Buchtipp: Der Weg beginnt unter deinen Füßen – Zen für das moderne Leben

Wie finde ich die innere Mitte und lerne Meditation? Das neue Buch „Der Weg beginnt unter deinen Füßen – Zen für das moderne Leben“ von Jeff Shore, erschienen im O.W. Barth Verlag, gibt Praktizierenden einen analytischen Einblick in die Praxis des Zen.

Gleich zu Beginn stellt der amerikanische Zen-Meister Jeff Shore die Sitzmeditation „Zazen“ vor. Es ist der Weg zum Eins-Sein, wie er es nennt. Ganz bei sich zu sein mit dem Ziel, ohne aufwühlende Gedanken und Bewertungen der Dinge, die die Umgebung ausmachen. Erst dadurch entsteht ein Zustand der Ruhe und Klarheit, durch den man Erkenntnis gewinnt. Wie beispielsweise bei einem Notfall, bei dem die Gedanken ausgeschaltet sind und man handelt, ohne zu denken. Die Meditation im Sitzen lässt sich laut Autor auch im Alltag anwenden, auch ohne ruhige Umgebung oder einer sitzenden Position. Jeder kann jederzeit innehalten und sogar buddhistische Fragen zur Lösung seiner Alltagprobleme heranziehen.

Atemübungen im Lotussitz

Während des Atmens  wird von eins bis zehn gezählt oder nur mit der Fokussierung auf die eins. Diese scheinbar simple Übung hat es dann doch in sich. Schließlich soll man sich von nichts ablenken lassen und ganz bei sich sein. Der zerstreute Geist soll leer werden und dies ermöglicht dann den Weg zur Erleuchtung. Bis einem deutlich wird, dass alles, was man braucht, eigentlich in einem selbst steckt. Denn eigentlich, so die Konsequenz, ist jeder ein Buddha, denn Buddha heißt nicht „der“ Erleuchtete, sondern ein Mensch, der erleuchtet ist.

Es gilt, das Miss-Behagen zu erkennen und aufzulösen, die Ursprünge der Dinge zu erfassen und negative Gefühle umzuwandeln. So weit die Theorie. Shore belässt es aber nicht dabei. Er erklärt Zen in der Praxis, er gibt viele Tipps und nennt als Beispiele viele Zen-Geschichten und buddhistische Lehrtexte und Anekdoten, die er anschließend ausführlich analysiert und interpretiert. Dabei lässt er dem Leser aber auch durch offene Fragen genügend Raum für eigene Interpretationen. Denn ein Zen-Lehrer sollte nicht belehren, wie Shore meint. Erleuchtung ist eine Erfahrung, die jeder aus sich selbst erlernt.

„Stellt sich doch ein Gedanke ein, nehmt ihn war. Sobald ihr ihn wahrnehmt, verflüchtigt er sich. Irgendwann sind die Bedingungen vergessen, und alles ist auf natürliche Weise geeint. Das ist das Wesen von Zazen“, so Shore über eine Meditationsweisheit.

Buddhistische Lehre im Alltag

Shore zieht immer wieder den Bezug zur modernen Lebenswelt. Ist der Chef das Problem oder bin ich es selbst? Für gegensätzliche Pole wie Stress und Langeweile nimmt er das Bild einer Wippe zur Hilfe. Der Mensch bewege sich auf dieser Wippe stets hin und her, denn nichts sei beständig, sondern immer im Wandel. Auch Emotionen. Gefühle wie Hass oder Schmerz sollen in ihr Gegenteil umgewandelt werden. Gegen Hass helfen Mitgefühl und liebende Güte. Wenn der Hass erloschen ist, kann man wieder klar und ruhig denken und handeln. Man soll die Dinge durchschauen, den Ursprungskern erkennen und damit die Realität. Im Buddhismus soll man sich auch an nichts klammern, wie z.B. Besitz. Die Vorstellung, dass man etwas besitze und es nicht loslassen kann, führe nur zu Schmerz.

Mein Fazit: Das Buch gibt Menschen, die bereits Erfahrungen mit Meditation haben, viele nützliche Hintergrundinformationen und Erklärungen an die Hand. Es eignet sich nicht für Anfänger, sondern eher für Kenner der Materie. „Der Weg beginnt unter deinen Füßen“ ist ein philosophisches Buch über die moderne Zen-Praxis und überzeugt durch den persönlichen Erfahrungsschatz des Autors.

