Buchtipp: Der Weg beginnt unter deinen Füßen – Zen für das moderne Leben

Wie finde ich die innere Mitte und lerne Meditation? Das neue Buch „Der Weg beginnt unter deinen Füßen – Zen für das moderne Leben“ von Jeff Shore, erschienen im O.W. Barth Verlag, gibt Praktizierenden einen analytischen Einblick in die Praxis des Zen.

Gleich zu Beginn stellt der amerikanische Zen-Meister Jeff Shore die Sitzmeditation „Zazen“ vor. Es ist der Weg zum Eins-Sein, wie er es nennt. Ganz bei sich zu sein mit dem Ziel, ohne aufwühlende Gedanken und Bewertungen der Dinge, die die Umgebung ausmachen. Erst dadurch entsteht ein Zustand der Ruhe und Klarheit, durch den man Erkenntnis gewinnt. Wie beispielsweise bei einem Notfall, bei dem die Gedanken ausgeschaltet sind und man handelt, ohne zu denken. Die Meditation im Sitzen lässt sich laut Autor auch im Alltag anwenden, auch ohne ruhige Umgebung oder einer sitzenden Position. Jeder kann jederzeit innehalten und sogar buddhistische Fragen zur Lösung seiner Alltagprobleme heranziehen.

Atemübungen im Lotussitz

Während des Atmens  wird von eins bis zehn gezählt oder nur mit der Fokussierung auf die eins. Diese scheinbar simple Übung hat es dann doch in sich. Schließlich soll man sich von nichts ablenken lassen und ganz bei sich sein. Der zerstreute Geist soll leer werden und dies ermöglicht dann den Weg zur Erleuchtung. Bis einem deutlich wird, dass alles, was man braucht, eigentlich in einem selbst steckt. Denn eigentlich, so die Konsequenz, ist jeder ein Buddha, denn Buddha heißt nicht „der“ Erleuchtete, sondern ein Mensch, der erleuchtet ist.

Es gilt, das Miss-Behagen zu erkennen und aufzulösen, die Ursprünge der Dinge zu erfassen und negative Gefühle umzuwandeln. So weit die Theorie. Shore belässt es aber nicht dabei. Er erklärt Zen in der Praxis, er gibt viele Tipps und nennt als Beispiele viele Zen-Geschichten und buddhistische Lehrtexte und Anekdoten, die er anschließend ausführlich analysiert und interpretiert. Dabei lässt er dem Leser aber auch durch offene Fragen genügend Raum für eigene Interpretationen. Denn ein Zen-Lehrer sollte nicht belehren, wie Shore meint. Erleuchtung ist eine Erfahrung, die jeder aus sich selbst erlernt.

„Stellt sich doch ein Gedanke ein, nehmt ihn war. Sobald ihr ihn wahrnehmt, verflüchtigt er sich. Irgendwann sind die Bedingungen vergessen, und alles ist auf natürliche Weise geeint. Das ist das Wesen von Zazen“, so Shore über eine Meditationsweisheit.

Buddhistische Lehre im Alltag

Shore zieht immer wieder den Bezug zur modernen Lebenswelt. Ist der Chef das Problem oder bin ich es selbst? Für gegensätzliche Pole wie Stress und Langeweile nimmt er das Bild einer Wippe zur Hilfe. Der Mensch bewege sich auf dieser Wippe stets hin und her, denn nichts sei beständig, sondern immer im Wandel. Auch Emotionen. Gefühle wie Hass oder Schmerz sollen in ihr Gegenteil umgewandelt werden. Gegen Hass helfen Mitgefühl und liebende Güte. Wenn der Hass erloschen ist, kann man wieder klar und ruhig denken und handeln. Man soll die Dinge durchschauen, den Ursprungskern erkennen und damit die Realität. Im Buddhismus soll man sich auch an nichts klammern, wie z.B. Besitz. Die Vorstellung, dass man etwas besitze und es nicht loslassen kann, führe nur zu Schmerz.

