Umweltschutz in China: von E-Bussen bis zur Kakerlaken-Farm

Peking

Smog in Peking, Foto: M. Schneider

China kämpft in Sachen Umweltverschmutzung an unterschiedlichen Fronten: Müllberge, verdreckte Gewässer und Smog sind Begleiterscheinungen des wachsenden Wohlstands und des Wandels von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft. Die chinesische Regierung hat die Zeichen erkannt und verschiedene Maßnahmen ergriffen, um der Umweltverschmutzung entgegenzuwirken – beispielsweise durch ein Verbot von Müllimporten bis 2020, mehr Recycling von Abfällen, den Ausbau der Elektromobilität oder Umwelt-Apps. Ich hatte bereits auf diesem Blog berichtet. Umweltschutz rückt immer mehr in den Fokus in China. Daher nochmals ein Blick auf die aktuellen und langfristigen Projekte in China.

Ist der chinesische Drache umwelttechnisch erwacht? Kritische Stimmen warnen und sehen in China weiterhin einen Umweltsünder. Das Umweltgesetz wird jedoch oftmals durch Korruption auf dem Lande umgangen.  Auch die „neue Seidenstraße“, das Infrastrukturgroßprojekt von China, das durch den Ausbau neuer Handelswege das Reich der Mitte mit dem Westen verbinden soll, sorgt laut der Umweltstiftung WWF für eine massive Gefährdung der Artenvielfalt, des Klimas und der Umwelt. Bei der E-Mobilität ist China Vorreiter, aber die hochgepriesene Subventionierung von Elektroautos soll nach 2020 eingestellt werden – und der gesamte Autoabsatz ist seit Februar diesen Jahres erstmals rückläufig. Es gibt noch viel zu tun beim Umweltschutz. Dieser ist laut dem WWF genauso wichtig für den sozialen Frieden wie ein solides Wirtschaftswachstum. Chinas Konzept seit 2004 heißt „harmonische Gesellschaft“: eine gerechte, faire, stabile Gesellschaft schaffen. Dies beinhaltet auch Prosperität und Leben im Einklang mit der Natur.

Hier eine Auswahl an (kuriosen) Umwelt-Maßnahmen in China:

