Buchtipp: China. Die Küche des Herrn Wu

Kochbücher über die chinesische Küche gibt es viele: Fünf-Elemente-Kochen, Suppenrezepte, vegetarische Gerichte – darüber habe ich bereits berichtet. Heute möchte ich Euch ein besonderes Buch ans Herz legen, das durch meist schlichte, leicht zuzubereitende und authentische Gerichte überzeugt. „China. Die Küche des Herrn Wu“ ist eine Rezeptsammlung von Herrn Wu und Frau Wang, die ein China-Restaurant in Berlin führen. Sie selbst kochen nicht, für die Zubereitung der kulinarischen Köstlichkeiten sind chinesische Köche zuständig. Laut Autorin ist das Besondere dort die Verbindung zwischen chinesischem Essen und deutschem Wein. Im Buch ist es eindeutig das Essen.

Herr Wu, Foto: Manuel Krug für Tre Torri Verlag

Zwischen zwei äußerst dicken Buchdeckeln verbirgt sich die vielfältige kulinarische Welt Chinas: Rezepte von süß-sauer, mild über würzig bis chili-scharf. Gerichte, die wohl jeder Chinese kennt und die jeder tatsächlich ohne Komplikationen nachkochen kann. Die Grundzutaten sollte man allerdings vorrätig haben wie Sojasoße, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Ingwer, Raps- oder Sesamöl und Chilischoten. Aufgetischt werden Vorspeisen, Hauptgänge und Nachspeisen und dies in der Art, als würde Herr Wu zum Essen einladen. Was würde er seinen Gästen servieren? Beispielsweise im Winter oder wenn nur Vegetarier zu Besuch kommen? Hier werden verschiedene Speisen vorgestellt – mit großformatigen Fotos und einer einfachen Beschreibung.

Die Gerichte sind aus dem Leben gegriffen, haben keine ausgefallen Namen, sondern benennen genau das, was gekocht wird, z. B. eingelegter Weißkohl, heißer Topf mit Rindfleisch und Kartoffeln, Eintopf mit Suppenhuhn, Dong-Gu, Mu-Err-Pilzen und Winterbambus, gekochte Teigtaschen, Wolfsbarsch gedämpft mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Sojasoße. Sogar ein Rezept für Peking-Ente wird verraten.

Dass Herr Wu teils Zugeständnisse hinsichtlich westlicher Geschmacksgewohnheiten machen muss, wenn er beispielsweise ein Gericht mit weniger Fett als gewöhnlich in China anbietet, ist nachvollziehbar. Oder auch wenn Wein zum Essen getrunken wird. Chinesen trinken in der Regel nicht beim Essen, allerdings in Hongkong wird auch zwischendurch Tee getrunken oder auch Cola in Dosen ist beliebt bei den Jüngeren.

Was unterscheidet das Buch von anderen? Für mich ist es die Auswahl an Gerichten, die simpel, aber ursprünglich sind. Erst letztens habe ich eine Variante von „Hähnchen in Sojasauce-Frühlings-Zwiebelöl“ gegessen, die meine Mutter zubereitet hat. Während des Durchblätterns des Kochbuchs hatte ich übrigens lauter Dejà-vus. Meine Eltern hatten ebenfalls ein China-Restaurant im Westen von Berlin („Lotos House“), das sie 32 Jahre lang in Eigenregie führten. Mein Vater kochte ebenfalls täglich einen riesigen Topf Hühnerbrühe als Grundlage für die chinesischen Suppen und Soßen. Es gibt nichts Besseres als eine richtige Brühe aus Suppenhühnern, die stundenlang gekocht werden. Den Teig für die Wantan hat mein Vater mit der Nudelmaschine stets selbst zubereitet und mit dem Küchenbeil hat er alles geschnippelt, gehackt und zerkleinert.

Mein Fazit: Leckere, alltagstaugliche Rezepte, einfach erklärt, schnörkellos und modern präsentiert. Wer Lust hat, authentische chinesische Rezepte auszuprobieren, sollte zum Buch und Wok greifen. Die Küche des Herrn Wu ist auch eine Küche für alle.