Mein Fazit: Das Buch gibt Menschen, die bereits Erfahrungen mit Meditation haben, viele nützliche Hintergrundinformationen und Erklärungen an die Hand. Es eignet sich nicht für Anfänger, sondern eher für Kenner der Materie. „Der Weg beginnt unter deinen Füßen“ ist ein philosophisches Buch über die moderne Zen-Praxis und überzeugt durch den persönlichen Erfahrungsschatz des Autors.

Jeff Shore hat Religion und Philosophie studiert, ist Professor an einer buddhistischen Universität in Kyoto und Zen-Meister.

Jeff Shore: „Der Weg beginnt unter deinen Füßen. Zen für das moderne eben“, O.W. Barth (Verlagsgruppe Droemer Knaur), 2018

 

 

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Der Elefant, der das Glück vergaß – buddhistische Geschichten von Ajahn Brahm

Der Elefant der das Glueck vergass von Ajahn Brahm

Das Buch „Der Elefant, der das Glück vergaß“, erschienen im Lotos Verlag, ist eine Sammlung von traditionellen buddhistischen Geschichten und persönlichen Anekdoten des Autors Ajahn Brahm. Er ist ein buddhistischer Mönch, der als Peter Betts in London geboren wurde und später theoretische Physik in Cambridge studierte. Ich habe sein Buch gelesen, das unkonventionell und leicht verständlich geschrieben ist.

Die kurzen Geschichten, die Ajahn Brahm erzählt, stehen ganz im Zeichen der buddhistischen Lehre. Zentrale Themen sind Mitgefühl, Bescheidenheit, Respekt und Achtsamkeit. Er verknüpft alte Erzählungen mit den Problemen der heutigen Lebenswelt und findet Parallelen und schafft dadurch den Transfer in die Gegenwart.

Die Erzählung „Alte Mönche lügen nicht“ hat mir besonders gefallen, denn sie lässt sich gut auf die Menschen in der heutigen Gesellschaft anwenden, die nie zufrieden sind und stets mehr verlangen, um glücklich zu sein. Wenn der König den „Pfeil des Verlangens“ abschießt, um einen Schatz und das Glück zu finden, findet man nichts oder Ärger. Sobald man jedoch den Pfeil loslässt, dann begreift man, dass der Schatz der Zufriedenheit im Hier und Jetzt ist.

Der Autor schreckt auch nicht davor zurück, von eigenen Fehlern oder Dummheiten zu berichten oder von den vermeintlich ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufwuchs. Die kleine Wohnung, in der er mit seiner Familie aufwuchs, versteht er nicht als Defizit, sondern Bereicherung. Warum? Weil er auf engem Raum soziales Verhalten erlernt hat – miteinander auskommen, miteinander streiten, sich versöhnen.

Der Leser erfährt, dass 70 Prozent besser seien als 100 Prozent und dass diese 70-Prozent-Regel auch insbesondere für die Erwartungshaltung gelte. Denn wer bei bestimmten Vorstellungen im Leben immer an 100 Prozent festhält, wird unweigerlich enttäuscht werden.

Manche Geschichten machen nachdenklich, manche berühren, manche beleuchten auch unangenehme Themen wie den Tod. Ajahn Brahm schafft es, über alle Sujets mit Leichtigkeit und auch Humor zu schreiben. Die moderne Interpretation alter Weisheiten ist eine gelungene Form, die ein breites Publikum anspricht. Interessant fand ich die Erlebnisse des Autors, die er immer wieder zwischendurch mit einfließen lässt. Es ist quasi ein Buch mit buddhistischen Weisheiten von gestern und heute. Wer die Bücher von Paulo Coelho mag, wird auch Ajahn Brahm gerne lesen.

Ajahn Brahm: Der Elefant, der das Glück vergaß“, Lotos Verlag (Randomhouse), 2014 18. Aufl.

Buchtipp: Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität

Der Mai Tai trinkende Mönch Cover

Der Mai Tai trinkende Moench und die Lehre der Authentizitaet von Stefan Weiss

Philosophie im modernen Märchen: In der Geschichte „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“ von Stefan Weiss, erschienen im Goldmann Verlag, erklärt der Mönch Kenso die buddhistische Lehre der Authentizität in klaren, einfachen Worten. In einem Frage-und-Antwort-Spiel werden zentrale Lebensfragen erläutert. Die Dialoge führen zu teils überraschenden Erkenntnissen.

