Lotus und chinesische Stachelbeere: China im Botanischen Garten Berlin

Botanischer Garten Berlin

Ein Ausflug in den Botanischen Garten in Berlin-Dahlem ist wie eine kleine Weltreise: Pflanzenliebhaber und Naturbegeisterte können 20.000 Pflanzenarten aus allen Herren Ländern in den riesigen Gewächshäusern oder in der weitläufigen Außenanlage bestaunen. Beeindruckend sind die meterhohen Kakteen, die farbenprächtigen Orchideen, die asiatischen Gehölze, der tropische Regenwald, der Himalayahügel oder die vielen Obstbäume und Heilpflanzen.

Japanischer Pavillon in der Nähe vom chinesischen Teich

Gewächse aus China und Japan finden sich in der Außenanlage rund um den chinesischen Teich und – etwas abseits gelegen – wo der japanische Pavillon steht. „Fundstücke“ aus China gibt es an vielen Stellen zu entdecken, von der Lotusblume im Gewächshaus über den chinesischen Wacholder am Hügel bis hin zum chinesischen Gurkenbaum.

Der Botanische Garten gehört als zentrale Einrichtung zur Freien Universität Berlin und dient nicht nur als Erholungs- und Erlebnisort, sondern vor allen Dingen zur Erforschung, Dokumentation und Erhaltung der pflanzlichen Vielfalt. Um das ganze Gelände zu erkunden, braucht man schon mindestens drei bis vier Stunden. Tickets kosten 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Meine Empfehlung für alle Berliner und Nicht-Berliner, die auch mal einen Ginkgo oder eine chinesische Stachelbeere (Kiwi) am Strauch sehen wollen: nächste Station Botanischer Garten Berlin.

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin
Freie Universität Berlin
Königin-Luise-Straße 6-8
14195 Berlin
Der Bus 101 hält direkt am Eingang Dahlem.

https://www.bgbm.org/

Seerosen und Lotusblumen

Chinesischer Gurkenbaum

Die chinesische Stachelbeere ist hierzulande als Kiwi bekannt.

Der Gingko ist ein in China beheimateter Baum, deren Samen essbar sind. Der Baum kann sehr hoch und alt werden und gehört zu den heiligen Tempelbäumen.

Advertisements

Hongkong vs. China: Was Hongkonger über Festlandchinesen denken

Hongkong ist seit 1997 Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, unterscheidet sich aber in vielen Aspekten vom Festland. Was denken die Hongkonger über die Festlandchinesen, die Aktivitäten der chinesischen Regierung und die Zukunft von Hongkong?

In Hongkong gibt es Meinungs- und Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Versammlungsfreiheit, unzensierten Zugang zum Internet, eigene Gesetze, Zölle, Währung und ein freies Wirtschaftssystem. Das Prinzip „Ein Land – zwei Systeme“ wird aber immer stärker durch den Einfluss Pekings untergraben, beispielsweise, wenn es um den Umgang mit der Pressefreiheit geht ( Deutschlandfunk, 14.08.2018., „Pressefreiheit in Hongkong. Die Festlandisierung geht weiter„).

Viele Hongkonger empfinden sich selbst weniger als „Chinesen“, sondern eher als „Hongkonger“ mit einer eigenen Kultur, die natürlich auch durch die britische Kolonialzeit westlich geprägt ist. Besonders die junge Generation fürchtet den Verlust von Freiheit und Grundrechten, wenn Hongkong seine Autonomie 2047 verlieren wird.

Im Folgenden findet ihr einige Videos, die die Unterschiede zwischen Hongkong und China deutlich machen, und außerdem ein paar Interviews mit Hongkongern, die sich zu ihrem Verhältnis zu den Festlandchinesen und ihre eigene Identität äußern. (Fotos oben: Awai Cheung, M. Schneider)

 

 

Buchtipp: Chinas neue Seidenstraße

Chinas neue SeidenstraßeDie „neue Seidenstraße“ gilt als das Großprojekt Chinas. Im Zuge des US-Protektionismus ist die „One Belt One Road“- (OBOR) oder auch „New Silk Road“-Initiative (NSR) zentraler Bestandteil einer Neuorientierung Chinas zum freien Welthandel.  Welche Chancen und Risiken gehen mit dem Programm einher für die EU und Deutschland? Das Buch „Chinas neue Seidenstraße“, erschienen im Frankfurter Allgemeine Buch Verlag, analysiert Chinas aktuelles geopolitisches Handeln und zeichnet das Bild einer Nation im Wandel.