  1. Space Solar Power:
    Auf dem Mond Sonnenlicht sammeln und zur Erde beamen? Zukunftsmusik, wenn es um Chinas Energiepolitik geht. Mit Solarkollektoren soll Sonnenlicht in Mikrowellen umgewandelt und über Satelliten zur Erde geschickt werden. In Chongqing wird an dieser kuriosen Idee derzeit gebastelt.
  2. Müll auf dem Mount Everest beseitigen:
    Jeder Bergsteiger erhält einen Müllsack und muss mindestens 8 kg Müll sammeln. Zudem zahlt jeder 1.500 Dollar eine Müllsammelgebühr. Neben den Müllsammel-Aktionen ist nun die Anzahl an Bergsteigererlaubnisse auf 300 begrenzt und das Basisleger verlegt worden.
  3. Nachhaltiger beim E-Commerce:
    China ist der größte Verpackungsproduzent und weltweit führend im E-Commerce mit 40 Prozent. Beispielsweise setzt JD.com auf E-Transportfahrzeuge, die Rückgabe von Verpackungsmaterial, wiederverwertbare, biologisch abbaubare Packungen und Einsparung von Klebeband.
  4. Kakerlaken-Farm für Lebensmittelabfälle:
    Was tun mit 400 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall im Jahr? Verbrennen? In Jinan gibt es eine Kakerlaken-Farm, wo Biomüll von Kakerlaken gefressen wird. Nachdem die Kakerlaken nach 11 Monaten sterben, werden sie später selbst zu Kraftfutter (sehr proteinreich) verarbeitet.
  5. Einsatz von E-Bussen:
    Der Ausbau der E-Mobilität ist ebenfalls gravierend. Für den öffentlichen Nahverkehr werden laut einer Statistik von Bloomberg bereits 380.000 E-Busse eingesetzt. In Shenzhen gibt es gar keine Dieselbusse mehr. Problem ist nur, dass noch viel Strom über Kohle erzeugt wird.
    China will daher langfristig weg von fossilen Energieträgern und seinen CO2-Ausstoß pro BIP-Einheit bis 2020 um 40 bis 45%, bis 2030 um 60 bis 65% (gegenüber 2005) senken.
  6. Solarparks:
    Laut Li Shuo, Klimaschutzexperte von Greenpeace Ostasien in Peking, ist China der größte Investor, Hersteller und Entwickler im Bereich erneuerbare Energien, besonders in der Solar- und Windenergie. Die jährlichen Solar-Installationen in China seien größer als im Rest der Welt zusammen. In der Inneren Mongolei entsteht bis 2020 der größte Solarpark weltweit, der Strom für drei Millionen Menschen.
  7. Emissionsfreie Kohlekraftwerke:
    In Tianjin wird ein emissionsfreies Kohlekraftwerk mit Integrated Gasification Combined Circle-Technik (IGCC) arbeiten. Freigesetztes CO2 wird in die Gasturbine geleitet und gelangt nicht nach außen. Außerdem soll der Anteil nicht fossiler Energie 13 Prozent im Jahr 2018 auf rund 20 Prozent im Jahr 2030 ansteigen.
  8. Windparks:
    China investiert in Windenergie: Vor der Küste der Provinz Jiangsu sollen 24 Offshore-Windparks mit einer Gesamtkapazität von 6,7 Gigawatt gebaut werden. In Ulanqab in der Inneren Mongolei entsteht auch ein Windpark, der für Strom für die Olympischen Winterspiele 2022 sorgen soll.
  9. Pflanzensamenarchiv in Hangzhou und Kunming:
    Um die Biodiversität zu erhalten, werden Samen aus Ost- und Südchina gesammelt, in Zukunft auch in ganz China.
  10. Gewässer schützen:
    Li Ganjie, Minister für Ökologie und Umwelt in China, will die Wasserqualität des Jangtse verbessern und den Fluss schützen durch eine bessere Abwasserentsorgung. Auch der Lijiang-Fluss in Guilin soll besser geschützt werden durch moderne Kläranlagen und weniger Abwasser.
  11. Recycling fördern:
    Städte wie Shanghai, Peking und Shenzhen sollen zu „Kein-Abfall-Städten“ werden. Außerdem gibt es das Forschungsprojekt „NAMA Integrierte Abfallwirtschaft (IWM NAMA) China“. Dieses soll den Abfallsektor in Richtung eines kohlenstoffarmen Weges steuern, hin zu einem integrierten Abfallmanagementsystem.
  12. Grüne Mauer gegen Desertifikation ist ein Aufforstungsprojekt in China, das die Regionen vor Verwüstung retten soll. Das bereits 1978 begonnene Projekt läuft noch bis 2050.
  13. Umweltschutzkooperation mit Sachsen:
    Drei Kooperationsabkommen wurden kürzlich mit Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU abgeschlossen. Unterstützt werden soll die Sanierung der Nebenflüsse des Yangtse, Recyclingtechnologien und die Behandlung von Abwasser. Auch im Bereich der modernen Landtechnik soll zusammengearbeitet werden.

 

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Chinesisches Neujahr 2019: Das Jahr des Schweins bringt Ruhe und Optimismus

Jahr des SchweinsAm 5. Februar 2019 ist es so weit: Dann löst das chinesische Tierkreiszeichen „Schwein“ den „Hund“ ab. Nach den vergangenenen turbulenten Zeiten können wir uns (endlich) wieder auf eine Phase der Einkehr freuen. Als zwölftes und letztes Tier im chinesischen Horoskop sorgt es für Glück, innere Ruhe und Optimismus. Herzlich willkommen, liebes Schwein!