Nachdem der Mönch Kenso sein Kloster verlassen hat, trifft er zufällig einen freundlichen Herrn in einer Bar. Dieser stellt ihm täglich verschiedene Personen vor, die ihre Fragen an den Mönch stellen. Auch wenn die Zusammenkunft mit  den Fremden, die sehr persönliche Dinge von sich preisgeben, ein wenig konstruiert erscheint, ist die Geschichte unterhaltsam und kurzweilig zu lesen. Die gewählte Form des Dialogs zwischen dem Protagonisten und den Fragstellern ist eine schöne Methode, um philosophische Lösungsansätze in einfacher Weise zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Besprochen werden Themen wie Kreativität, Liebe, Glaubwürdigkeit oder die Zeit.

Mancher Leser wird sich ertappen, sich die eine oder andere Frage schon selbst einmal gestellt zu haben. Oft geht es um die sogenannte dritte Ebene, die wichtig ist, um Erkenntnis und Glück zu erreichen. Hilfreich ist das Glossar am Schluss, das die dritte Ebene und weitere Begriffe aus dem Buddhismus erklärt und zum besseren Verständnis hierfür auch Synonyme aus der westlichen Welt verwendet.

Das Taschenbuch ist trotz der 160 Seiten schnell zu lesen. Die Lehre der Authentizität wird anschaulich und verständlich erklärt. Fazit: Ein lesenswerter, inspirierender Ratgeber im Pocketformat, der an die buddhistische Lehre in kleinen Schritten heranführt.

Stefan Weiss: „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“, Goldmann, 2017

Buchtipp: „Als Buddha noch ein Elefant war“

Als Buddha noch ein Elefant war, AllegriaBuddhistische Weisheiten offenbaren sich in den traditionellen indischen Erzählungen und Anekdoten. Der Kunstprofessor Mark W. McGinnis hat die Geschichten über Buddhas früheres Leben in seinem Buch „Als Buddha noch ein Elefant war“ (Originaltitel: When Buddha was an elephant), erschienen im Allegria Verlag, zusammengetragen. Meine Erkenntnis: einfach märchenhaft.

Bereits beim Aufschlagen des Buchs taucht der Leser ein in eine andere Welt: Die vom Autor selbst entworfenen bunten Illustrationen mit Tiermotiven prägen jedes Kapitel. Die Erzählweise, die der Autor gewählt hat, ist bewusst im Gestus vergangener Zeiten gehalten. Dadurch unterstreicht er die poetische Qualität der 32 Geschichten, die von Mitgefühl, Ehrlichkeit und Achtsamkeit der Protagonisten berichten.  In „Der Elefant, die Zimmerleute und der König“ oder „Der goldene Pfau und der Jäger“ wird beispielsweise das Mitgefühl als eine der buddhistischen Grundregeln thematisiert.

Wer sich für die alten Lehrgeschichten Buddhas interessiert und Freude an kreativ gestalteten Büchern hat, dem kann ich das Werk empfehlen. Ein Buch, das sich besonders zum Vorlesen eignet, zur eigenen Inspiration und zum Nachdenken. Die zeitlosen Geschichten haben in ihrer Sinnhaftigkeit nicht an Aktualität verloren. Die Weisheiten Buddhas sind immernoch wegweisend  für ein glückliches und harmonisches Miteinander.

Mark W. McGinnis: Als Buddha noch ein Elefant war, Allegria, 2017

 

Vortrag Haemin Sunim: „Buddha nature is within us“

Urania Berlin und Haemin SunimEntspannung durch Entschleunigung – das Leben mit Achtsamkeit erleben. Der Koreaner und buddhistischer Mönch Haemin Sunim vermittelt die Weisheiten des Zen auf ganz praktische Weise seinen Mitmenschen mit guten Ratschlägen und Analysen der indivuellen Lebenssituationen. Dabei hat er – ganz modern und aufgeschlossen – die sozialen Medien genutzt, um in Kontakt mit anderen zu treten. Er selbst war überrascht, wie viele Menschen ihm ihre persönlichen Probleme offenbarten und nach Lösungsvorschlägen fragten. Heute tourt er durch Deutschland und Österreich, stellt seine Thesen vor und beantwortet die Fragen des Publikums wie beispielsweise in der Berliner Urania. Ich war gestern live dabei.

