der Wheely’s Moby Mart ist ein Projekt eines schwedischen Start-up-Unternehmens und der chinesischen Hefei Universität. Ein faszinierendes Modell, aber auch irgendwie kurios. Läden ohne Personal könnten weiter an Bedeutung gewinnen. Im letzten Jahr eröffnete Alibaba ein Café in Hangzhou, das ohne Mitarbeiter im Laden auskommt. Eintritt erfolgt über eine App. Bezahlt wird über ein Online-Konto.

Künstliche Intelligenz (KI)
China soll bis 2030 Vorreiter bei der Künstlichen Intelligenz werden. In Peking wird ein KI-Industriepark mit bis zu 400 Firmen entstehen. Die vornehmlichen jungen Firmen sollen sich mit Zukunftstechnologien wie Cloud Computing, Big Data, Deep Learning und Biometrie befassen. Die chinesische Regierung fördert dieses Projekt  mit umgerechnet 2 Milliarden Euro. KI wird für viele Bereiche immer wichtig werden: smarte Roboter, die mit Menschen zu Hause kommunizieren, intelligente Industrieroboter, die auch gefährliche Arbeiten übernehmen können, oder auch Systeme für smarte Lagerung  und Logistik.

China befindet sich auf dem Weg zu einer digitalen Gesellschaft. Das Land hat sich hierfür seinen eigenen Markt geschaffen, der sich vom Westen bewusst abgrenzt. Die nächsten Jahre werden zeigen, inwieweit sich der Westen im Wettlauf um die Digitalisierung gegenüber China behaupten kann.