Digitalisierung in China – vom mobilen Supermarkt bis zur Gesichtserkennung

Foto: M. Schneider

Die Digitalisierung in China schreitet schneller voran als im Westen. Staatschef Xi Jinping sprach auf dem Parteitag im Oktober 2017 von einer neuen Ära und einem digitalen China mit einer smarten Gesellschaft. Der Wettlauf um den digitalen Fortschritt ist eingeläutet. Die technischen Entwicklungen im Reich der Mitte sind beeindruckend, irritierend und zuweilen kurios.

Big Data
Die chinesische Regierung setzt bei der Digitalisierung in erster Linie auf Videoüberwachung und Big Data. Systeme zur Gesichtserkennung sollen bis 2020 in China ausgebaut werden. Hinzu kommt die Einführung eines Social Credit Systems: Wer sich korrekt und parteikonform verhält, bekommt soziale Punkte gutgeschrieben. Die gesammelten Daten fließen in ein Bewertungssystem ein, das Auswirkungen haben kann auf die Kreditwürdigkeit oder den Zugang zu Bildung und Jobs. Die Regierung arbeitet hierfür mit Firmen zusammen wie China Rapid Finance, dem Entwickler des Messengerdienst WeChat. Die Überwachung soll landesweit und allumfassend werden. George Orwell lässt grüßen. Gesichtsscannen am Himmelstempel in Peking ist bereits an der Tagesordnung. Seit den vermehrten Diebstählen von Toilettenpapier muss sich nun jeder Besucher per Gesichtserkennung identifizieren und erhält dann seine Ration von 60 cm Papier. Erst nach 9 Minuten gibt es eine Freischaltung für dieselbe Person und weiteres Toilettenpapier kann zugeteilt werden. Die New York Times berichtete.

Innovative Techniken
Auf der diesjährigen Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigte China seine Innovationsstärke. Mit 1700 Ausstellern war die Volksrepublik vertreten. Das Image, Billigproduzent und Raubkopierer zu sein, will das Land endgültig ablegen und durch eigene  technische Lösungen überzeugen. Zu den Neuheiten zählten u.a. ein Tischtennis-Trainingsroboter, der in China und Japan entwickelt wurde. Auch ein erstes Live-Übersetzungsprogramm, das Personen über Kopfhörer miteinander kommunizieren lässt, wurde präsentiert. Der Hersteller Ecoo hat den Anspruch, das günstigste Elektroauto der Welt zu produzieren. Eine Kampfansage gegenüber der deutschen Automobilindustrie, die mit Elektromobilität punkten will. China setzt in Zukunft auf dezentrale Speicherlösungen statt auf große Rechenzentren, denn auch im Cloud-Service-Markt will China in den nächsten Jahren ganz vorne mitspielen.

Soziale Netzwerke
Der Alltag der Chinesen ist weitaus mehr durch soziale Netzwerke und mobile Geräte geprägt als in Deutschland: 90 Prozent der Internetnutzer sind aktiv in den sozialen Medien (in Deutschland sind es 1/3), wobei die Chinesen über eigene Kanäle verfügen, die allerdings der Zensur der Regierung unterworfen sind. Da die westlichen Kanäle wie Youtube, Facebook, Whatsapp und Twitter in China einer Sperre u nterliegen, nutzen die Chinesen Youku, Renren, WeChat und Weibo. Chinesen können mit der App Alipay ihre Einkäufe bezahlen. Großer Konkurrent für Amazon ist das Internetunternehmen Alibaba, das von Jack Ma gegründet wurde.

Mobiler Markt
Einkaufen  in China wird digitaler. In Shanghai fährt bereits heute ein mobiler Supermarkt als Prototyp durch die Straßen. Registrierte Personen können dort einkaufen. Der Wheely’s Moby Mart ist ein Projekt eines schwedischen Start-up-Unternehmens und der chinesischen Hefei Universität. Ein faszinierendes Modell, aber auch irgendwie kurios. Läden ohne Personal könnten weiter an Bedeutung gewinnen. Im letzten Jahr eröffnete Alibaba ein Café in Hangzhou, das ohne Mitarbeiter im Laden auskommt. Eintritt erfolgt über eine App. Bezahlt wird über ein Online-Konto.

