Buchtipp: Suppen aus China – Vegane Rezepte für den Alltag

Suppen aus China, Drachenhaus VerlagChinas Küche ist vielfältig, auch bei den Suppen. Chinesen essen sie schon morgens als Frühstücksmahlzeit wie beispielsweise Nudelsuppe oder verzehren sie zum Abschluss nach dem Hauptgang. Suppen sind lecker und vor allen Dingen gesund. Bei Krankheit isst man am besten Reissuppe, die stärkend wirkt. Heute möchte ich Euch ein besonderes Kochbuch vorstellen, das sich ausschließlich mit veganen chinesischen Suppen beschäftigt. „Suppen aus China. Vegane Rezepte für den Alltag“, erschienen im Drachenhaus Verlag, macht Appetit auf authentische chinesische Suppen.

Sie klingen wie ein Gedicht: Schneegestöber in den Roten Bergen, Sonnenuntergang im Weißen Fluss oder Flüssige Jade. Die veganen Suppen aus China haben klangvolle Namen und sind gehaltvoll, auch wenn sie lediglich aus Kräutern, Gemüse und Pasten bestehen. Nach der chinesischen Ernährungslehre sollte man Suppen zu bestimmten Jahreszeiten zubereiten und verzehren. Je nach den körperlichen Bedürfnissen, die sich im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter unterscheiden, haben die Suppen verschiedene Wirkungen auf unseren Organismus. Nahrung wirkt daher wie „Medizin“.

Das Buch ist insgesamt aufwendig gestaltet. Durch großformatige Fotos werden die Rezepte schön in Szene gesetzt. Zudem bietet das Kochbuch einen guten Überblick über die Ernährungslehre der Fünf Elemente und eine Übersicht der wärmenden (Yang) und kühlenden (Yin) Nahrungsmittel.

Mir gefällt das Kochbuch sehr gut aufgrund seiner tollen Aufmachung und der außergewöhnlichen Rezepte, die man nicht in jedem Kochbuch findet. Empfehlenswert nicht nur für Suppenfans, sondern auch für alle, die sich für gesunde chinesische Küche interessieren. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack.

Nora Frisch, Ming Dittel und Jürgen Bubeck: Suppen aus China. Vegane Rezepte für den Alltag, Drachenhaus Verlag, 2015

http://www.drachenhaus-verlag.com/index.php/programm/Chinas_Kueche

 

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Buchtipp: Fachsprache Recht für Deutsch-Chinesisch-Englisch

Fachsprache Recht Legal LanguageKennen Sie Rechtsbegriffe auf Chinesisch? „Fachsprache Recht, Legal Language, Deutsch/Chinesisch/Englisch“ von Dr. Jiagu Richter ist ein neues Lehrbuch für Lehrer und Sinologiestudenten, Chinaforscher, Manager in China und Übersetzer. Erläutert wird das Rechtssystem und ausgewählte Rechtsfälle, die analysiert werden.

Das Fachbuch verfügt über sechzehn Lektionen, die ausgewählten Bereichen des chinesischen Rechts wie Zivilrecht, Strafrecht oder Eherecht zugeordnet sind. Chinesische Grundkenntnisse sollten vorhanden sein, sodass man beispielsweise eine Zeitung lesen kann. Der Sprachkurs hat das Ziel, den Lernenden in die Lage zu versetzen, einen Rechtsfall mit den passenden Vokabeln selbst erklären zu können oder auch in den Medien zu verstehen. Die Lektionen umfassen Textübersetzungen, eine Vokabelliste mit über 500 Rechtsbegriffen, Sprachübungen und Auszüge von chinesischen Rechtstexten. Für zukünftige Rechtsexperten mit Sicherheit ein nützliches Standardwerk.