Im Schweine-Jahr heißt es, Begonnenes abzuschließen und in Ruhe Neues für die persönliche Zukunft zu planen. Persönliche Beziehungen, Familie und soziales Engagement sind nun mehr besonders gefragt. Das Schwein ruft dazu auf, das Vergangene zu betrachten und im Rückblick wertzuschätzen, was alles erreicht wurde. Das von Natur aus fröhliche, lebensbejahende Schwein hilft uns dabei mit seinem unerschütterlichen Optimismus und seinem Hang zum Genießen. Durch sein Bedürfnis nach Luxus ist Geld auch nicht lange bei ihm aufgehoben – lieber gibt er es  mit seiner Großzügigkeit aus. Für Affe, Hahn, Ziege und Tiger sieht es positiv aus in Sachen Beruf und Finanzen. Das Schwein hat einen besonderen Charakter: Es ist eher altmodisch, sanftmütig, treu und auch gerne gesellig. Mit seinem Humor steckt es seine Mitmenschen an. Nichtsdestotrotz hat das männliche Schwein auch eine aggresive Seite, die ab und zu hervortritt. Zu seinen negativen Eigenschaften zählen Müßiggang, Naivität und Eifersucht.

Zu den Prominenten mit dem Tierkreiszeichen Schwein zählen Elton John, Humphrey Bogard, Loriot, Arnold Schwarzenegger, Erich Kästner und Ronald Reagan. Wer im Zeichen des Schweins geboren ist, sollte 2019 einen Gang zurückschalten und sich lang gehegte Wünsche erfüllen. Übrigens ein gutes Motto, dem sich auch alle anderen in diesem Jahr widmen sollten.

Das Schwein versteht sich gut mit dem Büffel, der Ziege, dem Affen und dem Hahn. Tiger, Schlange und Ratte sind nicht seine besten Kumpanen.

Die 12 chinesischen Tierkreiszeichen:
Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein

Das Jahr des Schweins endet am 24. Januar 2020, ihm folgt die Ratte.

Chinas Weg zur Weltmacht – Chance oder Gefahr?

Foto: M. Schneider

Chinas wirtschaftliches Wachstum und seine Ambitionen, in den kommenden Jahrzehnten zum einflussreichsten Global Player aufzusteigen, werden in den westlichen Medien nicht nur wohlwollend, sondern auch mit Angst betrachtet. Überholt China die USA und Europa in puncto Digitalisierung, Klimaschutz, Künstliche Intelligenz (KI) und Industrie? Kann der Westen durch gemeinsame Unternehmensprojekte ebenfalls profitieren oder besteht die Gefahr eines einseitigen Wissenstransfers zum Vorteil der Chinesen?

Zu dieser Thematik habe ich euch einige aktuelle Medienbeiträge zusammengestellt, die sich genau mit diesen Fragen beschäftigen und einen guten Überblick darüber geben, welche Strategien China entwickelt, um an die Spitze der Weltwirtschaft zu gelangen.

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/weltmacht-china/-/id=660374/did=22411536/nid=660374/16hlupg/index.html

https://www.welt.de/politik/ausland/article185178440/Steinmeier-in-China-Was-hier-geschieht-veraendert-die-ganze-Welt.html

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-aufstieg-chinas-zur-wirtschaftlichen-weltmacht-15671418.html

https://www.zeit.de/2018/16/handelsstreit-weltwirtschaft-usa-china-strafzoelle-donald-trump

https://www.deutschlandfunk.de/china-das-projekt-weltmacht.724.de.html?dram:article_id=408059

https://www.deutschlandfunkkultur.de/asien-gipfel-in-bruessel-chinas-traum-ist-eine-weltmacht-zu.1008.de.html?dram:article_id=430953

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/erneuerbare-energien-wie-china-beim-gruenen-strom-zur-weltmacht-werden-will/22883470.html

https://www.arte.tv/de/videos/072496-010-A/re-schluss-mit-made-in-germany/

https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/mein-ausland/china—der-digitale-drache-a-282697.html

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-hungriger-drache-100.html

Buchtipp: Im Bann des Drachens – Das westliche Ringen mit dem Aufstieg Chinas

Cover Im Bann des Drachens, FAZChinas wirtschaftlicher Aufschwung ist aus ökonomischen, sicherheits- und geopolitischen Aspekten eine große Herausforderung für den Westen. Welche Rolle wird China für Deutschland, Europa und global in Zukunft spielen? Bedeutender Handels- und Technologiepartner, Verbündeter im Klima- und Umweltschutz oder Konkurrent mit agressiver Industriepolitik?