Künstliche Intelligenz (KI)
China soll bis 2030 Vorreiter bei der Künstlichen Intelligenz werden. In Peking wird ein KI-Industriepark mit bis zu 400 Firmen entstehen. Die vornehmlichen jungen Firmen sollen sich mit Zukunftstechnologien wie Cloud Computing, Big Data, Deep Learning und Biometrie befassen. Die chinesische Regierung fördert dieses Projekt  mit umgerechnet 2 Milliarden Euro. KI wird für viele Bereiche immer wichtig werden: smarte Roboter, die mit Menschen zu Hause kommunizieren, intelligente Industrieroboter, die auch gefährliche Arbeiten übernehmen können, oder auch Systeme für smarte Lagerung  und Logistik.

China befindet sich auf dem Weg zu einer digitalen Gesellschaft. Das Land hat sich hierfür seinen eigenen Markt geschaffen, der sich vom Westen bewusst abgrenzt. Die nächsten Jahre werden zeigen, inwieweit sich der Westen im Wettlauf um die Digitalisierung gegenüber China behaupten kann.

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Chinesisches Neujahr: Das Jahr des Hundes startet am 16. Februar 2018


Was bringt das Jahr des Hundes? 2017 war für mich und viele andere ein turbulentes Jahr mit viel Veränderungen und Hochs und Tiefs. Für das kommende Jahr wünsche ich mir etwas mehr Ruhe und Beständigkeit. Laut dem chinesischen Horoskop wird das Jahr des Hundes, das am 16. Februar 2018 eingeläutet wird, ein Jahr, in dem harte Arbeit, Fleiß und Engagement belohnt werden. Beständigkeit, Stabilität beziehen sich auf Beruf und Familie. Vor unnötigen Risiken sollte man sich fernhalten.

Der Hund steht für Ehrlichkeit, Treue, Pflichtbewusstsein, Klugheit und Pragmatismus. Auch sein Sinn für Gerechtigkeit ist prägnant. Er versteht sich gut mit den Tierkreiszeichen Pferd, Hase und Tiger. Probleme hat der im Zeichen des Hund Geborene mit im Jahr der Ziege oder des Drachen Geborenen (was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann). Prominente, die im Jahr des Hundes geboren wurden, sind beispielsweise Elvis Presley, Justin Biber, Mutter Teresa, Udo Jürgens, David Bowie und Madonna. Das Hunde-Jahr endet übrigens am 4. Februar 2019.

 

Buchtipp: „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“

Das Buch „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ vom Zen-Mönch Haemin Sunim ist kein Ratgeber im klassischen Sinn. Vielmehr ist es ein Philosophiebuch, das angereichert ist mit Anekdoten und buddhistischen Weisheiten, die der Autor auf Alltagsituationen treffend anwendet. Ich musste geduldig sein und die Langsamkeit zelebrieren, bis ich es selbst in den Händen halten konnte – aber das Warten hat sich gelohnt.

Haemin Sunims Sprache ist einfach, aber in jedem Satz steckt eine tiefe Bedeutung. Seine Thesen und Schlussfolgerungen sind für jedermann verständlich formuliert. Philosophie ist nicht kompliziert, wenn Haenim Sunim sie erklärt.