Richter Jiagu: „Fachsprache Recht, Legal Language, Deutsch/Chinesisch/Englisch“, BACOPA Verlag, 2016, 196 Seiten

Buchtipps: Qigong als Heilmethode

Qigong ist nicht nur gymnastische Bewegungsübung, sondern beinhaltet auch einen medizinischen Aspekt. Denn als Heilmethode ist es eine Alternative oder Ergänzung zur westlichen Medizin. Bereits im ältesten medizinischen Lehrbuch, dem Huang Di Nei Jing (Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin), werden Qigong-Übungen vorgestellt, die der Gesundheitspflege dienen. Qigong vereint Bewegungsübungen, Atmung und Meditation – Übungen, die die Lebensenergie Qi stärken, regulieren, harmonisieren. Zwei Bücher zum Thema Qigong als Heimethode möchte ich im Folgenden vorstellen.

Tao_Selbstheilung_CoverDr. med. Josephine Zöller beschreibt in ihrem Buch „Das Tao der SelbstheilungQi als Naturkraft, die empirisch erfahrbar sei und ohne die Leben nicht sein könne. Qi zu definieren, ist nicht einfach. Denn Qi ist mehr als Lebensenergie. Es wird auch übersetzt als Atem, Dampf, universelle Kraft. Laut Laotse ist Qi „Materie, die man nicht sieht, wie auch Luft Materie ist, die man nicht sieht.“ Ohne Qi gibt es kein Leben, keine Bewegung, kein Wachstum. Skeptikern hält Zöller entgegen, dass auch Gravitation oder das menschliche Bewusstsein nicht sichtbar seien und ihr Wesen wissenschaftlich nicht erfassbar wäre. Hierin würden sich die Denkmodelle der westlich-naturwissenschaftlichen und der fernöstlichen Gesellschaften massiv unterscheiden. Die Autorin erklärt in einer kurzen Einführung die theoretischen Grundlagen des Qigong, die Bedeutung des Qi, den Bezug zur Tageszeit, die Meridiane (Energieleitbahnen im Körper) und den kleinen  und großen Energiekreislauf, die drei Dantian (Regenerationsorte bzw. Sammelpunkte des Qi). Zöller unterscheidet zudem die verschiedenen Arten des Atmens. Die natürliche Atmung erfolge „rund, weich, langsam und tief“  und außschließlich durch die Nase. Bei der Qi-Atmung wird durch die Nase ein- und durch den Mund ausgeatmet. Beim sogenannten Windatmen zieht man die Luft in zwei bis drei Luftzügen ein und atmet anschließend mit  tiefer Absenkung der Bauchdecke wieder aus. Schwerpunkt des Buches sind die traditonell überlieferten Qigong-Übungen, die systematisch aufbereitet und gut illustriert sind.

Die Übungen, die im Stehen oder Liegen oder im Gehen praktiziert werden, sind bekannte Formen wie „den Himmel stützen, die Erde stemmen“ oder „mit Pfeil und Bogen schießen“, aber auch Meditationen wie „der Tiger reckt sich“  oder „das Qi durch das Jadekissen lenken“. Zudem gibt sie Tipps für Massagen von Akupressurpunkten beispielsweise zur Linderung von Kreuz- und Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Die vorgestellten Übungen umfassen im Wesentlichen das in der chinesischen Heilkunst praktizierte weiche Qigong. Das Buch von Zöller bietet eine übersichtliche Darstellung der Thematik. Die Übungen sind geeignet für Qigong-Anfänger und Fortgeschrittene. Insgesamt ein gutes Einführungsbuch in die Praxis des Qigong.

Therapeutsches Qi Gong_CoverQigong als Therapie bei Krankheiten und als Mittel zur Regeneration ist auch Schwerpunkt des Buches „Therapeutisches Qi Gong“ von Alexandra Gusetti, Jumin Chen und Wolfgang Seiringer. In diesem Buch geht es um den therapeutischen Ansatz, den Prinzipien des Qigong von seinen Anfängen bis zur therapeutischen Arbeit und um die Komplexität des Heilwissens „hinter den Übungen“. Laut Gusetti soll es aber kein Lehrbuch der chinesischen Medizin sein. Die Übungen sind an Praktiker gerichtet, die aber meines Erachtens schon einen gewissen Hintergrund an Erfahrungen mitbringen sollten. Erläutert werden Bewegungsübungen, Meridianmeditationen und Massagen, auch im Bezug zu den Funktionskreisen Magen-Milz, Niere-Blase, Leber/Galle, Herz-Dünndarm, Lunge-Dickdarm. Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit deuten beispielsweise auf ein Herz-Qi-Mangel hin. Im therapeutischen Qigong muss das Herz-Qi durch Meditation und Bewegung ernährt und reguliert werden. Entsprechende Übungen sind nachzulesen. Meridiantafeln finiden sich zusätzich im Anhang.