Das neue Buch „Im Bann des Drachens. Das westliche Ringen mit dem Aufstieg Chinas“ (Frankfurter Allgemeine Buch) analysiert das westliche Dilemma zwischen Kooperation und Konkurrenz mit dem chinesischen „Drachen“, der aufstrebenden Wirtschaftsnation China.

Das Buch „Im Bann des Drachen“ beschreibt die Hintergründe, Strategien und Bestrebungen Chinas zur führenden Wirtschaftsmacht und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Westen. Thematisch knüpft es an die FAZ-Publikation „Chinas neue Seidenstraße“, schlägt aber einen weitaus größeren Bogen, der die Weltwirtschaftsordnung, die westliche Wirtschaftsstrategie und Krise des Westens mit einbezieht. Die Autoren Hartmann, Maennig und Stock erläutern das chinesische Wachstumsmodell und die damit implizierten sicherheitspolitischen Konflikte und Möglichkeiten eines friedlichen Managements. Aus westlicher Sicht gebe es abe viele Probleme in den Wirtschaftsbeziehungen zu China, insbesondere der Zwang zu Gemeinschaftsunternehmen (joint ventures) mit chinesischen Unternehmen, der Technologietransfer oder die Staatssubventionen Chinas.

Außerdem werden die unterschiedlichen kulturellen Backgrounds und Weltsichten von China und dem Westen thematisiert. „Chinas Neuorientierung in der Wertediskussion geht in eine eigenständige Richtung ohne einseitige Ausrichtung an westlichen Werten“, stellen die Autoren fest. Die Bestrebungen einer „friedlichen Evolution“, um die sich die damalige Regierung Clinton bemühte, um das kommunistische China in eine demokratische Form zu überführen, wurden enttäuscht. „Reform und ‚Liberalisierung‘ Chinas werden sich auch in Zukunft nicht zwingend auf der vom Westen erwarteten und erhofften Linie vollziehen“, so die Einschätzung der Autoren. China setze im Gegenzug auf eine kulturelle „Soft-Power“-Strategie, die auf den Machteinfluss durch kulturelle Werte abzielt. Durch Kulturattraktivität, die Aktivitäten der Konfuzius-Institute weltweit oder zukünftige Erfolge im Hochleistungssport soll diese gefestigt werden.

Mein Fazit: Ein komplexes, tiefgründiges Buch für China-Interessierte, China-Kenner und Wirtschaftsexperten. Wer den wirtschaftlichen Wandel in China und die Zusammenhänge der globalen Beziehungen besser verstehen will, sollte „Im Bann des Drachens“ lesen. Das Werk zeichnet ein komplexes Bild Chinas als aufstrebende Wirtschaftsnation, die zwischen Tradition und Fortschritt ihren eigenen Weg zur globalen Führungsmacht beschreitet. In den nächsten Jahrzehnten wird sich zeigen, wer beim Ringen mit dem Drachen letzlich die Oberhand behält.

Wolf. D. Hartmann, Wolfgang Maeenig, Walter Stock: „Im Bann des Drachens: Das westliche Ringen mit dem Aufstieg Chinas“, Frankfurter Allgemeine Buch Verlag, Oktober 2018


Lotus und chinesische Stachelbeere: China im Botanischen Garten Berlin

Botanischer Garten Berlin

Ein Ausflug in den Botanischen Garten in Berlin-Dahlem ist wie eine kleine Weltreise: Pflanzenliebhaber und Naturbegeisterte können 20.000 Pflanzenarten aus allen Herren Ländern in den riesigen Gewächshäusern oder in der weitläufigen Außenanlage bestaunen. Beeindruckend sind die meterhohen Kakteen, die farbenprächtigen Orchideen, die asiatischen Gehölze, der tropische Regenwald, der Himalayahügel oder die vielen Obstbäume und Heilpflanzen.