„Wenn du willst, dass deine Kinder weniger fernsehen, schalte zuerst deinen eigenen Fernseher aus“, so der Autor. Es ist zunächst der Blick auf das eigene Ich, bevor man von anderen etwas verlangt oder andere für etwas beurteilt. Selbst wenn der Chef einen bittet, eine Arbeit zu erledigen, die einem zu banal erscheint, sollte man dies akzeptieren statt seine Energie damitzu verschwenden, indem man sich ärgert und auflehnt. Man kann sich das Leben selbst schwer machen. Wer Neid empfindet, für den hat er auch eine plausible Antwort parat: „Das Leben ist wie ein Stück Pizza. In einer Anzeige sieht es köstlich aus, aber wenn wir es essen, ist es nicht so gut, wie wir es uns vorgestellt haben. Wenn du jemanden um sein Leben beneidest, denk an die Pizza in der Anzeige. Es sieht immer besser aus, als es ist.“

Haemin Sunim, © Jo Sehyen

Haemin Sunim empfiehlt, jedes Kapitel zu lesen und anschließend in Ruhe über das Gelesene nachzudenken, bevor man das nächste Kapitel aufschlägt. Tatsächlich sollte man sich genügend Zeit nehmen, die scheinbar einfachen Sinnsprüche auf sich wirken zu lassen. Jeder wird sich dabei ertappen, die eine oder andere beschriebene Situation selbst schon einmal erlebt zu haben. Die Wahrheit in seinen Worten ist teilweise berührend und oftmals inspirierend.

Auch die Illustrationen sind poetisch und schlicht. Sie zeigen dabei zumeist das gleiche Motiv: Menschen, die alleine oder gemeinsam in einer Landschaft wie Miniaturen dargestellt sind und über ihen steht der überdimensionale Mond am Himmel. Vielleicht ein Sinnbild für Bescheidenheit? Der Mensch lediglich als ein Teil eines großen Ganzen?

Die außergewöhnliche Art, zenbuddhistische Weisheiten in diesem neuen Format zu präsentieren – mit Leichtigkeit und Sinnhaftigkeit – ist eine Herangehensweise, die mir gut gefallen hat. Ein empfehlenswertes Buch, in dem man viele Weisheiten zu unterschiedlichen Lebenssituationen findet. Für alle, die sich für Buddhismus und Achtsamkeit interessieren, eine wichtige Lektüre.

Haemin Sunim: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst, Scorpio Verlag, 272 Seiten

https://www.scorpio-verlag.de/Buecher/259/DieschnenDingesiehstdunurwenndulangsamgehst.html

Buchtipp: „Glücksrezepte“ – Lebensfreude und Genuss nach den fünf Elementen

Glücksrezepte Drachenhaus VerlagDas  neue Buch „Glücksrezepte“ von TCM-Expertin Isabella M. Obrist zeigt, wie man die fernöstliche 5-Elemente-Ernährungstheorie mit westliche Essgewohnheiten kombinieren kann. Das Besondere: Die Rezepte sind jeweils einer Jahreszeit angepasst und rein vegetarisch.

Oft fragt man sich: Was soll ich heute wieder essen? Das Buch Glücksrezepte verrät, wie man seine Ernährung kreativ und genussvoll auf die wechselnden Jahreszeiten umstellen kann. Im Winter tut dem Körper beispielsweise Sellerie-Suppe mit Birne und Zimt gut, im Frühsommer ein Aufstrich aus grünen Bohnen mit Salbei-Brötchen oder im Herbst ein leckeres Blumenkohl-Curry mit Kokosmilch.

Gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird jeder Jahreszeit eines der fünf Elemente zugeordnet:

Frühling = Holz

Frühsommer = Feuer

Spätsommer = Erde

Herbst = Metall

Winter = Wasser

Der Titel des Buchs deutet auf die Intention der Autorin: Es geht nicht nur um leckeres, gesundes Essen, sondern auch um die Erfahrung von Glück und Lebensfreude, zu dem eine bewusste und gute Ernährungsweise beitragen kann. Diese wird nur allzuoft vernachlässigt. „Wir wollen den Zusammenhang zwischen Essen und Gesundheit begreifen, ein Zusammenhang, der den Menschen im Fernen Osten seit Jahrtausenden bewusst ist“, so Obrist. 1992 kam sie im Kloster von Tian Tai Shan mit der Fünf-Elemente-Küche zum ersten Mal in Berührung. Die Mönche luden sie zu einem Essen ein, das fleischlos war. Sie beschäftigte sich mit dieser „anderen“ Art zu kochen, und interessierte sich für die chinesische Medizin, die Lebensmittel gezielt nach den Naturgesetzen einsetzt, um die Gesundheit zu stärken und zu erhalten.