Jeff Shore hat Religion und Philosophie studiert, ist Professor an einer buddhistischen Universität in Kyoto und Zen-Meister.

Jeff Shore: „Der Weg beginnt unter deinen Füßen. Zen für das moderne eben“, O.W. Barth (Verlagsgruppe Droemer Knaur), 2018

 

 

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Buchtipp: Chinas neue Seidenstraße

Chinas neue SeidenstraßeDie „neue Seidenstraße“ gilt als das Großprojekt Chinas. Im Zuge des US-Protektionismus ist die „One Belt One Road“- (OBOR) oder auch „New Silk Road“-Initiative (NSR) zentraler Bestandteil einer Neuorientierung Chinas zum freien Welthandel.  Welche Chancen und Risiken gehen mit dem Programm einher für die EU und Deutschland? Das Buch „Chinas neue Seidenstraße“, erschienen im Frankfurter Allgemeine Buch Verlag, analysiert Chinas aktuelles geopolitisches Handeln und zeichnet das Bild einer Nation im Wandel.

Das Projekt „neue Seidenstraße“ ist in Anlehnung an die alte Seidenstraße eine Initiative des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping im Jahr 2013. Im Vordergrund stehen der wirtschaftliche Austausch zwischen Asien und Europa, Investitionen und gemeinsame Krisenbefriedung. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle: Kooperation statt Konfrontation, Entwicklungsförderung der Schwellenländer, Harmonie durch die Schaffung eines internationales Gleichgewichts und ein friedvolles Miteinander, Ausbau der Infrastruktur, Schaffung von Industriekorridoren, Innovationshubs, Energienetze  und Kommunikationsnetze.

Im Zentrum steht ein Investitionsprogramm Chinas, das insbesondere von Europa mit Skepsis betrachtet wird, wenn nicht gar mit Furcht. Nicht zuletzt wegen beunruhigender Medienberichte über den Ankauf von Industrieunternehmen oder dem illegalen Transfer von Hightech-Knowhow.  China will führend werden in Schlüsseltechnologien wie beispielsweise der Robotik, Digitalisierung oder E-Mobilität. Präsident Xi gab in einer Rede zu bedenken, dass es unmöglich sei, den „Austausch von Kapital, Technologien, Gütern und Arbeitern zu stoppen.“ Protektionismus verglich er als einen dunklen Raum, in dem man sich einschließe. „Wind und Regen bleiben vielleicht draußen. Licht und Luft aber auch.“ Kooperation statt Isolation lautet das Motto. Aber ist dies auch der Anfang einer neuen globalen Weltordnung mit China an der Spitze?

Im Buch werden verschiedene OBOR-Projektbeispiele erläutert, ebenso die strategische Neuausrichtung von Branchen, die chinesische Innovationsstrategie und die Chancen für Europa und andere Staaten. Berichtet wird außerdem über den angestrebten Imagewandel Chinas, die Herausforderungen des freien Unternehmertums, die Problematik des Umweltschutzes und der Dekarboninsierung. Außerdem erfährt der Leser viel Wissenswertes über die alten und neuen Handelsrouten. Bei dem aktuellen OBOR-Projekt handelt es sich nämlich nicht um einen einzigen Handelsweg, sondern um zwei Hauptrouten: auf der einen Seite den Landweg über Zentralasien, Iran, Türkei, Moskau nach Europa, auf der anderen Seite die maritime Seidenstraße als Verbindung zu den südasiatischen Nationen.  Auch die historische „Seidenstraße“ – ein Begriff, der von Baron Ferdinand von Richthofen erst im Jahr 1877 geprägt wurde –  bestand eigentlich aus einem Netz aus vielen Handelswegen. Hier wurden neben der wertvollen Seide auch Porzellan, Gewürze und andere Kulturgüter transportiert.

Wer sich umfassend über die Hintergründe und Perspektiven dieses einzigartigen Jahrundertprojekts „neue Seidenstraße“ informieren will, erhält mit dieser Fachlektüre eine umfangreiche Analyse, die die aktuellen Änderungsprozesse im globalen Welthandel detail- und faktenreich aufzeigt. Ein Standardbuch für all jene, die Chinas Bestrebungen und seine neue internationale Rolle besser verstehen wollen.

Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig, Run Wang: „Chinas neue Seidenstraße. Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel“, Frankfurter Allgemeine Buch, 2. Aufl. 2018

Buchtipp: Natürliche Selbstheilung durch Akupressur

CoverNatürliche Selbstheilung durch AkupressurReiseübelkeit, Magenschmerzen oder Schnupfen? Wer keine Medikamente zur Hand hat, kann durch Selbstmassage oder Fingerdruck – sprich Akupressur – erste Abhilfe leisten. Wie das funktioniert und welche Alltagsbeschwerden auf sanfte Weise geheilt werden können, verrät das aktuelle Buch „Natürliche Selbstheilung durch Akupressur“ von Laurent Turlin, erschienen im Verlag Ullmann Medien. Ich starte einen Selbstversuch.

Sich selbst heilen und gesund bleiben – so lautet der Untertitel des Buchs „Natürliche Selbstheilung durch Akupressur“ von Autor Laurent Turlin, Heilpraktiker für Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunkteur. Unter Akupressur versteht man die manuelle Reizung von Energie- und Akupunkturpunkten im Körper. 50 Beschwerden lassen sich laut Autor mit nur zwölf Haupt-Akupressurpunkten behandeln.

Erkrankungen wie beispielsweise Blähungen, Kopfschmerzen oder Schiefhals können mithilfe der Akupressur geheilt oder gelindert werden. Turlin beschreibt die jeweiligen Akupressurpunkte, die zur Bekämpfung der Beschwerden beitragen. Ein Pluspunkt: die 200 Fotos, die die genauen Positionen der Akupressurpunkte illustrieren. Der Leser erfährt auf diese Weise sehr anschaulich, an welcher Stelle er massieren oder drücken muss und ebenso für welche Dauer. Empfohlen wird meistens eine Anwendung von insgesamt zehn Minuten. Hierbei werden zwei oder drei Akupressurpunkte nacheinander und im Seitenwechsel massiert oder erwärmt. Der Druckpunkt Du26 („Mitte des Menschen“ oder „der Notfall-Punkt“) liegt unterhalb der Nase und hilft unter anderem, wieder zu Bewusstsein zu kommen oder auch gegen eine laufende Nase. Und der Pe6 („das innere Tor“), der zwei Finger breit unter dem Handgelenk lokalisiert ist, löst Blockaden, lindert Übelkeit, reguliert den Blutdruck und soll auch gegen Schluckauf Wirkung zeigen.

Theorie allein ist unnütz, wie es in der chinesischen Medizin heißt. Wie sieht es in der Praxis aus? Wie es der Zufall will, fühle ich mich seit dem Morgen etwas unwohl. Also blättere ich nach und wende zwei Druckpunkte an, die mir empfohlen werden, wenn man mit der Milz Probleme hat. Ich massiere zunächst den Akupunkturpunkt oberhalb des Knöchels und dann unterhalb des Knies, jeweils auf beiden Seiten. Tatsächlich spüre ich schon während der Akupressur ein leichtes Gefühl der Besserung, eine lösende, innere Entspannung. Um sich von der Wirkung der Akupressur zu überzeugen, sollte es jeder einmal selbst ausprobieren. Schaden kann es nicht, zumal keine Nebenwirkungen dieser Methode bekannt sind.

Mein Fazit: Das Wohlbefinden liegt durchaus in der eigenen Hand. Akupressur kann für unerschiedliche Beschwerden zum Einsatz kommen und ist leicht im Alltag anzuwenden. Das Buch liefert hilfreiche Informationen zur Anwendung. Darüber hinaus gibt es viele Extratipps zum zusätzlichen Gebrauch von ätherischen Ölen oder Hinweise zu Varianten mit dem heißen Moxa-Stift. Infoboxen zur Traditionellen Chinesischen Medizin geben Auskunft, was es mit den Leitbahnen im Körper (Meridianen) auf sich hat und welche Blockaden für die diversen Beschwerden verantwortlich zeichnen. Das Buch überzeugt durch kompakte Informationen zur Akupressur, eine gelungene Bebilderung und ein ansprechendes Layout. Für mich daher beide Daumen hoch!