Ursula Heinzelmann: China. Die Küche des Herrn Wu, Tre Torri Verlag, 2018

 

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Buchtipp: „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“

Die Chinesen, Econ VerlagChina wird als Wirtschaftsmacht im 21. Jahrundert eine, wenn nicht sogar die bedeutende Rolle in der Weltpolitik einnehmen. Doch welchen Weg wird das Land in Zukunft einschlagen? Wie wird sich Chinas Aufstieg auf den Weltfrieden auswirken? Wie ticken die Chinesen? Um diese Nation besser zu verstehen, haben die Autoren Stefan Baron und seine chinesische Ehefrau Guangyan Yin-Baron in ihrem Buch „Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“, erschienen im Econ Verlag, die Gefühlswelt und Denkweise der Chinesen wissenschaftlich, aber auch anhand persönlicher Erfahrungen, unter die Lupe genommen. Ein aufschlussreiches Portrait einer Nation, die vor großen Herausforderungen steht.

Die Zukunft von China wird die Zukunft der Welt bestimmen, so lautet der Grundtenor des Buches. Die Autoren machen deutlich, dass Europa und insbesondere Deutschland die Entwicklungen des Reichs der Mitte nicht mehr ignorieren kann. Vielmehr sei eine „kluge Fernostpolitik“ des Westens notwendig. Europa solle sich für eine „wahrhaft multipolare Ordnung“ einsetzen, die einen amerikanisch-chinesischen Konflikt verhindern soll.

Der Streit um die Handelszölle zwischen den USA und China macht bereits deutlich, wie die Vorherrschaft der USA ins Wanken gerät und die Konkurrenz aus China Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt – was die Wirtschaft, Finanzen und auch die modernen Technologien angeht. Zwischen den USA und China herrsche ein militärisches und finanzielles „Gleichgewicht des Schreckens“. Doch die Autoren beruhigen: China strebe schon aus Tradition keine Weltherrschaft an, sondern einen Platz in einer globalen Weltordnung, in der China souverän und ohne Bevormundung durch andere Staaten seinen Platz einnimmt. Die chinesischen Politiker haben seit jeher betont, dass es um einen „friedlichen Aufstieg“ ihres Landes gehe, um eine wirtschaftliche und technologische Führungsposition einzunehmen. Während die US-Politik China als neue Supermacht fürchtet, sieht die amerikanische Bevölkerung dies jedoch gelassener. Die Bedrohung sehen sie eher durch Nordkorea oder die Islamisten.

Das China-Bild des Westens hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt – von der Faszination bis zur Verachtung. Das Buch gibt hierzu einen kurzen Überblick. Ebenso über die philosophischen Grundlagen von Konfuzius, Laotse, Mao und Deng, die für das Selbstverständnis der Chinesen unabdingbar sind. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die Deutschen viel zu wenig über die Chinesen wissen. Sogar in den Medien würden Stereotypen bedient und ein wirkliches Verstehen verhindert. Dies sei aber wichtig, um sowohl die Risiken als auch die Chancen für Deutschland und Europa zu erkennen und einordnen zu können. Kulturelle Kompetenz ist einer der Schlüssel für internationale Beziehungen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Aspekten wie Familie, Moral und Gesellschaft, die Beziehung von Mann und Frau oder die Lebenseinstellung. Beispielsweise wird erläutert, warum Chinesen weniger Probleme beim Lügen sehen, um das „Gesicht“ zu wahren. Ebenso wird erklärt, wie das rüpelhafte Verhalten in der Öffentlichkeit einhergehen kann mit einem sehr rücksichtsvollen Umgang innerhalb der Familie und Sippe nach konfuzianistem Ideal. So erscheint es „normal“, dass einem ein Fremder die Tür vor der Nase zufallen lässt oder sich auch nicht entschuldigt, wenn er einen anrempelt.

Im letzen Teil wird auf die Themen Arbeitswelt, Staat und Gesellschaft und Rolle Chinas in der Welt eingegangen. Alle Themen werden präzise analysiert und durch zahlreiche Umfragen, Studien, Zitate von Wissenschaftlern und China-Kennern sowie aktuelle Beispiele aus den Medien erläutert und mit Zahlen untermauert. So ergibt sich ein umfangreiches Bild der Denkweise der chinesischen Bevölkerung.