Bescheiden und die Hände übereinander gelegt sitzt Haemin Sunim auf dem ungepolsterten Stuhl auf der Bühne. Neben ihm der Leiter des Scorpio Verlages Michael Görden, der als Übersetzer fungiert. Es braucht nicht viel – keine Präsentation, keine Bilder, kaum Musik, damit das Publikum aufmerksam bleibt. Haemin erzählt davon, wie man die Buddha Natur erreichen kann. Wesentliche Aspekte sind Achtsamkeit, Entspannung, Verbundenheit mit Menschen und Objekten, die uns positiv überraschen und für einen Moment staunen lassen, wie z.B. ein Sonnenuntergang. Plötzlich bleibt man stehen und ist völlig in der Gegenwart. Fokussiert auf den Moment. „My mind becomes Buddha mind. My mind is relaxed and connected“, sagt Haemin. Die „Buddha-Natur“ habe man bereits, ergänzt er, jeder trage sie bei sich, man verliert sie nicht. Der Weg der Erleuchtung sei demnach nicht am Ende einer Strecke. Es ist eher der Weg nach innen. „Buddha mind is within us.“ Nach seiner Auffassung, ist jenes, das wir erwachen lassen wollen, unsere „true nature“, die wir bereits in uns haben.

Wie kann man die Buddha-Natur erfahren? Wie wird man glücklich? Wie erlernt man Gelassenheit? Beispielsweise mit Dankbarkeit, Mitgefühl, Liebe, Freude, einer neuen positiven Einstellung gegenüber den Dingen und vor allem Langsamkeit. Beispielsweise beim Essen, das man genießen kann, wenn man sich darauf konzentriert. „The attention to the activity makes us happy, not the activity.“ Für Entspannung sorgt auch Humor. Diesen zeigt er immer wieder durch kleine Anekdoten und durch Zen-Witze. Selbstverständlich lässt er auch kurze Übungen zur Achtsamkeit in seinen Vortrag einfließen. Atemübungen, Mantras (ähnlich dem autogenen Training im Westen), die positive Energien verströmen sollen. Das Publikum macht mit und die Ruhe und positive Energie überlagert den Saal.

Im zweiten Teil beantwortet er Fragen aus dem Publikum. Er überlegt eine Weile, findet weise Antworten, die plausibel sind und zum Nachdenken anregen. Wichtig sei es, seinen „mind“ zu ändern, Wut kann man umlenken durch kreative Aktivitäten wie Tanzen oder Singen. Für Probleme muss man Lösungen finden. Kann man die Stuation ändern? Wenn nicht, dann ändere deine Einstellung. Es funktioniert. Seine Gestik ist reduziert, nur einmal holt er weit mit den Armen aus. Er überzeugt durch seine klugen, einfachen Worte, seine Ausstrahlung und Gelassenheit. Was ihn auszeichnet, ist eine Leichtigkeit in seinen Worten, die in ihrer Einfachheit und Klarheit eine Tiefe vermitteln, ohne belehrend zu sein. Haemin spricht wie ein guter Freund, den man um Rat fragt. Der Abend war kurzweilig und aufschlussreich. Ich mache mich mit einem guten Gefühl auf den Weg und der Erkenntnis, dass ich ihn stets bei mir habe – den inneren Buddha.

Wer Haemin Sunim in Berlin verpasst hat, kann ihn noch am 11. Oktober 2017 um 19 Uhr im Dussmann Kulturkaufhaus sehen. Der Eintritt ist frei.

Demnächst folgt noch eine Rezension des Buchs „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ von Haemin Sunim.

Vortrag Urania Berlin 28.09. 2017: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Stress und Hektik sind bei vielen Berufstätigen an der Tagesordnung. Schnelligkeit, präzises Arbeiten und dabei immer den Erfolg vor Augen – wie kann man trotzallem auch mal innehalten und den mentalen Stopp-Button drücken? Der Südkoreaner Professor Haemin Sunim ist  Meditations- und Zen-Lehrer in New York und widmet sich genau dieser Problematik.