Laurent Turlin: Natürliche Selbstheilung durch Akupressur, Ullmann Medien, 2018

Buchtipp: China. Die Küche des Herrn Wu

Kochbücher über die chinesische Küche gibt es viele: Fünf-Elemente-Kochen, Suppenrezepte, vegetarische Gerichte – darüber habe ich bereits berichtet. Heute möchte ich Euch ein besonderes Buch ans Herz legen, das durch meist schlichte, leicht zuzubereitende und authentische Gerichte überzeugt. „China. Die Küche des Herrn Wu“ ist eine Rezeptsammlung von Herrn Wu und Frau Wang, die ein China-Restaurant in Berlin führen. Sie selbst kochen nicht, für die Zubereitung der kulinarischen Köstlichkeiten sind chinesische Köche zuständig. Laut Autorin ist das Besondere dort die Verbindung zwischen chinesischem Essen und deutschem Wein. Im Buch ist es eindeutig das Essen.

Herr Wu, Foto: Manuel Krug für Tre Torri Verlag

Zwischen zwei äußerst dicken Buchdeckeln verbirgt sich die vielfältige kulinarische Welt Chinas: Rezepte von süß-sauer, mild über würzig bis chili-scharf. Gerichte, die wohl jeder Chinese kennt und die jeder tatsächlich ohne Komplikationen nachkochen kann. Die Grundzutaten sollte man allerdings vorrätig haben wie Sojasoße, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Ingwer, Raps- oder Sesamöl und Chilischoten. Aufgetischt werden Vorspeisen, Hauptgänge und Nachspeisen und dies in der Art, als würde Herr Wu zum Essen einladen. Was würde er seinen Gästen servieren? Beispielsweise im Winter oder wenn nur Vegetarier zu Besuch kommen? Hier werden verschiedene Speisen vorgestellt – mit großformatigen Fotos und einer einfachen Beschreibung.

Die Gerichte sind aus dem Leben gegriffen, haben keine ausgefallen Namen, sondern benennen genau das, was gekocht wird, z. B. eingelegter Weißkohl, heißer Topf mit Rindfleisch und Kartoffeln, Eintopf mit Suppenhuhn, Dong-Gu, Mu-Err-Pilzen und Winterbambus, gekochte Teigtaschen, Wolfsbarsch gedämpft mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Sojasoße. Sogar ein Rezept für Peking-Ente wird verraten.

Dass Herr Wu teils Zugeständnisse hinsichtlich westlicher Geschmacksgewohnheiten machen muss, wenn er beispielsweise ein Gericht mit weniger Fett als gewöhnlich in China anbietet, ist nachvollziehbar. Oder auch wenn Wein zum Essen getrunken wird. Chinesen trinken in der Regel nicht beim Essen, allerdings in Hongkong wird auch zwischendurch Tee getrunken oder auch Cola in Dosen ist beliebt bei den Jüngeren.

Was unterscheidet das Buch von anderen? Für mich ist es die Auswahl an Gerichten, die simpel, aber ursprünglich sind. Erst letztens habe ich eine Variante von „Hähnchen in Sojasauce-Frühlings-Zwiebelöl“ gegessen, die meine Mutter zubereitet hat. Während des Durchblätterns des Kochbuchs hatte ich übrigens lauter Dejà-vus. Meine Eltern hatten ebenfalls ein China-Restaurant im Westen von Berlin („Lotos House“), das sie 32 Jahre lang in Eigenregie führten. Mein Vater kochte ebenfalls täglich einen riesigen Topf Hühnerbrühe als Grundlage für die chinesischen Suppen und Soßen. Es gibt nichts Besseres als eine richtige Brühe aus Suppenhühnern, die stundenlang gekocht werden. Den Teig für die Wantan hat mein Vater mit der Nudelmaschine stets selbst zubereitet und mit dem Küchenbeil hat er alles geschnippelt, gehackt und zerkleinert.

Mein Fazit: Leckere, alltagstaugliche Rezepte, einfach erklärt, schnörkellos und modern präsentiert. Wer Lust hat, authentische chinesische Rezepte auszuprobieren, sollte zum Buch und Wok greifen. Die Küche des Herrn Wu ist auch eine Küche für alle.