Japanischer Pavillon in der Nähe vom chinesischen Teich

Gewächse aus China und Japan finden sich in der Außenanlage rund um den chinesischen Teich und – etwas abseits gelegen – wo der japanische Pavillon steht. „Fundstücke“ aus China gibt es an vielen Stellen zu entdecken, von der Lotusblume im Gewächshaus über den chinesischen Wacholder am Hügel bis hin zum chinesischen Gurkenbaum.

Der Botanische Garten gehört als zentrale Einrichtung zur Freien Universität Berlin und dient nicht nur als Erholungs- und Erlebnisort, sondern vor allen Dingen zur Erforschung, Dokumentation und Erhaltung der pflanzlichen Vielfalt. Um das ganze Gelände zu erkunden, braucht man schon mindestens drei bis vier Stunden. Tickets kosten 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Meine Empfehlung für alle Berliner und Nicht-Berliner, die auch mal einen Ginkgo oder eine chinesische Stachelbeere (Kiwi) am Strauch sehen wollen: nächste Station Botanischer Garten Berlin.

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin
Freie Universität Berlin
Königin-Luise-Straße 6-8
14195 Berlin
Der Bus 101 hält direkt am Eingang Dahlem.

https://www.bgbm.org/

Seerosen und Lotusblumen

Chinesischer Gurkenbaum

Die chinesische Stachelbeere ist hierzulande als Kiwi bekannt.

Der Gingko ist ein in China beheimateter Baum, deren Samen essbar sind. Der Baum kann sehr hoch und alt werden und gehört zu den heiligen Tempelbäumen.

Buchtipp: Der Weg beginnt unter deinen Füßen – Zen für das moderne Leben

Wie finde ich die innere Mitte und lerne Meditation? Das neue Buch „Der Weg beginnt unter deinen Füßen – Zen für das moderne Leben“ von Jeff Shore, erschienen im O.W. Barth Verlag, gibt Praktizierenden einen analytischen Einblick in die Praxis des Zen.

Gleich zu Beginn stellt der amerikanische Zen-Meister Jeff Shore die Sitzmeditation „Zazen“ vor. Es ist der Weg zum Eins-Sein, wie er es nennt. Ganz bei sich zu sein mit dem Ziel, ohne aufwühlende Gedanken und Bewertungen der Dinge, die die Umgebung ausmachen. Erst dadurch entsteht ein Zustand der Ruhe und Klarheit, durch den man Erkenntnis gewinnt. Wie beispielsweise bei einem Notfall, bei dem die Gedanken ausgeschaltet sind und man handelt, ohne zu denken. Die Meditation im Sitzen lässt sich laut Autor auch im Alltag anwenden, auch ohne ruhige Umgebung oder einer sitzenden Position. Jeder kann jederzeit innehalten und sogar buddhistische Fragen zur Lösung seiner Alltagprobleme heranziehen.

Atemübungen im Lotussitz

Während des Atmens  wird von eins bis zehn gezählt oder nur mit der Fokussierung auf die eins. Diese scheinbar simple Übung hat es dann doch in sich. Schließlich soll man sich von nichts ablenken lassen und ganz bei sich sein. Der zerstreute Geist soll leer werden und dies ermöglicht dann den Weg zur Erleuchtung. Bis einem deutlich wird, dass alles, was man braucht, eigentlich in einem selbst steckt. Denn eigentlich, so die Konsequenz, ist jeder ein Buddha, denn Buddha heißt nicht „der“ Erleuchtete, sondern ein Mensch, der erleuchtet ist.