Das Projekt „neue Seidenstraße“ ist in Anlehnung an die alte Seidenstraße eine Initiative des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping im Jahr 2013. Im Vordergrund stehen der wirtschaftliche Austausch zwischen Asien und Europa, Investitionen und gemeinsame Krisenbefriedung. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle: Kooperation statt Konfrontation, Entwicklungsförderung der Schwellenländer, Harmonie durch die Schaffung eines internationales Gleichgewichts und ein friedvolles Miteinander, Ausbau der Infrastruktur, Schaffung von Industriekorridoren, Innovationshubs, Energienetze  und Kommunikationsnetze.

Im Zentrum steht ein Investitionsprogramm Chinas, das insbesondere von Europa mit Skepsis betrachtet wird, wenn nicht gar mit Furcht. Nicht zuletzt wegen beunruhigender Medienberichte über den Ankauf von Industrieunternehmen oder dem illegalen Transfer von Hightech-Knowhow.  China will führend werden in Schlüsseltechnologien wie beispielsweise der Robotik, Digitalisierung oder E-Mobilität. Präsident Xi gab in einer Rede zu bedenken, dass es unmöglich sei, den „Austausch von Kapital, Technologien, Gütern und Arbeitern zu stoppen.“ Protektionismus verglich er als einen dunklen Raum, in dem man sich einschließe. „Wind und Regen bleiben vielleicht draußen. Licht und Luft aber auch.“ Kooperation statt Isolation lautet das Motto. Aber ist dies auch der Anfang einer neuen globalen Weltordnung mit China an der Spitze?

Im Buch werden verschiedene OBOR-Projektbeispiele erläutert, ebenso die strategische Neuausrichtung von Branchen, die chinesische Innovationsstrategie und die Chancen für Europa und andere Staaten. Berichtet wird außerdem über den angestrebten Imagewandel Chinas, die Herausforderungen des freien Unternehmertums, die Problematik des Umweltschutzes und der Dekarboninsierung. Außerdem erfährt der Leser viel Wissenswertes über die alten und neuen Handelsrouten. Bei dem aktuellen OBOR-Projekt handelt es sich nämlich nicht um einen einzigen Handelsweg, sondern um zwei Hauptrouten: auf der einen Seite den Landweg über Zentralasien, Iran, Türkei, Moskau nach Europa, auf der anderen Seite die maritime Seidenstraße als Verbindung zu den südasiatischen Nationen.  Auch die historische „Seidenstraße“ – ein Begriff, der von Baron Ferdinand von Richthofen erst im Jahr 1877 geprägt wurde –  bestand eigentlich aus einem Netz aus vielen Handelswegen. Hier wurden neben der wertvollen Seide auch Porzellan, Gewürze und andere Kulturgüter transportiert.

Wer sich umfassend über die Hintergründe und Perspektiven dieses einzigartigen Jahrundertprojekts „neue Seidenstraße“ informieren will, erhält mit dieser Fachlektüre eine umfangreiche Analyse, die die aktuellen Änderungsprozesse im globalen Welthandel detail- und faktenreich aufzeigt. Ein Standardbuch für all jene, die Chinas Bestrebungen und seine neue internationale Rolle besser verstehen wollen.

Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig, Run Wang: „Chinas neue Seidenstraße. Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel“, Frankfurter Allgemeine Buch, 2. Aufl. 2018

Anpfiff: China will führende Rolle im Fußball spielen

Die Bälle rollen wieder: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist gestartet und Spieler aus aller Herren Länder kämpfen um den Pokal – nur Chinas Nationalmannschaft hat es erneut verpasst, sich zu qualifizieren. Die chinesische Regierung will mit einem Aktionsprogramm den Durchbruch erreichen, um China auch im Fußball an die Spitze zu bringen.

China will zukünftig auch beim Fußball eine führende Rolle spielen. Staatspräsident Xi Jingping hat große Ziele: China soll Gastgeber einer Fußball-WM werden, bis 2050 den Weltmeistertitel besitzen und die Wiederbelebung des Fußballs im Land einführen. Von einer WM im eigenen Land träumt Xi, der selbst als Schüler Fußball spielte, schon seit 2011. Im März 2015 folgte dann das China-School-Football-Program (CSF). Der chinesische Fußballverband forciert den Aufbau von Fußballschulen. Warum auch nicht, schließlich ist China Erfinder des Fußballs. Die Vorgängerversion des heutigen Fußballspiels heißt Cuju („Ball mit dem Fuß spielen“) und wurde mit Lederball und einem Tor in luftiger Höhe gespielt.