Nach einer kurzen Einführung in die Fünf-Elemente-Theorie und Grundprinzipien der chinesischen Medizin folgen 40 Rezepte passend zu den Jahresabschnitten. Jedes einzelne Kapitel endet mit einer Analyse der Zutaten – zum Beispiel der Wirkungsbeschreibung von Brokkoli oder Kichererbsen. Im Anhang findet man dann abschließend einen Saison-Kalender sowie eine Tabelle, die diverse Lebensmittel den Elementen zuordnet.

Mein Fazit: Kochen im Kreislauf mit der Natur macht Appetit und das Buch überzeugt durch außergewöhnliche Rezepte und eine schöne Bebilderung. Es macht Lust auf gesunde Ernährung und ist nicht nur ein Tipp für Vegetarier.

Isabella M. Obrist: Glücksrezepte. Lebensfreude und Genuss nach den Fünf Elementen, Oktober 2017, Drachenhaus Verlag

 

Bo Sun: Finde dich selbst durch innere Kraft

Als Bo Sun von China nach Deutschland kam, waren seine Hoffnungen geprägt von Freiheit und Wohlstand in einem für ihn kulturell neuen Land. Doch Sprachschwierigkeiten, Leistungsdruck und Heimweh ersetzten den anfänglichen Optimismus. Sein seelisches Gleichgewicht war nicht mehr vorhanden. Er begann daher die Suche nach seinem eigenen Selbst und seinen Wurzeln. In seinem Buch „Finde dich selbst durch innere Kraft“  hat der Experte der chinesischen Medizin seine Gedanken zusammengefasst und lädt seine Leserschaft ein zu einer philosophischen Reise.

 

Viele Menschen kommen in die Situation, sich zu fragen, worin der Sinn des Lebens liegt und wie sie Hindernisse, Herausforderungen und Krisen im Leben bewältigen sollen. All jene will Bo Sun mit seinem Buch ansprechen und begleiten, Harmonie und Zufriedenheit zurückzugewinnen.  In 100 Lebensweisheiten erklärt der Autor seine Erkenntnisse auf dem Weg zu mehr Glück und Lebensfreude. So plädiert er beispielsweise für wahre Freundschaft. Liebe, Verständnis und ein klares Herz:

Unser Herz bleibt meistens in Dunkelheit und macht
unseren Körper schwer. Das passiert, weil wir zu hohe Ansprüche
haben, zu viel erwarten, verlangen und wünschen. Diese Wünsche
sollten wir gar nicht erst annehmen, da wir die Dinge nicht
wirklich brauchen. Außerdem machen sie unser Herz schwer,
dunkel und unklar. Wir müssen lernen, so einfach wie möglich zu
leben und uns gut überlegen, was wir brauchen und was nicht.

Das Buch wird durch kunstvolle Kalligrafien seines Vaters Hai Yun Sun ergänzt. Ein liebevoll gestaltetes, sehr persönliches Werk, das zum Nachdenken anregt und vielleicht auch nicht nur ein Geschenk an sich selbst ist, sondern auch für andere.

Bo Sun: „Finde dich selbst durch innere Kraft, Sun Verlag 2015, 168 Seiten

http://www.sun-verlag.de/buecher/#!

Workshop von Meister Zhuang JianShen in Wien

ZHUANG JianShen und Awai CheungDie Taiji Schule Bai in Wien hat Meister Zhuang JianShen eingeladen, die 18fache Methode des Lian Gong Shi Ba Fa zu unterrichten. Awai Cheung (rechts im Bild) hatte Gelegenheit, ihn zu treffen.