Eine Besonderheit bietet ein philosophischer Ausflug der Autorin in die Naturwissenschaft: Im Kapitel zur kulturübergreifenden Betrachtung wagt sie die außergewöhnliche Verknüpfung von Qi und Quantenphysik. „Als Quantenlogik gilt: Liegt ein Zustand vor, so kann bei einer Überprüfung ein anderer erhalten werden. Es gilt nicht mehr Ja oder Nein.“ Diese quantenphysikalische Denkweise habe mehr mit dem Denk- und Wahrnehmungsmodell östlicher Kulturkreise zu tun als das Konzept der klassischen westlichen Naturwissenschaft. Es ist kein Einsteigerbuch, sondern eher ein Fachbuch mit wissenschaftllichem Schreibstil und wenig Bebilderung. Wer sich jedoch mit Qigong im Kontext chinesischer Medizin und Energetik intensiver beschäftigen will, kann das Buch von Gusetti als hilfreiches Nachschlagewerk nutzen. Beide Bücher sind im Bacopa Verlag erschienen.

Links:

Dr.  med. Josephine Zöller, Das Tao der Selbstheilung, Bacopa Verlag

Alexandra Gusetti, Therapeutisches Qi Gong, Bacopa Verlag

 

 

Buchrezension: CHINA 151 – das Reich der Mitte in 151 Momentaufnahmen

Cover China 151Das Buch CHINA 151 präsentiert die kuriosen Facetten Chinas in 151 spannenden Einzelgeschichten: ein Einblick in Chinas heutige Kultur und Lebenswelt für Anfänger und Fortgeschrittene.

Schon gewusst, dass in Peking die alten Männer bei Sommerhitze ihre nackten Bäuche zeigen, Zheng He als der „chinesische Kolumbus“ gilt, oder die Verehrung der Ahnen neuerdings auch im Internet möglich ist? Wer sich für China und seine Alltagskultur interessiert, erfährt hierzu mehr im neu erschienenen Buch der Journalisten Françoise Hauser und Volker Häring „CHINA 151“ – Das riesige Reich der Mitte in 151 Momentaufnahmen“.

 

Chinas Kultur von A bis Z

CHINA 151 präsentiert chinesische Kultur und Alltagssituationen häppchenweise in 151 kurzweiligen Geschichten – von A wie „Afrikaner“ über D wie „Dickbauch-Buddha“ bis Z wie „Zu viele Menschen“. Die Autoren haben ihre ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen, die sie in China gesammelt haben, in pointierte Kurztexte verpackt und als alphabetische Entdeckungsreise entsprechend von A bis Z geordnet. Die Momentaufnahmen in Wort und Bild bieten aufschlussreiche Einblicke, die die chinesische Lebenswelt auf amüsante Weise näherbringen – und dies mit vielen interessanten Fakten und Hintergrundinfos.

Françoise Hauser  © CONBOOK Verlag

Autorin Françoise Hauser
Foto: © CONBOOK Verlag

Volker Häring

Autor Volker Häring
Foto: © CONBOOK Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Buch werden verschiedene Aspekte des chinesischen Alltagslebens aufgegriffen wie z. B.
Akupunktur, Taiji, Grüner Tee, das Spucken auf den Boden, Smog, Fahrräder oder chinesische Reisegewohnheiten oder historische Ereignisse. So erfährt der Leser u.a., dass die Große Mauer eigentlich gar nicht ihren Zweck erfüllte, heute schon mehr als ein Drittel aller Chinesen über
20 fettleibig sind, Chinesen auch mal im Pyjama in den Supermarkt gehen und dass man bei Zahlenkombinationen höllisch aufpassen muss (unbedingt die Zahl 4 vermeiden, denn sie klingt im Chinesischen wie das gesprochene Wort für Tod – nur gut, dass die Buchserie nicht 141 heißt!).