Um die ambitionierten Ziele im Fußball zu erreichen, muss sich einiges ändern. China benötigt mehr Fußball-Know-how, eine bessere Infrastruktur sowie sportlichen Nachwuchs für die noch stiefmütterlich behandelte sportliche Mannschaftsdisziplin. Die Nationalmannschaft liegt laut Fifa-Weltrangliste derzeit nur auf Platz 75 (Juni 2018). Da ist noch Luft nach oben. In der Bevölkerung spielt Fußball traditionell keine Rolle. Die Chinesen sind vielmehr in anderen Sportarten erfolgreich wie beispielsweise Tischtennis oder Turnen. Die chinesische Regierung will durch Förderung und umfangreiche Baumaßnahmen den Fußball in der chinesischen Gesellschaft etablieren.

Chinas neue Fußball-Strategie:

  • Das Wissen um den Fußball holt sich China von Deutschland, dem amtierenden Fußball-Weltmeister. 2016 wurde eine Kooperation mit der Bundesregierung, dem Deutschen Fußballbund und der Deutschen Fußball Liga beschlossen, die eine Grundlage für eine Zusammenarbeit schafft. Gefördert werden soll der Wissensaustausch und die Ausbildung von chinesischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern.
  • Bis 2025 sollen 50.000 Fußballschulen etabliert werden. Die größte Fußball-Akademie der Welt befindet sich in Qingyuan.
  • 70.000 Fußballfelder sollen landesweit gebaut werden.
  • An den Schulen soll Fußball zukünftig auf dem Lehrplan stehen.
  • Die Anzahl von 10.000 aktiven chinesischen Fußballspielern soll auf 50 Millionen erhöht werden.
  • Ausländische Spieler und Trainer werden für den Wissenstransfer in die chinesischen Vereine geholt. Dazu gehörten beispielsweise Carlos Tévez oder Felix Magath. Problematisch ist die Einführung von 100 Prozent Steuern auf die Ablösesummen für ausländischer Spieler. Dadurch haben sich die Transfers von ausländischen Stars wieder reduziert. Die Gelder werden dafür vermehrt in die Nachwuchsförderung gesteckt.

Ob China eines Tages erfolgreiche Fußballspieler vorweisen kann, bleibt abzuwarten. Besondere Erfolge sind bislang nicht zu verzeichnen. Der Weg zur Fußball-Nation wird wohl eher ein schwieriger sein.

Weitere Links zum Thema:

https://www.sportschau.de/fussball/international/abkuehlung-auf-chinas-fussballmarkt-100.html

http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/chinas-fussball-super-league-hat-ein-auslaenderproblem-15473205.html

http://www.deutschlandfunk.de/china-im-fussball-rausch-kicken-und-geschaefte-machen.890.de.html?dram:article_id=398104

https://www.welt.de/sport/fussball/article170951648/Das-ist-ein-schwerer-Rueckschlag-fuer-den-deutschen-Fussball.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Fu%C3%9Fballnationalmannschaft

Schon gewusst…?

  • Am 15. Juli 2004 erklärt Sepp Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, China zum Ursprungsland des Fußballs. Die Wiege des Fußballs ist demnach die Stadt Linzi in der Provinz Shandong.
  • China kann sich 2002 zum ersten Mal zur Fußball-WM qualifizieren, scheidet aber als Gruppenletzter aus.
  • China erlangt 2004 den 2. Platz bei den Asien-Fußballmeisterschaften.
  • Hongkong und Macao haben auch nach der Übergabe an China weiterhin eigene Fußballnationalmannschaften.
  • Die erste Frauenfußball-Weltmeisterschaft fand 1991 in China statt.