Meister Zhuang JianShen ist der Sohn von Zhuang Yuanming, der Begründer der „18fachen Übungsmethodik“ und renommierter chinesischer Orthopäde. 2009 wurde dessen Methodik als „Immaterielles Kulturerbe-Schutz-Projekt“ in Shanghai aufgenommen. Zhuangs Patienten litten insbesondere unter Hals-und Schulter- und Kreuzschmerzen. Außerdem entwickelte er eine „Tuina-Plus-Übung-Therapie“, die seine Patienten auch zu Hause ausüben konnten. Dies führte zu einer Reihe von effektiven Übungen, die im Gesundheitswesen angewendet werden.

ZHUANG JianShen und Awai CheungJianShen führt nun die Tradition seines Vaters fort und ist Präsident und Cheftrainer von Shanghai Gesellschaft für 18fache Übungsmethodik. Er übernahm und erweiterte viele Forschungsprojekte und vermittelt sein Wissen heutzutage auch in Übersee.

Qigong-Experte Awai Cheung traf Zhuang JianShen nun kürzlich bei einem Workshop in Österreich. „Als ich vor einigen Jahren in Shanghai beruflich unterwegs war, lehrte Meister Zhuang gerade in Europa. Umso mehr habe ich mich jetzt darüber gefreut, ihn in Wien zu treffen und mit ihm gemeinsam zu üben. Es war eine großartige Begegnung, die von Harmonie und positiver Energie geprägt war. Er ist nicht nur ein Meister seines Fachs, sondern auch eine Persönlichkeit mit besonderer Ausstrahlung und Authentizität“, so Awai Cheung.

Vortrag Haemin Sunim: „Buddha nature is within us“

Urania Berlin und Haemin SunimEntspannung durch Entschleunigung – das Leben mit Achtsamkeit erleben. Der Koreaner und buddhistischer Mönch Haemin Sunim vermittelt die Weisheiten des Zen auf ganz praktische Weise seinen Mitmenschen mit guten Ratschlägen und Analysen der indivuellen Lebenssituationen. Dabei hat er – ganz modern und aufgeschlossen – die sozialen Medien genutzt, um in Kontakt mit anderen zu treten. Er selbst war überrascht, wie viele Menschen ihm ihre persönlichen Probleme offenbarten und nach Lösungsvorschlägen fragten. Heute tourt er durch Deutschland und Österreich, stellt seine Thesen vor und beantwortet die Fragen des Publikums wie beispielsweise in der Berliner Urania. Ich war gestern live dabei.

Bescheiden und die Hände übereinander gelegt sitzt Haemin Sunim auf dem ungepolsterten Stuhl auf der Bühne. Neben ihm der Leiter des Scorpio Verlages Michael Görden, der als Übersetzer fungiert. Es braucht nicht viel – keine Präsentation, keine Bilder, kaum Musik, damit das Publikum aufmerksam bleibt. Haemin erzählt davon, wie man die Buddha Natur erreichen kann. Wesentliche Aspekte sind Achtsamkeit, Entspannung, Verbundenheit mit Menschen und Objekten, die uns positiv überraschen und für einen Moment staunen lassen, wie z.B. ein Sonnenuntergang. Plötzlich bleibt man stehen und ist völlig in der Gegenwart. Fokussiert auf den Moment. „My mind becomes Buddha mind. My mind is relaxed and connected“, sagt Haemin. Die „Buddha-Natur“ habe man bereits, ergänzt er, jeder trage sie bei sich, man verliert sie nicht. Der Weg der Erleuchtung sei demnach nicht am Ende einer Strecke. Es ist eher der Weg nach innen. „Buddha mind is within us.“ Nach seiner Auffassung, ist jenes, das wir erwachen lassen wollen, unsere „true nature“, die wir bereits in uns haben.