Das 448 Seiten starke Buch liest sich sehr spannend und überzeugt durch seine Aktualität. Es wendet sich durch eine unkomplizierte, klare Sprache an eine breite Leserschaft. Es gibt sowohl dem China-Interessierten, als auch Geschäftsleuten einen umfassenden Einblick in das Denken und Handeln einer Nation, die bereits jetzt als größte Volkswirtschaft zählt. Ein Standardwerk, das für den zukünftigen Diskurs wichtige Impulse geben wird.

Stefan Baron, Guangyan Yin-Baron: „Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“, Econ, 2. Aufl. 2018

 

 

Der Elefant, der das Glück vergaß – buddhistische Geschichten von Ajahn Brahm

Der Elefant der das Glueck vergass von Ajahn Brahm

Das Buch „Der Elefant, der das Glück vergaß“, erschienen im Lotos Verlag, ist eine Sammlung von traditionellen buddhistischen Geschichten und persönlichen Anekdoten des Autors Ajahn Brahm. Er ist ein buddhistischer Mönch, der als Peter Betts in London geboren wurde und später theoretische Physik in Cambridge studierte. Ich habe sein Buch gelesen, das unkonventionell und leicht verständlich geschrieben ist.

Die kurzen Geschichten, die Ajahn Brahm erzählt, stehen ganz im Zeichen der buddhistischen Lehre. Zentrale Themen sind Mitgefühl, Bescheidenheit, Respekt und Achtsamkeit. Er verknüpft alte Erzählungen mit den Problemen der heutigen Lebenswelt und findet Parallelen und schafft dadurch den Transfer in die Gegenwart.

Die Erzählung „Alte Mönche lügen nicht“ hat mir besonders gefallen, denn sie lässt sich gut auf die Menschen in der heutigen Gesellschaft anwenden, die nie zufrieden sind und stets mehr verlangen, um glücklich zu sein. Wenn der König den „Pfeil des Verlangens“ abschießt, um einen Schatz und das Glück zu finden, findet man nichts oder Ärger. Sobald man jedoch den Pfeil loslässt, dann begreift man, dass der Schatz der Zufriedenheit im Hier und Jetzt ist.

Der Autor schreckt auch nicht davor zurück, von eigenen Fehlern oder Dummheiten zu berichten oder von den vermeintlich ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufwuchs. Die kleine Wohnung, in der er mit seiner Familie aufwuchs, versteht er nicht als Defizit, sondern Bereicherung. Warum? Weil er auf engem Raum soziales Verhalten erlernt hat – miteinander auskommen, miteinander streiten, sich versöhnen.

Der Leser erfährt, dass 70 Prozent besser seien als 100 Prozent und dass diese 70-Prozent-Regel auch insbesondere für die Erwartungshaltung gelte. Denn wer bei bestimmten Vorstellungen im Leben immer an 100 Prozent festhält, wird unweigerlich enttäuscht werden.

Manche Geschichten machen nachdenklich, manche berühren, manche beleuchten auch unangenehme Themen wie den Tod. Ajahn Brahm schafft es, über alle Sujets mit Leichtigkeit und auch Humor zu schreiben. Die moderne Interpretation alter Weisheiten ist eine gelungene Form, die ein breites Publikum anspricht. Interessant fand ich die Erlebnisse des Autors, die er immer wieder zwischendurch mit einfließen lässt. Es ist quasi ein Buch mit buddhistischen Weisheiten von gestern und heute. Wer die Bücher von Paulo Coelho mag, wird auch Ajahn Brahm gerne lesen.

Ajahn Brahm: Der Elefant, der das Glück vergaß“, Lotos Verlag (Randomhouse), 2014 18. Aufl.

„Das Gelassenheitsprojekt“ – 18 Entspannungstechniken im Selbsttest

Gelassenheit erlernen ist anstrengend? Martin-Niels Däfler hat 18 Entspannungstechniken im Selbsttest durchgeführt und nach einem eigenen Punktesystem bewertet. Seine persönlichen Erfahrungen stellt er in seinem Buch „Das Gelassenheitsprojekt“, GABAL Verlag, vor. Mit einer Prise Humor und ohne wissenschaftlichen Anspruch erzählt Däfler, ob und wie er seinem Ziel von mehr Geduld und Gelassenheit nähergerückt ist. Auch auf seinem Programm: Qigong. 