Buchtipp: China. Die Küche des Herrn Wu

Kochbücher über die chinesische Küche gibt es viele: Fünf-Elemente-Kochen, Suppenrezepte, vegetarische Gerichte – darüber habe ich bereits berichtet. Heute möchte ich Euch ein besonderes Buch ans Herz legen, das durch meist schlichte, leicht zuzubereitende und authentische Gerichte überzeugt. „China. Die Küche des Herrn Wu“ ist eine Rezeptsammlung von Herrn Wu und Frau Wang, die ein China-Restaurant in Berlin führen. Sie selbst kochen nicht, für die Zubereitung der kulinarischen Köstlichkeiten sind chinesische Köche zuständig. Laut Autorin ist das Besondere dort die Verbindung zwischen chinesischem Essen und deutschem Wein. Im Buch ist es eindeutig das Essen.

Herr Wu, Foto: Manuel Krug für Tre Torri Verlag

Zwischen zwei äußerst dicken Buchdeckeln verbirgt sich die vielfältige kulinarische Welt Chinas: Rezepte von süß-sauer, mild über würzig bis chili-scharf. Gerichte, die wohl jeder Chinese kennt und die jeder tatsächlich ohne Komplikationen nachkochen kann. Die Grundzutaten sollte man allerdings vorrätig haben wie Sojasoße, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Ingwer, Raps- oder Sesamöl und Chilischoten. Aufgetischt werden Vorspeisen, Hauptgänge und Nachspeisen und dies in der Art, als würde Herr Wu zum Essen einladen. Was würde er seinen Gästen servieren? Beispielsweise im Winter oder wenn nur Vegetarier zu Besuch kommen? Hier werden verschiedene Speisen vorgestellt – mit großformatigen Fotos und einer einfachen Beschreibung.

Die Gerichte sind aus dem Leben gegriffen, haben keine ausgefallen Namen, sondern benennen genau das, was gekocht wird, z. B. eingelegter Weißkohl, heißer Topf mit Rindfleisch und Kartoffeln, Eintopf mit Suppenhuhn, Dong-Gu, Mu-Err-Pilzen und Winterbambus, gekochte Teigtaschen, Wolfsbarsch gedämpft mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Sojasoße. Sogar ein Rezept für Peking-Ente wird verraten.

Dass Herr Wu teils Zugeständnisse hinsichtlich westlicher Geschmacksgewohnheiten machen muss, wenn er beispielsweise ein Gericht mit weniger Fett als gewöhnlich in China anbietet, ist nachvollziehbar. Oder auch wenn Wein zum Essen getrunken wird. Chinesen trinken in der Regel nicht beim Essen, allerdings in Hongkong wird auch zwischendurch Tee getrunken oder auch Cola in Dosen ist beliebt bei den Jüngeren.

Was unterscheidet das Buch von anderen? Für mich ist es die Auswahl an Gerichten, die simpel, aber ursprünglich sind. Erst letztens habe ich eine Variante von „Hähnchen in Sojasauce-Frühlings-Zwiebelöl“ gegessen, die meine Mutter zubereitet hat. Während des Durchblätterns des Kochbuchs hatte ich übrigens lauter Dejà-vus. Meine Eltern hatten ebenfalls ein China-Restaurant im Westen von Berlin („Lotos House“), das sie 32 Jahre lang in Eigenregie führten. Mein Vater kochte ebenfalls täglich einen riesigen Topf Hühnerbrühe als Grundlage für die chinesischen Suppen und Soßen. Es gibt nichts Besseres als eine richtige Brühe aus Suppenhühnern, die stundenlang gekocht werden. Den Teig für die Wantan hat mein Vater mit der Nudelmaschine stets selbst zubereitet und mit dem Küchenbeil hat er alles geschnippelt, gehackt und zerkleinert.

Mein Fazit: Leckere, alltagstaugliche Rezepte, einfach erklärt, schnörkellos und modern präsentiert. Wer Lust hat, authentische chinesische Rezepte auszuprobieren, sollte zum Buch und Wok greifen. Die Küche des Herrn Wu ist auch eine Küche für alle.

Ursula Heinzelmann: China. Die Küche des Herrn Wu, Tre Torri Verlag, 2018

 

Buchtipp: „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“

Die Chinesen, Econ VerlagChina wird als Wirtschaftsmacht im 21. Jahrundert eine, wenn nicht sogar die bedeutende Rolle in der Weltpolitik einnehmen. Doch welchen Weg wird das Land in Zukunft einschlagen? Wie wird sich Chinas Aufstieg auf den Weltfrieden auswirken? Wie ticken die Chinesen? Um diese Nation besser zu verstehen, haben die Autoren Stefan Baron und seine chinesische Ehefrau Guangyan Yin-Baron in ihrem Buch „Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“, erschienen im Econ Verlag, die Gefühlswelt und Denkweise der Chinesen wissenschaftlich, aber auch anhand persönlicher Erfahrungen, unter die Lupe genommen. Ein aufschlussreiches Portrait einer Nation, die vor großen Herausforderungen steht.