Wie kann man die Buddha-Natur erfahren? Wie wird man glücklich? Wie erlernt man Gelassenheit? Beispielsweise mit Dankbarkeit, Mitgefühl, Liebe, Freude, einer neuen positiven Einstellung gegenüber den Dingen und vor allem Langsamkeit. Beispielsweise beim Essen, das man genießen kann, wenn man sich darauf konzentriert. „The attention to the activity makes us happy, not the activity.“ Für Entspannung sorgt auch Humor. Diesen zeigt er immer wieder durch kleine Anekdoten und durch Zen-Witze. Selbstverständlich lässt er auch kurze Übungen zur Achtsamkeit in seinen Vortrag einfließen. Atemübungen, Mantras (ähnlich dem autogenen Training im Westen), die positive Energien verströmen sollen. Das Publikum macht mit und die Ruhe und positive Energie überlagert den Saal.

Im zweiten Teil beantwortet er Fragen aus dem Publikum. Er überlegt eine Weile, findet weise Antworten, die plausibel sind und zum Nachdenken anregen. Wichtig sei es, seinen „mind“ zu ändern, Wut kann man umlenken durch kreative Aktivitäten wie Tanzen oder Singen. Für Probleme muss man Lösungen finden. Kann man die Stuation ändern? Wenn nicht, dann ändere deine Einstellung. Es funktioniert. Seine Gestik ist reduziert, nur einmal holt er weit mit den Armen aus. Er überzeugt durch seine klugen, einfachen Worte, seine Ausstrahlung und Gelassenheit. Was ihn auszeichnet, ist eine Leichtigkeit in seinen Worten, die in ihrer Einfachheit und Klarheit eine Tiefe vermitteln, ohne belehrend zu sein. Haemin spricht wie ein guter Freund, den man um Rat fragt. Der Abend war kurzweilig und aufschlussreich. Ich mache mich mit einem guten Gefühl auf den Weg und der Erkenntnis, dass ich ihn stets bei mir habe – den inneren Buddha.

Wer Haemin Sunim in Berlin verpasst hat, kann ihn noch am 11. Oktober 2017 um 19 Uhr im Dussmann Kulturkaufhaus sehen. Der Eintritt ist frei.

Demnächst folgt noch eine Rezension des Buchs „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ von Haemin Sunim.

Vortrag Urania Berlin 28.09. 2017: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Stress und Hektik sind bei vielen Berufstätigen an der Tagesordnung. Schnelligkeit, präzises Arbeiten und dabei immer den Erfolg vor Augen – wie kann man trotzallem auch mal innehalten und den mentalen Stopp-Button drücken? Der Südkoreaner Professor Haemin Sunim ist  Meditations- und Zen-Lehrer in New York und widmet sich genau dieser Problematik.

Sunims Weg für ein gelassenes Leben liegt in der Betonung der Achtsamkeit und der Fokussierung auf das Wesentliche wie Glück, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Ruhe. Der Mönch vermittelt auf poetische Weise die Aspekte des Buddhismus und des Zen, die sinnvoll in den westlichen Liefestyle integriert werden können, um den Alltagssituationen mit mehr Lebensfreue zu begegnen. Mit seinen asiatische Wurzeln und seinen Erfahrungen in den USA führt er so die unterschiedlichen Lebenswelten zusammen. Ein besonderes Highlight: Haemin Sunim hat mit dem amerikanischen Schauspieler Richard Gere, der bekennender Buddhist ist, ein interessantes Interview zum Buddhismus geführt.

Haemin Sunim, © Jo Sehyen

Am 28. September 2017 ist Sunim live in der Berliner Urania bei seiner Buchvorstellung mit dem Titel „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ (Scorpio Verlag) zu erleben. Der Vortrag findet in englischer Sprache mit Übersetzung statt.

Tickets und weitere Informationen  unter:

http://www.urania.de/die-schoenen-dinge-siehst-du-nur-wenn-du-langsam-gehst

http://scorpio-verlag.de/Buecher/259/DieschnenDingesiehstdunurwenndulangsamgehst.html