Martin-Niels Däfler hat aus einer Laune heraus eine eigene To-do-Liste zusammengestellt, um verschiedene Entspannungsmethoden auszuprobieren. Herausgekommen ist ein nicht ganz ernst gemeinter „Ratgeber“ für stressgeplagte Menschen.

„Das Gelassenheitsprojekt“ ist ein Buch, das in erster Linie auf Unterhaltung setzt und verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, wie man mehr Entspannung in sein Leben integrieren kann: durch Sport, Wellnessmaßnahmen, Entrümpeln, Stricken oder auch Tee trinken.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Qigong-Seminar? Diese chinesische Bewegungsmeditation eignet sich sehr gut, um wieder „runter“ zu kommen. Bei Däfler schneidet diese Methode nach Punktevergabe überdurchschnittlich ab, auch wenn sie nicht Spitzenreiter ist. Allerdings scheint der Autor, der zu jedem Test ein Selfie macht, ein Skeptiker zu sein, der aus westlicher Sicht zunächst nicht viel mit fernöstlichen Lehren anfangen kann. Tatsächlich hat Qigong nichts mit Esoterik zu tun, auch wenn man einen „Baum umarmt“ oder einen „Bogen spannt“. Im Vergleich zu Yoga kommt das Thema Qigong leider etwas zu kurz. Qigong sei aber „eine gute Idee, um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen“, räumt Däfler dann doch ein. Am Schluss präsentiert er eine Rangliste mit seinen Ergebnissen, die seinem individuellen Empfinden entspringen. Hätte eine weibliche Person alle Methoden durchgeführt, wäre mit Sicherheit eine andere Reihenfolge dabei herausgekommen. Stricken, so viel sei verraten, landete nicht auf Platz 1.

Welche Methode letztendlich sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Buch bietet hierfür die Inspiration und für manchen Leser auch die Motivation. Wer auf eine vergnügliche Lektüre und weniger auf Hintergrundinformationen zu Gesundheitsthemen setzt, wird Freude an dem Buch haben. Letztendlich gilt: Ein allgemeingültiges Rezept für Gelassenheit gibt es nicht. Ausprobieren heißt die Devise.

Zum Autor: Prof. Dr. Martin-Niels Däfler ist Experte für Stressabbau und Professor an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main.

Martin-Niels Däfler: Das Gelassenheitsprojekt. 18 Entspannungstechniken im ultimativen Selbsttest, GABAL, 2018

Buchtipp: Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität

Der Mai Tai trinkende Mönch Cover

Der Mai Tai trinkende Moench und die Lehre der Authentizitaet von Stefan Weiss

Philosophie im modernen Märchen: In der Geschichte „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“ von Stefan Weiss, erschienen im Goldmann Verlag, erklärt der Mönch Kenso die buddhistische Lehre der Authentizität in klaren, einfachen Worten. In einem Frage-und-Antwort-Spiel werden zentrale Lebensfragen erläutert. Die Dialoge führen zu teils überraschenden Erkenntnissen.

Nachdem der Mönch Kenso sein Kloster verlassen hat, trifft er zufällig einen freundlichen Herrn in einer Bar. Dieser stellt ihm täglich verschiedene Personen vor, die ihre Fragen an den Mönch stellen. Auch wenn die Zusammenkunft mit  den Fremden, die sehr persönliche Dinge von sich preisgeben, ein wenig konstruiert erscheint, ist die Geschichte unterhaltsam und kurzweilig zu lesen. Die gewählte Form des Dialogs zwischen dem Protagonisten und den Fragstellern ist eine schöne Methode, um philosophische Lösungsansätze in einfacher Weise zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Besprochen werden Themen wie Kreativität, Liebe, Glaubwürdigkeit oder die Zeit.

Mancher Leser wird sich ertappen, sich die eine oder andere Frage schon selbst einmal gestellt zu haben. Oft geht es um die sogenannte dritte Ebene, die wichtig ist, um Erkenntnis und Glück zu erreichen. Hilfreich ist das Glossar am Schluss, das die dritte Ebene und weitere Begriffe aus dem Buddhismus erklärt und zum besseren Verständnis hierfür auch Synonyme aus der westlichen Welt verwendet.