Sunims Weg für ein gelassenes Leben liegt in der Betonung der Achtsamkeit und der Fokussierung auf das Wesentliche wie Glück, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Ruhe. Der Mönch vermittelt auf poetische Weise die Aspekte des Buddhismus und des Zen, die sinnvoll in den westlichen Liefestyle integriert werden können, um den Alltagssituationen mit mehr Lebensfreue zu begegnen. Mit seinen asiatische Wurzeln und seinen Erfahrungen in den USA führt er so die unterschiedlichen Lebenswelten zusammen. Ein besonderes Highlight: Haemin Sunim hat mit dem amerikanischen Schauspieler Richard Gere, der bekennender Buddhist ist, ein interessantes Interview zum Buddhismus geführt.

Haemin Sunim, © Jo Sehyen

Am 28. September 2017 ist Sunim live in der Berliner Urania bei seiner Buchvorstellung mit dem Titel „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ (Scorpio Verlag) zu erleben. Der Vortrag findet in englischer Sprache mit Übersetzung statt.

Tickets und weitere Informationen  unter:

http://www.urania.de/die-schoenen-dinge-siehst-du-nur-wenn-du-langsam-gehst

http://scorpio-verlag.de/Buecher/259/DieschnenDingesiehstdunurwenndulangsamgehst.html

Bernstein ist bei den Chinesen beliebt

Bernstein, im ursprünglichen Sinn „Brennstein“, hat bei den Chinesen die Bedeutung „Seele des Tigers“. Bernstein ist getrocknetes, gehärtetes Baumharz, das mehrere Millionen Jahre unter Gesteinsschichten lag und durch Druck und Luftabschluss entstand. Kein Stein gleicht dem anderen. Derzeit erlebt der variantenreiche Stein in China einen Boom.

Bernstein aus dem nordeuropäischen-baltischen Raum hat in China in den letzten fünf Jahren an enormer Beliebtheit gewonnen. Dies zeigt sich besonders an den steigenden Preisen für den Schmuckstein.

Auf internationalen Schmuckmessen wie der Amberif 2011 und Ambermart 2012 in Danzig oder der Internationalen Juwelen- und Schmuckmesse in Peking 2013 sind die Chinesen laut Medienberichten besonders interessiert an dem fossilen Harz. Sie sehen den Bernstein nicht nur als trendiges Modeaccessoir im westlichen Design, sondern vor allen Dingen als gute Geldinvestition.

Bernsteinschmuck

Bernstein in der Medizin

Die Wirkung von Bernstein ist vielfältig. So soll Bernstein entzündungshemmend sein, Hautkrankheiten und Halsschmerzen lindern, beruhigen und für Wohlbefinden sorgen. Spirituell soll der heilende Stein sogar vor bösen Geistern schützen. Die Chinesen in der Antike verbrannten beispielsweise Bernstein, um Dämonen im Haus zu vertreiben. In der traditionellen chinesischen Medizin wurde Bernsteinsäure und Opium zur Krampflösung und gegen Schlaflosigkeit verabreicht. Im Buddhismus gilt der Bernstein als Glücksstein.

Bernsteinfunde gibt es auch in China. Die Minen in der Nähe von Fushun sind aber bereits stillgelegt.

Weitere Links zum Thema:

http://german.cri.cn/1833/2013/06/24/1s199491.htm

http://www.gz-online.de/cgi-bin/adframe/events/notices/article.html?ADFRAME_MCMS_ID=6292

http://www.gz-online.de/cgi-bin/adframe/events/notices/article.html?ADFRAME_MCMS_ID=3263&id=1391954487871231133127823

http://www.amber.com.pl/en/news/interviews/item/1962-the-amber-boom-in-china-an-interview-with-vivian-yang

Buchtipp: „Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus“

BuddhaNoch ein Buch zum Thema Buddhismus? Auf Empfehlung eines Kollegen habe ich das Buch „Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben“ von Lodro Rinzler gelesen. Es ist anders. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht. Hier nun meine Rezension.