Ursula Heinzelmann: China. Die Küche des Herrn Wu, Tre Torri Verlag, 2018

 

Buchtipp: „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“

Die Chinesen, Econ VerlagChina wird als Wirtschaftsmacht im 21. Jahrundert eine, wenn nicht sogar die bedeutende Rolle in der Weltpolitik einnehmen. Doch welchen Weg wird das Land in Zukunft einschlagen? Wie wird sich Chinas Aufstieg auf den Weltfrieden auswirken? Wie ticken die Chinesen? Um diese Nation besser zu verstehen, haben die Autoren Stefan Baron und seine chinesische Ehefrau Guangyan Yin-Baron in ihrem Buch „Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“, erschienen im Econ Verlag, die Gefühlswelt und Denkweise der Chinesen wissenschaftlich, aber auch anhand persönlicher Erfahrungen, unter die Lupe genommen. Ein aufschlussreiches Portrait einer Nation, die vor großen Herausforderungen steht.

Die Zukunft von China wird die Zukunft der Welt bestimmen, so lautet der Grundtenor des Buches. Die Autoren machen deutlich, dass Europa und insbesondere Deutschland die Entwicklungen des Reichs der Mitte nicht mehr ignorieren kann. Vielmehr sei eine „kluge Fernostpolitik“ des Westens notwendig. Europa solle sich für eine „wahrhaft multipolare Ordnung“ einsetzen, die einen amerikanisch-chinesischen Konflikt verhindern soll.

Der Streit um die Handelszölle zwischen den USA und China macht bereits deutlich, wie die Vorherrschaft der USA ins Wanken gerät und die Konkurrenz aus China Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt – was die Wirtschaft, Finanzen und auch die modernen Technologien angeht. Zwischen den USA und China herrsche ein militärisches und finanzielles „Gleichgewicht des Schreckens“. Doch die Autoren beruhigen: China strebe schon aus Tradition keine Weltherrschaft an, sondern einen Platz in einer globalen Weltordnung, in der China souverän und ohne Bevormundung durch andere Staaten seinen Platz einnimmt. Die chinesischen Politiker haben seit jeher betont, dass es um einen „friedlichen Aufstieg“ ihres Landes gehe, um eine wirtschaftliche und technologische Führungsposition einzunehmen. Während die US-Politik China als neue Supermacht fürchtet, sieht die amerikanische Bevölkerung dies jedoch gelassener. Die Bedrohung sehen sie eher durch Nordkorea oder die Islamisten.

Das China-Bild des Westens hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt – von der Faszination bis zur Verachtung. Das Buch gibt hierzu einen kurzen Überblick. Ebenso über die philosophischen Grundlagen von Konfuzius, Laotse, Mao und Deng, die für das Selbstverständnis der Chinesen unabdingbar sind. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die Deutschen viel zu wenig über die Chinesen wissen. Sogar in den Medien würden Stereotypen bedient und ein wirkliches Verstehen verhindert. Dies sei aber wichtig, um sowohl die Risiken als auch die Chancen für Deutschland und Europa zu erkennen und einordnen zu können. Kulturelle Kompetenz ist einer der Schlüssel für internationale Beziehungen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Aspekten wie Familie, Moral und Gesellschaft, die Beziehung von Mann und Frau oder die Lebenseinstellung. Beispielsweise wird erläutert, warum Chinesen weniger Probleme beim Lügen sehen, um das „Gesicht“ zu wahren. Ebenso wird erklärt, wie das rüpelhafte Verhalten in der Öffentlichkeit einhergehen kann mit einem sehr rücksichtsvollen Umgang innerhalb der Familie und Sippe nach konfuzianistem Ideal. So erscheint es „normal“, dass einem ein Fremder die Tür vor der Nase zufallen lässt oder sich auch nicht entschuldigt, wenn er einen anrempelt.

Im letzen Teil wird auf die Themen Arbeitswelt, Staat und Gesellschaft und Rolle Chinas in der Welt eingegangen. Alle Themen werden präzise analysiert und durch zahlreiche Umfragen, Studien, Zitate von Wissenschaftlern und China-Kennern sowie aktuelle Beispiele aus den Medien erläutert und mit Zahlen untermauert. So ergibt sich ein umfangreiches Bild der Denkweise der chinesischen Bevölkerung.

Das 448 Seiten starke Buch liest sich sehr spannend und überzeugt durch seine Aktualität. Es wendet sich durch eine unkomplizierte, klare Sprache an eine breite Leserschaft. Es gibt sowohl dem China-Interessierten, als auch Geschäftsleuten einen umfassenden Einblick in das Denken und Handeln einer Nation, die bereits jetzt als größte Volkswirtschaft zählt. Ein Standardwerk, das für den zukünftigen Diskurs wichtige Impulse geben wird.