Das Taschenbuch ist trotz der 160 Seiten schnell zu lesen. Die Lehre der Authentizität wird anschaulich und verständlich erklärt. Fazit: Ein lesenswerter, inspirierender Ratgeber im Pocketformat, der an die buddhistische Lehre in kleinen Schritten heranführt.

Stefan Weiss: „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“, Goldmann, 2017

Buchtipp: „Als Buddha noch ein Elefant war“

Als Buddha noch ein Elefant war, AllegriaBuddhistische Weisheiten offenbaren sich in den traditionellen indischen Erzählungen und Anekdoten. Der Kunstprofessor Mark W. McGinnis hat die Geschichten über Buddhas früheres Leben in seinem Buch „Als Buddha noch ein Elefant war“ (Originaltitel: When Buddha was an elephant), erschienen im Allegria Verlag, zusammengetragen. Meine Erkenntnis: einfach märchenhaft.

Bereits beim Aufschlagen des Buchs taucht der Leser ein in eine andere Welt: Die vom Autor selbst entworfenen bunten Illustrationen mit Tiermotiven prägen jedes Kapitel. Die Erzählweise, die der Autor gewählt hat, ist bewusst im Gestus vergangener Zeiten gehalten. Dadurch unterstreicht er die poetische Qualität der 32 Geschichten, die von Mitgefühl, Ehrlichkeit und Achtsamkeit der Protagonisten berichten.  In „Der Elefant, die Zimmerleute und der König“ oder „Der goldene Pfau und der Jäger“ wird beispielsweise das Mitgefühl als eine der buddhistischen Grundregeln thematisiert.

Wer sich für die alten Lehrgeschichten Buddhas interessiert und Freude an kreativ gestalteten Büchern hat, dem kann ich das Werk empfehlen. Ein Buch, das sich besonders zum Vorlesen eignet, zur eigenen Inspiration und zum Nachdenken. Die zeitlosen Geschichten haben in ihrer Sinnhaftigkeit nicht an Aktualität verloren. Die Weisheiten Buddhas sind immernoch wegweisend  für ein glückliches und harmonisches Miteinander.

Mark W. McGinnis: Als Buddha noch ein Elefant war, Allegria, 2017

 

Buchtipp: China für die Hosentasche

China für die Hosentasche, Fischer TBSchon gewusst, dass in China 3,8 Millionen Fahrstühle und Rolltreppen täglich im Einsatz sind? Oder dass nur 11 Prozent der Fläche Chinas für die Landwirtschaft nutzbar ist? Das Buch „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“ von der Ostasienwissenschaftlerin Françoise Hauser gibt einen überraschenden Einblick in ein Land, das für die westliche Welt voller Mysterien, Rätsel und Widersprüche ist.

Die Autorin hat viele spannende Fakten zu China zusammengetragen. Kurz, prägnant und mit dem Fokus auf das Wesentliche. Der Leser erfährt viel über Alltagskultur und Kuriositäten aus dem Reich der Mitte – warum 28.000 Flüsse „verschwunden“ sind, dass der CCTV Tower in Peking im Volksmund als „große Unterhose“ bezeichnet wird und was es mit den „Geisterstädten“ auf sich hat. Die meisten Überseechinesen leben übrigens in Indonesien (7,5 Mio.) In den USA wohnen 3,8 Mio. chinesische Einwohner, 500.000 in Großbritanien und –  knapp hinter Kuba – 105.000 in Deutschland.

Kulinarische Eigenheiten werden ebenso beschrieben, wie diverse Freizeitvergnügen der Chinesen, Religion, Wirtschaft oder der digitale Wandel, der in China wie in keinem anderen Land im Eiltempo voranschreitet. Ein Handy ist für die Chinesen unverzichtbar und ein Statussymbol, das den Alltag bestimmt. 2015 besaßen fast 95 Prozent ein Handy oder Smartphone. Für viele Chinesen, so Hauser, hat das Smartphone eine besondere Funktion: Es ist für viele ein Fenster zur Welt. Denn nicht alle Chinesen sind in der Lage, sich einen teuren PC leisten zu können, um im Internet zu surfen oder auch die sozialen Netzwerke zu nutzen. Im Volkskongress ist übrigens der Gebrauch von Handys seit 2014 verboten – wahrscheinlich aufgrund der potentiellen Ablenkungsgefahr für die Abgeordneten. Wer nach einer Webseite der Kommunistischen Partei Chinas sucht, kann sich die Mühe sparen. Es gibt keine. Dafür aber eine Webseite für die digitale Ahnenverehrung – hier treffen Tradition und Moderne in sehr praktischer Weise aufeinander.