Es gilt, das Miss-Behagen zu erkennen und aufzulösen, die Ursprünge der Dinge zu erfassen und negative Gefühle umzuwandeln. So weit die Theorie. Shore belässt es aber nicht dabei. Er erklärt Zen in der Praxis, er gibt viele Tipps und nennt als Beispiele viele Zen-Geschichten und buddhistische Lehrtexte und Anekdoten, die er anschließend ausführlich analysiert und interpretiert. Dabei lässt er dem Leser aber auch durch offene Fragen genügend Raum für eigene Interpretationen. Denn ein Zen-Lehrer sollte nicht belehren, wie Shore meint. Erleuchtung ist eine Erfahrung, die jeder aus sich selbst erlernt.

„Stellt sich doch ein Gedanke ein, nehmt ihn war. Sobald ihr ihn wahrnehmt, verflüchtigt er sich. Irgendwann sind die Bedingungen vergessen, und alles ist auf natürliche Weise geeint. Das ist das Wesen von Zazen“, so Shore über eine Meditationsweisheit.

Buddhistische Lehre im Alltag

Shore zieht immer wieder den Bezug zur modernen Lebenswelt. Ist der Chef das Problem oder bin ich es selbst? Für gegensätzliche Pole wie Stress und Langeweile nimmt er das Bild einer Wippe zur Hilfe. Der Mensch bewege sich auf dieser Wippe stets hin und her, denn nichts sei beständig, sondern immer im Wandel. Auch Emotionen. Gefühle wie Hass oder Schmerz sollen in ihr Gegenteil umgewandelt werden. Gegen Hass helfen Mitgefühl und liebende Güte. Wenn der Hass erloschen ist, kann man wieder klar und ruhig denken und handeln. Man soll die Dinge durchschauen, den Ursprungskern erkennen und damit die Realität. Im Buddhismus soll man sich auch an nichts klammern, wie z.B. Besitz. Die Vorstellung, dass man etwas besitze und es nicht loslassen kann, führe nur zu Schmerz.

Mein Fazit: Das Buch gibt Menschen, die bereits Erfahrungen mit Meditation haben, viele nützliche Hintergrundinformationen und Erklärungen an die Hand. Es eignet sich nicht für Anfänger, sondern eher für Kenner der Materie. „Der Weg beginnt unter deinen Füßen“ ist ein philosophisches Buch über die moderne Zen-Praxis und überzeugt durch den persönlichen Erfahrungsschatz des Autors.

Jeff Shore hat Religion und Philosophie studiert, ist Professor an einer buddhistischen Universität in Kyoto und Zen-Meister.

Jeff Shore: „Der Weg beginnt unter deinen Füßen. Zen für das moderne eben“, O.W. Barth (Verlagsgruppe Droemer Knaur), 2018

 

 

Hongkong vs. China: Was Hongkonger über Festlandchinesen denken

Hongkong ist seit 1997 Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, unterscheidet sich aber in vielen Aspekten vom Festland. Was denken die Hongkonger über die Festlandchinesen, die Aktivitäten der chinesischen Regierung und die Zukunft von Hongkong?

In Hongkong gibt es Meinungs- und Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Versammlungsfreiheit, unzensierten Zugang zum Internet, eigene Gesetze, Zölle, Währung und ein freies Wirtschaftssystem. Das Prinzip „Ein Land – zwei Systeme“ wird aber immer stärker durch den Einfluss Pekings untergraben, beispielsweise, wenn es um den Umgang mit der Pressefreiheit geht ( Deutschlandfunk, 14.08.2018., „Pressefreiheit in Hongkong. Die Festlandisierung geht weiter„).

Viele Hongkonger empfinden sich selbst weniger als „Chinesen“, sondern eher als „Hongkonger“ mit einer eigenen Kultur, die natürlich auch durch die britische Kolonialzeit westlich geprägt ist. Besonders die junge Generation fürchtet den Verlust von Freiheit und Grundrechten, wenn Hongkong seine Autonomie 2047 verlieren wird.