Die Zukunft von China wird die Zukunft der Welt bestimmen, so lautet der Grundtenor des Buches. Die Autoren machen deutlich, dass Europa und insbesondere Deutschland die Entwicklungen des Reichs der Mitte nicht mehr ignorieren kann. Vielmehr sei eine „kluge Fernostpolitik“ des Westens notwendig. Europa solle sich für eine „wahrhaft multipolare Ordnung“ einsetzen, die einen amerikanisch-chinesischen Konflikt verhindern soll.

Der Streit um die Handelszölle zwischen den USA und China macht bereits deutlich, wie die Vorherrschaft der USA ins Wanken gerät und die Konkurrenz aus China Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt – was die Wirtschaft, Finanzen und auch die modernen Technologien angeht. Zwischen den USA und China herrsche ein militärisches und finanzielles „Gleichgewicht des Schreckens“. Doch die Autoren beruhigen: China strebe schon aus Tradition keine Weltherrschaft an, sondern einen Platz in einer globalen Weltordnung, in der China souverän und ohne Bevormundung durch andere Staaten seinen Platz einnimmt. Die chinesischen Politiker haben seit jeher betont, dass es um einen „friedlichen Aufstieg“ ihres Landes gehe, um eine wirtschaftliche und technologische Führungsposition einzunehmen. Während die US-Politik China als neue Supermacht fürchtet, sieht die amerikanische Bevölkerung dies jedoch gelassener. Die Bedrohung sehen sie eher durch Nordkorea oder die Islamisten.

Das China-Bild des Westens hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt – von der Faszination bis zur Verachtung. Das Buch gibt hierzu einen kurzen Überblick. Ebenso über die philosophischen Grundlagen von Konfuzius, Laotse, Mao und Deng, die für das Selbstverständnis der Chinesen unabdingbar sind. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die Deutschen viel zu wenig über die Chinesen wissen. Sogar in den Medien würden Stereotypen bedient und ein wirkliches Verstehen verhindert. Dies sei aber wichtig, um sowohl die Risiken als auch die Chancen für Deutschland und Europa zu erkennen und einordnen zu können. Kulturelle Kompetenz ist einer der Schlüssel für internationale Beziehungen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Aspekten wie Familie, Moral und Gesellschaft, die Beziehung von Mann und Frau oder die Lebenseinstellung. Beispielsweise wird erläutert, warum Chinesen weniger Probleme beim Lügen sehen, um das „Gesicht“ zu wahren. Ebenso wird erklärt, wie das rüpelhafte Verhalten in der Öffentlichkeit einhergehen kann mit einem sehr rücksichtsvollen Umgang innerhalb der Familie und Sippe nach konfuzianistem Ideal. So erscheint es „normal“, dass einem ein Fremder die Tür vor der Nase zufallen lässt oder sich auch nicht entschuldigt, wenn er einen anrempelt.

Im letzen Teil wird auf die Themen Arbeitswelt, Staat und Gesellschaft und Rolle Chinas in der Welt eingegangen. Alle Themen werden präzise analysiert und durch zahlreiche Umfragen, Studien, Zitate von Wissenschaftlern und China-Kennern sowie aktuelle Beispiele aus den Medien erläutert und mit Zahlen untermauert. So ergibt sich ein umfangreiches Bild der Denkweise der chinesischen Bevölkerung.

Das 448 Seiten starke Buch liest sich sehr spannend und überzeugt durch seine Aktualität. Es wendet sich durch eine unkomplizierte, klare Sprache an eine breite Leserschaft. Es gibt sowohl dem China-Interessierten, als auch Geschäftsleuten einen umfassenden Einblick in das Denken und Handeln einer Nation, die bereits jetzt als größte Volkswirtschaft zählt. Ein Standardwerk, das für den zukünftigen Diskurs wichtige Impulse geben wird.