Rinzler beschreibt seine eigene Interpretation des tibetischen Buddhismus auf anschauliche, lockere und verständliche Weise – und dies weitgehend ohne esoterische Überhöhung. Der Autor hat sein Buch als Einführung in den Buddhismus mit einem Augenzwinkern geschrieben, zuweilen humorvoll-flapsig („Unglaublicher-Hulk-Syndrom“), zuweilen mit Tiefgang. Aber ohne den erhobenen Zeigefinger.

Am Beispiel der vier mythischen tibetischen Tiere – Tiger, Schneelöwe, Garuda und Drache – analysiert er das menschliche Verhalten und gibt Ratschläge, wie die buddhistische Lebensart helfen kann, typische Alltagsprobleme im Privaten oder im Job zu überwinden. Zum Beispiel durch das Loslassen von Erwartungen.

Es geht um Menschlichkeit, Offenherzigkeit, Mitgefühl und Toleranz. Darum, die eigene Haltung zu überprüfen, vielleicht mal eine andere Sichtweise anzunehmen, sich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen. Zu begreifen, dass die äußeren Umstände sich oft nicht beeinflussen lassen, aber die innere Haltung schon.

„Die Welt muss sich nicht ändern oder verändert werden, um heilig  zu sein. Sie ist bereits heilig…Doch es gibt eine Sache, die man ändern kann und sollte. Deine Sichtweise kannst du ändern.“ (S. 214)

Wenn  Buddha in eine Bar käme, würde es  zumindest der Höflichkeit geschuldet sein, ihm einen auszugeben – und sei es auch nur ein Glas mit frischem Wasser. Wo wir auch schon bei Rinzlers Metapher des Wassers angelangt wären. Ein Sinnbild, das einleuchtend ist, ohne mit dem Zaunpfahl der Erleuchtung zu winken. Laut Rinzler ähnelt kristallklares Wasser unserem natürlichen Zustand des Geistes.

„Es funkelt und ist durch keine Welle getrübt“, so Rinzler. Emotionen oder starke Gedanken, die er mit Schlamm vergleicht, trübten das Wasser. Wir rühren Gedanken hin und her und befassen uns unentwegt mit Sorgen oder der Frage „Was-wäre-wenn“. Unser Geist sei „verschlammt“. Wichtig sei es, wieder Ordnung und Ruhe einzubringen, um das Wasser zu klären. Hierbei helfe beispielsweise die Meditation, das Nicht-Denken und die Konzentration auf den eigenen Atem. Auch wenn es mit der Erleuchtung nicht auf Anhieb klappt, ist es auch nicht schlimm. That’s buddhism.

„Meditation ist ein Selbstfindungsprozess. Es sollte nicht das Ziel sein, einen Zustand der Vollkommenheit zu erreichen…Wir lernen vielmehr, das perfekte Wesen zu sein, das wir bereits sind.“ (S. 51ff.)

Ein weiteres Kapitel lautet „Eine Gesellschaft auf Grundlage eines offenen Herzens“. Mag übertrieben, idealistisch und ein wenig schwulstig klingen. Dennoch steckt in diesem Ansatz ein wahrer Kern. Es ist ein Plädoyer für ein menschlicheres Miteinander in der Gesellschaft, ein  Aufeinander-zu-gehen anstatt einer Anti-Haltung gegenüber anderen und anders Denkenden. Darüber hinaus geht es im Buch auch um Achtsamkeit – die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen, den Moment wahrzunehmen und zu genießen.

Wer einen leichten, unterhaltsamen und nicht „Bier-ernsten“ Lektüreeinstieg für den Buddhismus sucht, sollte Rinzler lesen. Er richtet sich sprachlich in erster Linie an die jüngere Generation, eignet sich aber generell für alle Berufstätigen mit Interesse am Thema.

Am Ende sollte sich aber jeder Leser, der sich mit dem Buddhismus beschäftigt, der Erkenntnis bewusst sein: Buddha findest Du in keinem Buch – Buddha ist in dir.

Lodro Rinzler: Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben, Aurum 2012, 224 Seiten, 18,95 €