Stefan Baron, Guangyan Yin-Baron: „Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“, Econ, 2. Aufl. 2018

 

 

Der Elefant, der das Glück vergaß – buddhistische Geschichten von Ajahn Brahm

Der Elefant der das Glueck vergass von Ajahn Brahm

Das Buch „Der Elefant, der das Glück vergaß“, erschienen im Lotos Verlag, ist eine Sammlung von traditionellen buddhistischen Geschichten und persönlichen Anekdoten des Autors Ajahn Brahm. Er ist ein buddhistischer Mönch, der als Peter Betts in London geboren wurde und später theoretische Physik in Cambridge studierte. Ich habe sein Buch gelesen, das unkonventionell und leicht verständlich geschrieben ist.

Die kurzen Geschichten, die Ajahn Brahm erzählt, stehen ganz im Zeichen der buddhistischen Lehre. Zentrale Themen sind Mitgefühl, Bescheidenheit, Respekt und Achtsamkeit. Er verknüpft alte Erzählungen mit den Problemen der heutigen Lebenswelt und findet Parallelen und schafft dadurch den Transfer in die Gegenwart.

Die Erzählung „Alte Mönche lügen nicht“ hat mir besonders gefallen, denn sie lässt sich gut auf die Menschen in der heutigen Gesellschaft anwenden, die nie zufrieden sind und stets mehr verlangen, um glücklich zu sein. Wenn der König den „Pfeil des Verlangens“ abschießt, um einen Schatz und das Glück zu finden, findet man nichts oder Ärger. Sobald man jedoch den Pfeil loslässt, dann begreift man, dass der Schatz der Zufriedenheit im Hier und Jetzt ist.

Der Autor schreckt auch nicht davor zurück, von eigenen Fehlern oder Dummheiten zu berichten oder von den vermeintlich ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufwuchs. Die kleine Wohnung, in der er mit seiner Familie aufwuchs, versteht er nicht als Defizit, sondern Bereicherung. Warum? Weil er auf engem Raum soziales Verhalten erlernt hat – miteinander auskommen, miteinander streiten, sich versöhnen.

Der Leser erfährt, dass 70 Prozent besser seien als 100 Prozent und dass diese 70-Prozent-Regel auch insbesondere für die Erwartungshaltung gelte. Denn wer bei bestimmten Vorstellungen im Leben immer an 100 Prozent festhält, wird unweigerlich enttäuscht werden.

Manche Geschichten machen nachdenklich, manche berühren, manche beleuchten auch unangenehme Themen wie den Tod. Ajahn Brahm schafft es, über alle Sujets mit Leichtigkeit und auch Humor zu schreiben. Die moderne Interpretation alter Weisheiten ist eine gelungene Form, die ein breites Publikum anspricht. Interessant fand ich die Erlebnisse des Autors, die er immer wieder zwischendurch mit einfließen lässt. Es ist quasi ein Buch mit buddhistischen Weisheiten von gestern und heute. Wer die Bücher von Paulo Coelho mag, wird auch Ajahn Brahm gerne lesen.

Ajahn Brahm: Der Elefant, der das Glück vergaß“, Lotos Verlag (Randomhouse), 2014 18. Aufl.

„Das Gelassenheitsprojekt“ – 18 Entspannungstechniken im Selbsttest

Gelassenheit erlernen ist anstrengend? Martin-Niels Däfler hat 18 Entspannungstechniken im Selbsttest durchgeführt und nach einem eigenen Punktesystem bewertet. Seine persönlichen Erfahrungen stellt er in seinem Buch „Das Gelassenheitsprojekt“, GABAL Verlag, vor. Mit einer Prise Humor und ohne wissenschaftlichen Anspruch erzählt Däfler, ob und wie er seinem Ziel von mehr Geduld und Gelassenheit nähergerückt ist. Auch auf seinem Programm: Qigong. 

Martin-Niels Däfler hat aus einer Laune heraus eine eigene To-do-Liste zusammengestellt, um verschiedene Entspannungsmethoden auszuprobieren. Herausgekommen ist ein nicht ganz ernst gemeinter „Ratgeber“ für stressgeplagte Menschen.