Im Folgenden findet ihr einige Videos, die die Unterschiede zwischen Hongkong und China deutlich machen, und außerdem ein paar Interviews mit Hongkongern, die sich zu ihrem Verhältnis zu den Festlandchinesen und ihre eigene Identität äußern. (Fotos oben: Awai Cheung, M. Schneider)

 

 

Buchtipp: Chinas neue Seidenstraße

Chinas neue SeidenstraßeDie „neue Seidenstraße“ gilt als das Großprojekt Chinas. Im Zuge des US-Protektionismus ist die „One Belt One Road“- (OBOR) oder auch „New Silk Road“-Initiative (NSR) zentraler Bestandteil einer Neuorientierung Chinas zum freien Welthandel.  Welche Chancen und Risiken gehen mit dem Programm einher für die EU und Deutschland? Das Buch „Chinas neue Seidenstraße“, erschienen im Frankfurter Allgemeine Buch Verlag, analysiert Chinas aktuelles geopolitisches Handeln und zeichnet das Bild einer Nation im Wandel.

Das Projekt „neue Seidenstraße“ ist in Anlehnung an die alte Seidenstraße eine Initiative des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping im Jahr 2013. Im Vordergrund stehen der wirtschaftliche Austausch zwischen Asien und Europa, Investitionen und gemeinsame Krisenbefriedung. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle: Kooperation statt Konfrontation, Entwicklungsförderung der Schwellenländer, Harmonie durch die Schaffung eines internationales Gleichgewichts und ein friedvolles Miteinander, Ausbau der Infrastruktur, Schaffung von Industriekorridoren, Innovationshubs, Energienetze  und Kommunikationsnetze.

Im Zentrum steht ein Investitionsprogramm Chinas, das insbesondere von Europa mit Skepsis betrachtet wird, wenn nicht gar mit Furcht. Nicht zuletzt wegen beunruhigender Medienberichte über den Ankauf von Industrieunternehmen oder dem illegalen Transfer von Hightech-Knowhow.  China will führend werden in Schlüsseltechnologien wie beispielsweise der Robotik, Digitalisierung oder E-Mobilität. Präsident Xi gab in einer Rede zu bedenken, dass es unmöglich sei, den „Austausch von Kapital, Technologien, Gütern und Arbeitern zu stoppen.“ Protektionismus verglich er als einen dunklen Raum, in dem man sich einschließe. „Wind und Regen bleiben vielleicht draußen. Licht und Luft aber auch.“ Kooperation statt Isolation lautet das Motto. Aber ist dies auch der Anfang einer neuen globalen Weltordnung mit China an der Spitze?

Im Buch werden verschiedene OBOR-Projektbeispiele erläutert, ebenso die strategische Neuausrichtung von Branchen, die chinesische Innovationsstrategie und die Chancen für Europa und andere Staaten. Berichtet wird außerdem über den angestrebten Imagewandel Chinas, die Herausforderungen des freien Unternehmertums, die Problematik des Umweltschutzes und der Dekarboninsierung. Außerdem erfährt der Leser viel Wissenswertes über die alten und neuen Handelsrouten. Bei dem aktuellen OBOR-Projekt handelt es sich nämlich nicht um einen einzigen Handelsweg, sondern um zwei Hauptrouten: auf der einen Seite den Landweg über Zentralasien, Iran, Türkei, Moskau nach Europa, auf der anderen Seite die maritime Seidenstraße als Verbindung zu den südasiatischen Nationen.  Auch die historische „Seidenstraße“ – ein Begriff, der von Baron Ferdinand von Richthofen erst im Jahr 1877 geprägt wurde –  bestand eigentlich aus einem Netz aus vielen Handelswegen. Hier wurden neben der wertvollen Seide auch Porzellan, Gewürze und andere Kulturgüter transportiert.

Wer sich umfassend über die Hintergründe und Perspektiven dieses einzigartigen Jahrundertprojekts „neue Seidenstraße“ informieren will, erhält mit dieser Fachlektüre eine umfangreiche Analyse, die die aktuellen Änderungsprozesse im globalen Welthandel detail- und faktenreich aufzeigt. Ein Standardbuch für all jene, die Chinas Bestrebungen und seine neue internationale Rolle besser verstehen wollen.

Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig, Run Wang: „Chinas neue Seidenstraße. Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel“, Frankfurter Allgemeine Buch, 2. Aufl. 2018