Hauser und Häring erzählen Anekdoten, beschreiben eigene Beobachtungen und vergleichen diese  auch mit westlichen Gewohnheiten. Dabei bleiben sie stets journalistisch objektiv, ohne zu bewerten oder sich über chinesische Sitten und Gebräuche lustig zu machen. Darüber hinaus scheuen sie sich auch nicht vor brisanten Themen wie Umweltverschmutzung, Tibet, Korruption, die Modernisierungsdebatte oder den desaströsen Abriss traditioneller Wohnbauten.

Fazit

CHINA 151 hat mir gut gefallen und eignet sich für China-Einsteiger. Aber auch China-Kenner werden das eine oder andere Aha-Erlebnis während der Lektüre haben oder auch neue Erkenntnisse gewinnen. Wer übrigens nach H wie „Hongkong“ Ausschau hält, wird erstaunlicherweise nicht fündig werden. Was CHINA 151 von den vielen anderen Büchern über China unterscheidet? Das Buch ist weder Reiseführer, Ratgeber, China-Knigge noch reiner Bildband. Es ist im positiven Sinn von allem ein bisschen. Ein schönes China-Buch zum Schmökern und Nachschlagen. Empfehlenswert!

Françoise Hauser/ Volker Häring: CHINA 151, Conbook Medien, 2014 (288 Seiten), 14,95 €

Buchrezension: „Chineasy“ – Chinesische Schrift leichter lernen mit Bildern

Copyright Chineasy Ltd. / ShaoLan Hsueh

Quelle: Copyright Chineasy Ltd. / ShaoLan Hsueh

Die chinesische Schrift sieht kompliziert aus, ihr Erlernen ist mühselig und erfordert viel Geduld und Ausdauer. Aber wie lassen sich die komplexen Schriftzeichen leichter im Gedächtnis behalten? Die Autorin ShaoLan Hsueh hat hierfür ihre eigene Methode entwickelt. In ihrem neuen Buch „Chineasy“ stellt sie diese vor.

Wie kann man Kindern auf einfache Weise die chinesischen Schriftzeichen vermitteln? Eine Frage, die sich die in London lebende Taiwanesin ShaoLan Hsueh stellte, als sie ihren Kindern die chinesische Schrift nahe bringen wollte. „Als ich anfing, meinen in Großbritannien geborenen Kindern Chinesisch beizubringen, wurde mir bewusst, wie schwierig die Zeichen für einen englischen Muttersprachler sind“, so ShaoLan Hsueh.

ShaoLan Hsueh, Foto:  Copyright Chineasy Ltd. / ShaoLan Hsueh

ShaoLan Hsueh. Foto: Copyright Chineasy Ltd. / ShaoLan Hsueh

Aus diesem Grund entwickelte die Tochter einer Kalligrafin eine Lernmethode, die auf zwei Prinzipien beruht: Sie hinterlegt einzelne Zeichen mit Illustrationen, die deren Bedeutung visualisieren, und sie wendet eine Art Baukastenprinzip an, bei dem einzelne „Bausteine“ miteinander kombiniert werden und so neue Schriftzeichen bzw. Wortbedeutungen entstehen.