Stefan Baron, Guangyan Yin-Baron: „Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“, Econ, 2. Aufl. 2018

 

 

China kämpft gegen die Umweltverschmutzung

Peking

Foto: M. Schneider

Smog in Peking, Müllimporte und verdreckte Flüsse: Die zunehmende Umweltver-schmutzung hat ein Umdenken in China bewirkt. Umweltschutz ist schon seit 2005 Thema der chinesischen Politik, ist aber nun besonders in den Fokus gerückt. Er steht neben Künstlicher Intelligenz, Internet und Biotechnologie auf der aktuellen Agenda der Regierung. Das Reich der Mitte als Umweltschützer zu reklamieren, wäre jedoch übertrieben. Auch ökonomische und Image-Gründe spielen eine Rolle, weshalb eine neue strengere Umweltpolitik derzeit eingeläutet wird. Doch wie agiert Chin auf seinem Weg, die Umweltverschmutzung zu bekämpfen?

1. Elektromobilität
Autos sind in China Statussymbol und kennzeichnen das Bild in vielen Metropolen. Seit Jahren setzt das Land vermehrt auf Elektroautos, die seit 2009 gefördert werden. China ist Spitzenreiter. Laut einer Studie des Brancheninstitus CAM wurden 2017 in China 777.000 E-Autos abgesetzt. Ob deren Prognose mit einer Million in diesem Jahr eintrifft, bleibt abzuwarten. Die Subventionen, die bis 2020 gewährt werden, fallen geringer aus, um Missbrauch zu vermeiden und den Wettbewerb zu stärken. Die Hersteller müssen seit diesem Jahr zudem die Wiederverwertung von alten Elektro-Akkus gewährleisten. Recycling ist jetzt Pflicht. Fakt ist: China führt in der Welt derzeit den Absatz bei E-Autos an – noch vor den USA. Das Technologieunternehmen Baidu darf jetzt sogar selbstfahrene Autos in Peking testen.

2. Luftverschmutzung
Laut Greenpeace hat sich die Luft in Peking verbessert. Im letzten Quartal 2017 haben sich die Feinstaubwerte zum Vorjahr um die Hälfte reduziert. Die Gründe hierfür: Fabriken wurden stillgelegt, Kohleöfen entfernt und auf Gas und Strom umgestellt sowie Autofahrverbote eingeführt. Allerdings ist die Stadt immernoch nicht smogfrei. Zur Verbesserung der Luft hat die Stadt Xi’an sogar einen 100 Meter hohen Turm errichtet, der die Luft filtert (Link: https://www.golem.de/news/umwelt-china-baut-100-meter-turm-fuer-die-luftreinigung-1801-132303.html).
China hat das Ziel, die Kohleverbrennung bei Heizungen landesweit zurückzufahren, insbesondere in Nordchinas Städten und auf dem Land. Gemäß Angaben des Umweltministers sollen die Grenzwerte für Feinstaub nach einem neuen Drei-Jahres-Plan nochmals reduziert werden. Genaue Zahlen sind aber noch nicht bekannt. Außerdem werden Kohlekraftwerke geschlossen und die Stahlproduktion reduziert.

3. Verbot von Müllimporten
24 Müllsorten, z. B. Plastik und Papier, werden seit Januar nicht mehr nach China importiert. Laut Ministerpräsident Li Keqiang soll jeglicher Müllimport zukünftig verboten sein.

4. Umweltschutzsteuer für Unternehmen
Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen ab April eine neue Umweltschutzsteuer zahlen. Die Steuer wird fällig für Lärm-, Luft- und Wasseremissionen, sofern eine Erlaubnis für die Abgabe von umweltschädlichen Stoffen vorliegt.

5. „Grüne Städte“ als Demontrationszonen
Drei Städte haben es geschafft: Shenzhen, Taiyuan und Guilin wurden ausgewählt, um neue Technologien im Bereich saubere Energie, Nachhaltigkeit und Ökologie zu testen. Insgesamt soll es zehn Städte geben, die von umweltfördernden Technologien profitieren werden und als Testprojekte zukunftsweisend für das ganze Land fungieren sollen.

6. Wasserressourcen
Die Flüsse sind verschmutzt, das Leitungswasser in den Städten lässt zu Wünschen übrig. Die Konsequenz: Laut Regierung wurde ein Programm zum Wassersparen landesweit eingeführt, außerdem noch ein neues System zur Wasserressourcenverwaltung. Laut Angaben der UNO zum Weltwassertag habe sich die Trinkwasserversorgung in China in den letzten Jahren verbessert. 2015 hatten in China 330 Millionen mehr Zugang zu sauberem Trinkwasser als im Jahr 2000.