„Das Gelassenheitsprojekt“ ist ein Buch, das in erster Linie auf Unterhaltung setzt und verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, wie man mehr Entspannung in sein Leben integrieren kann: durch Sport, Wellnessmaßnahmen, Entrümpeln, Stricken oder auch Tee trinken.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Qigong-Seminar? Diese chinesische Bewegungsmeditation eignet sich sehr gut, um wieder „runter“ zu kommen. Bei Däfler schneidet diese Methode nach Punktevergabe überdurchschnittlich ab, auch wenn sie nicht Spitzenreiter ist. Allerdings scheint der Autor, der zu jedem Test ein Selfie macht, ein Skeptiker zu sein, der aus westlicher Sicht zunächst nicht viel mit fernöstlichen Lehren anfangen kann. Tatsächlich hat Qigong nichts mit Esoterik zu tun, auch wenn man einen „Baum umarmt“ oder einen „Bogen spannt“. Im Vergleich zu Yoga kommt das Thema Qigong leider etwas zu kurz. Qigong sei aber „eine gute Idee, um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen“, räumt Däfler dann doch ein. Am Schluss präsentiert er eine Rangliste mit seinen Ergebnissen, die seinem individuellen Empfinden entspringen. Hätte eine weibliche Person alle Methoden durchgeführt, wäre mit Sicherheit eine andere Reihenfolge dabei herausgekommen. Stricken, so viel sei verraten, landete nicht auf Platz 1.

Welche Methode letztendlich sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Buch bietet hierfür die Inspiration und für manchen Leser auch die Motivation. Wer auf eine vergnügliche Lektüre und weniger auf Hintergrundinformationen zu Gesundheitsthemen setzt, wird Freude an dem Buch haben. Letztendlich gilt: Ein allgemeingültiges Rezept für Gelassenheit gibt es nicht. Ausprobieren heißt die Devise.

Zum Autor: Prof. Dr. Martin-Niels Däfler ist Experte für Stressabbau und Professor an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main.

Martin-Niels Däfler: Das Gelassenheitsprojekt. 18 Entspannungstechniken im ultimativen Selbsttest, GABAL, 2018

Buchtipp: Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität

Der Mai Tai trinkende Mönch Cover

Der Mai Tai trinkende Moench und die Lehre der Authentizitaet von Stefan Weiss

Philosophie im modernen Märchen: In der Geschichte „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“ von Stefan Weiss, erschienen im Goldmann Verlag, erklärt der Mönch Kenso die buddhistische Lehre der Authentizität in klaren, einfachen Worten. In einem Frage-und-Antwort-Spiel werden zentrale Lebensfragen erläutert. Die Dialoge führen zu teils überraschenden Erkenntnissen.

Nachdem der Mönch Kenso sein Kloster verlassen hat, trifft er zufällig einen freundlichen Herrn in einer Bar. Dieser stellt ihm täglich verschiedene Personen vor, die ihre Fragen an den Mönch stellen. Auch wenn die Zusammenkunft mit  den Fremden, die sehr persönliche Dinge von sich preisgeben, ein wenig konstruiert erscheint, ist die Geschichte unterhaltsam und kurzweilig zu lesen. Die gewählte Form des Dialogs zwischen dem Protagonisten und den Fragstellern ist eine schöne Methode, um philosophische Lösungsansätze in einfacher Weise zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Besprochen werden Themen wie Kreativität, Liebe, Glaubwürdigkeit oder die Zeit.

Mancher Leser wird sich ertappen, sich die eine oder andere Frage schon selbst einmal gestellt zu haben. Oft geht es um die sogenannte dritte Ebene, die wichtig ist, um Erkenntnis und Glück zu erreichen. Hilfreich ist das Glossar am Schluss, das die dritte Ebene und weitere Begriffe aus dem Buddhismus erklärt und zum besseren Verständnis hierfür auch Synonyme aus der westlichen Welt verwendet.

Das Taschenbuch ist trotz der 160 Seiten schnell zu lesen. Die Lehre der Authentizität wird anschaulich und verständlich erklärt. Fazit: Ein lesenswerter, inspirierender Ratgeber im Pocketformat, der an die buddhistische Lehre in kleinen Schritten heranführt.

Stefan Weiss: „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität“, Goldmann, 2017