Visuelle Eselsbrücken

Hsueh nutzt im wortwörtlichen Sinn die Funktion der Bildsprache. Auf dem Buchcover ist beispielsweise das Schriftzeichen für „Feuer“ abgebildet – umrahmt von einer abstrakten gelben Flamme. Beim Schriftzeichen für „Mund“, das wie ein Viereck aussieht, lachen den Leser weiße Zahnreihen an. Oder das aus zwei Strichen bestehende Schriftzeichen für Mensch wird ergänzt mit einem Kopf und Schuhen. Die chinesische Schrift ist nämlich ursprünglich eine Piktogramm-Schrift, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder änderte und abstrahiert wurde. Die Autorin greift dies auf und schlägt quasi den umgekehrten Weg ein, indem sie die heutigen traditionellen Schriftzeichen in Bilder setzt und so eine visuelle Eselsbrücke schafft. Eine einprägende und unterhaltsame Methode, um sich der chinesischen Schrift zu nähern. Jedes Schriftzeichen im Buch wird zudem erläutert und ist mit interessanten Hintergrundinformationen zur Entstehung versehen.

Schriftzeichen mit Baukastenprinzip

ShaoLan Hsueh stellt einzelne Bausteine vor, die in Kombination wiederum neue Wörter ergeben. Zwei Bäume ergeben beispielsweise das Wort für „Wald“. Und die Zusammensetzung von Dach und Schwein ergibt die Bedeutung „Zuhause“ oder „Familie“ – dies wird ergänzt mit dem Texthinweis, dass im alten China Schweine im Haus gehalten wurden, um sie zu schützen.

Fazit

Das Buch ist aufwendig gestaltet, liebevoll von Noma Bar illustriert und ein farbenfrohes Lehrbuch, dass man einfach gerne in die Hand nimmt. Chineasy richtet sich in erster Linie an Kinder, aber auch an diejenigen, die einen Einblick in die Grundlagen der chinesischen Schriftzeichen erhalten wollen. Es werden Grundbegriffe vermittelt wie Zahlen oder Tierbezeichnungen – erweitert mit einigen Phrasen am Schluss und der bebilderten Geschichte von „Peter und der Wolf“. Die Aussprache wird nur durch die Pinyin-Schrift erklärt, eine CD mit Audiodateien ist nicht vorhanden.  Letztendlich bleibt der Lernerfolg aber abhängig von der persönlichen Disziplin und Motivation. Hier kann das Buch mit Sicherheit einen Beitrag leisten, es bietet einen guten Einstieg – und es macht Lust auf mehr.

ShaoLan Hsueh: Chineasy. Chinesisch ganz easy, Edel Germany 2014, 192 Seiten, (250 Bilder),
17,95 €

Link: http://www.edel.com/de/buch/release/shaolan-hsueh/chineasy/

 

 

 

 

 

Buchtipp: „Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus“

BuddhaNoch ein Buch zum Thema Buddhismus? Auf Empfehlung eines Kollegen habe ich das Buch „Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben“ von Lodro Rinzler gelesen. Es ist anders. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht. Hier nun meine Rezension.

Rinzler beschreibt seine eigene Interpretation des tibetischen Buddhismus auf anschauliche, lockere und verständliche Weise – und dies weitgehend ohne esoterische Überhöhung. Der Autor hat sein Buch als Einführung in den Buddhismus mit einem Augenzwinkern geschrieben, zuweilen humorvoll-flapsig („Unglaublicher-Hulk-Syndrom“), zuweilen mit Tiefgang. Aber ohne den erhobenen Zeigefinger.

Am Beispiel der vier mythischen tibetischen Tiere – Tiger, Schneelöwe, Garuda und Drache – analysiert er das menschliche Verhalten und gibt Ratschläge, wie die buddhistische Lebensart helfen kann, typische Alltagsprobleme im Privaten oder im Job zu überwinden. Zum Beispiel durch das Loslassen von Erwartungen.

Es geht um Menschlichkeit, Offenherzigkeit, Mitgefühl und Toleranz. Darum, die eigene Haltung zu überprüfen, vielleicht mal eine andere Sichtweise anzunehmen, sich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen. Zu begreifen, dass die äußeren Umstände sich oft nicht beeinflussen lassen, aber die innere Haltung schon.