„China für die Hosentasche“, Fischer Verlag, ist ein kurzweiliges kleines Buch mit kompaktem Wissen auf 320 Seiten. Ein alternativer Reiseführer mit leichtem Einstieg in die chinesische Lebenswelt. Interessant für China-Begeisterte und China-Kenner.

Françoise Hauser: „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“, FISCHER Taschenbuch, 2017

 

 

 

 

Buchtipp: „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“

Das Buch „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ vom Zen-Mönch Haemin Sunim ist kein Ratgeber im klassischen Sinn. Vielmehr ist es ein Philosophiebuch, das angereichert ist mit Anekdoten und buddhistischen Weisheiten, die der Autor auf Alltagsituationen treffend anwendet. Ich musste geduldig sein und die Langsamkeit zelebrieren, bis ich es selbst in den Händen halten konnte – aber das Warten hat sich gelohnt.

Haemin Sunims Sprache ist einfach, aber in jedem Satz steckt eine tiefe Bedeutung. Seine Thesen und Schlussfolgerungen sind für jedermann verständlich formuliert. Philosophie ist nicht kompliziert, wenn Haenim Sunim sie erklärt.

„Wenn du willst, dass deine Kinder weniger fernsehen, schalte zuerst deinen eigenen Fernseher aus“, so der Autor. Es ist zunächst der Blick auf das eigene Ich, bevor man von anderen etwas verlangt oder andere für etwas beurteilt. Selbst wenn der Chef einen bittet, eine Arbeit zu erledigen, die einem zu banal erscheint, sollte man dies akzeptieren statt seine Energie damitzu verschwenden, indem man sich ärgert und auflehnt. Man kann sich das Leben selbst schwer machen. Wer Neid empfindet, für den hat er auch eine plausible Antwort parat: „Das Leben ist wie ein Stück Pizza. In einer Anzeige sieht es köstlich aus, aber wenn wir es essen, ist es nicht so gut, wie wir es uns vorgestellt haben. Wenn du jemanden um sein Leben beneidest, denk an die Pizza in der Anzeige. Es sieht immer besser aus, als es ist.“

Haemin Sunim, © Jo Sehyen

Haemin Sunim empfiehlt, jedes Kapitel zu lesen und anschließend in Ruhe über das Gelesene nachzudenken, bevor man das nächste Kapitel aufschlägt. Tatsächlich sollte man sich genügend Zeit nehmen, die scheinbar einfachen Sinnsprüche auf sich wirken zu lassen. Jeder wird sich dabei ertappen, die eine oder andere beschriebene Situation selbst schon einmal erlebt zu haben. Die Wahrheit in seinen Worten ist teilweise berührend und oftmals inspirierend.

Auch die Illustrationen sind poetisch und schlicht. Sie zeigen dabei zumeist das gleiche Motiv: Menschen, die alleine oder gemeinsam in einer Landschaft wie Miniaturen dargestellt sind und über ihen steht der überdimensionale Mond am Himmel. Vielleicht ein Sinnbild für Bescheidenheit? Der Mensch lediglich als ein Teil eines großen Ganzen?

Die außergewöhnliche Art, zenbuddhistische Weisheiten in diesem neuen Format zu präsentieren – mit Leichtigkeit und Sinnhaftigkeit – ist eine Herangehensweise, die mir gut gefallen hat. Ein empfehlenswertes Buch, in dem man viele Weisheiten zu unterschiedlichen Lebenssituationen findet. Für alle, die sich für Buddhismus und Achtsamkeit interessieren, eine wichtige Lektüre.

Haemin Sunim: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst, Scorpio Verlag, 272 Seiten

https://www.scorpio-verlag.de/Buecher/259/DieschnenDingesiehstdunurwenndulangsamgehst.html