7. Wind- und Solarenergie
China ist Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien. Nach Angaben von Bloomberg New Energy Finance hat China 133 Milliarden Dollar investiert, darunter mehr als die Hälfte für Solarenergie.
Im letzten Jahr überraschte dann ein Projekt der Provinz Qinghai, die eine Woche lang auf fossile Brennstoffe verzichtete. Die Huffington Post berichtete.

8. „Smog“-App
Die Regierung stellt eine App mit Luftwerten von Städten zur Verfügung. Verstöße durch Überschreitung der Werte können von den Bürgern den lokalen Behörden über die sozialen Netzwerke angezeigt werden. Es gibt außerdem eine Smartphone-App von Umweltschützern, die die Emmissionsdaten zur Luftverschmutzung in chinesischen Städten als Karte anzeigt. Allerdings wurde diese App mit dem Namen „Air matters“ (vorher „Luftqualitäts-Index von ganz China“) von der Regierung 2017 zensiert. Es gibt nun eine Obergrenze von 500, die gezeigt wird, auch wenn die Luftbelastung tatsächlich in der jeweiligen Stadt höher liegt. Link: https://air-matters.com/

Weitere Links zum Thema:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/smog-das-wunder-von-peking-a-1197823.html

http://german.china.org.cn/txt/2018-03/25/content_50745763.htm

https://www.welt.de/wirtschaft/article174643484/Recycling-Alba-zeigt-den-Chinesen-wie-es-funktioniert.html

http://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/china/probleme-und-potenziale/

https://www.tagesschau.de/ausland/klimakonferenz-china-101.html

Buchtipp: China für die Hosentasche

China für die Hosentasche, Fischer TBSchon gewusst, dass in China 3,8 Millionen Fahrstühle und Rolltreppen täglich im Einsatz sind? Oder dass nur 11 Prozent der Fläche Chinas für die Landwirtschaft nutzbar ist? Das Buch „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“ von der Ostasienwissenschaftlerin Françoise Hauser gibt einen überraschenden Einblick in ein Land, das für die westliche Welt voller Mysterien, Rätsel und Widersprüche ist.

Die Autorin hat viele spannende Fakten zu China zusammengetragen. Kurz, prägnant und mit dem Fokus auf das Wesentliche. Der Leser erfährt viel über Alltagskultur und Kuriositäten aus dem Reich der Mitte – warum 28.000 Flüsse „verschwunden“ sind, dass der CCTV Tower in Peking im Volksmund als „große Unterhose“ bezeichnet wird und was es mit den „Geisterstädten“ auf sich hat. Die meisten Überseechinesen leben übrigens in Indonesien (7,5 Mio.) In den USA wohnen 3,8 Mio. chinesische Einwohner, 500.000 in Großbritanien und –  knapp hinter Kuba – 105.000 in Deutschland.

Kulinarische Eigenheiten werden ebenso beschrieben, wie diverse Freizeitvergnügen der Chinesen, Religion, Wirtschaft oder der digitale Wandel, der in China wie in keinem anderen Land im Eiltempo voranschreitet. Ein Handy ist für die Chinesen unverzichtbar und ein Statussymbol, das den Alltag bestimmt. 2015 besaßen fast 95 Prozent ein Handy oder Smartphone. Für viele Chinesen, so Hauser, hat das Smartphone eine besondere Funktion: Es ist für viele ein Fenster zur Welt. Denn nicht alle Chinesen sind in der Lage, sich einen teuren PC leisten zu können, um im Internet zu surfen oder auch die sozialen Netzwerke zu nutzen. Im Volkskongress ist übrigens der Gebrauch von Handys seit 2014 verboten – wahrscheinlich aufgrund der potentiellen Ablenkungsgefahr für die Abgeordneten. Wer nach einer Webseite der Kommunistischen Partei Chinas sucht, kann sich die Mühe sparen. Es gibt keine. Dafür aber eine Webseite für die digitale Ahnenverehrung – hier treffen Tradition und Moderne in sehr praktischer Weise aufeinander.

„China für die Hosentasche“, Fischer Verlag, ist ein kurzweiliges kleines Buch mit kompaktem Wissen auf 320 Seiten. Ein alternativer Reiseführer mit leichtem Einstieg in die chinesische Lebenswelt. Interessant für China-Begeisterte und China-Kenner.

Françoise Hauser: „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“, FISCHER Taschenbuch, 2017