„Die Welt muss sich nicht ändern oder verändert werden, um heilig  zu sein. Sie ist bereits heilig…Doch es gibt eine Sache, die man ändern kann und sollte. Deine Sichtweise kannst du ändern.“ (S. 214)

Wenn  Buddha in eine Bar käme, würde es  zumindest der Höflichkeit geschuldet sein, ihm einen auszugeben – und sei es auch nur ein Glas mit frischem Wasser. Wo wir auch schon bei Rinzlers Metapher des Wassers angelangt wären. Ein Sinnbild, das einleuchtend ist, ohne mit dem Zaunpfahl der Erleuchtung zu winken. Laut Rinzler ähnelt kristallklares Wasser unserem natürlichen Zustand des Geistes.

„Es funkelt und ist durch keine Welle getrübt“, so Rinzler. Emotionen oder starke Gedanken, die er mit Schlamm vergleicht, trübten das Wasser. Wir rühren Gedanken hin und her und befassen uns unentwegt mit Sorgen oder der Frage „Was-wäre-wenn“. Unser Geist sei „verschlammt“. Wichtig sei es, wieder Ordnung und Ruhe einzubringen, um das Wasser zu klären. Hierbei helfe beispielsweise die Meditation, das Nicht-Denken und die Konzentration auf den eigenen Atem. Auch wenn es mit der Erleuchtung nicht auf Anhieb klappt, ist es auch nicht schlimm. That’s buddhism.

„Meditation ist ein Selbstfindungsprozess. Es sollte nicht das Ziel sein, einen Zustand der Vollkommenheit zu erreichen…Wir lernen vielmehr, das perfekte Wesen zu sein, das wir bereits sind.“ (S. 51ff.)

Ein weiteres Kapitel lautet „Eine Gesellschaft auf Grundlage eines offenen Herzens“. Mag übertrieben, idealistisch und ein wenig schwulstig klingen. Dennoch steckt in diesem Ansatz ein wahrer Kern. Es ist ein Plädoyer für ein menschlicheres Miteinander in der Gesellschaft, ein  Aufeinander-zu-gehen anstatt einer Anti-Haltung gegenüber anderen und anders Denkenden. Darüber hinaus geht es im Buch auch um Achtsamkeit – die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen, den Moment wahrzunehmen und zu genießen.

Wer einen leichten, unterhaltsamen und nicht „Bier-ernsten“ Lektüreeinstieg für den Buddhismus sucht, sollte Rinzler lesen. Er richtet sich sprachlich in erster Linie an die jüngere Generation, eignet sich aber generell für alle Berufstätigen mit Interesse am Thema.

Am Ende sollte sich aber jeder Leser, der sich mit dem Buddhismus beschäftigt, der Erkenntnis bewusst sein: Buddha findest Du in keinem Buch – Buddha ist in dir.

Lodro Rinzler: Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben, Aurum 2012, 224 Seiten, 18,95 €

Buchtipp: Jorge Bucay „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“

Auf den ersten Blick hat Jorge Bucay recht wenig mit China zu tun. Er ist Argentinier, Psychotherapeut und ein begnadeter Schriftsteller. In seinem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ schlägt er jedoch eine Brücke nach Fernost: mit Zen-Weisheiten aus China, japanischen Parabeln und Gleichnissen aus Tibet – und dies auf faszinierende Weise.

Vor kurzem bin ich über eine Empfehlung auf Jorge Bucay aufmerksam geworden und sein Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ hat mich vollends begeistert. Bucay versteht es, anhand kurzer Erzählungen, die eingebettet sind in einen Dialog zwischen dem Protagonisten Demian und seinem Therapeuten, auf die sinnstiftenden Fragen des Lebens einzugehen, ohne belehrende Antworten zu geben. Stattdessen werden dem Leser durch klug ausgewählte Gleichnisse Weisheiten für den Alltag ans Herz gelegt, die für viele Lebenslagen nützlich sind. Lehrreiche Weisheiten, die Mut machen, Trost spenden, den eigenen Blickwinkel ändern und der menschlichen Seele den Spiegel vorhalten.

Buddha sitzend

„Solange es Menschen wie Dich gibt, die sich jahrein jahraus auf die Suche nach mir begeben und unterdessen zugunsten anderer auf ihre eigenen Bedürfnisse verzichten, kann Buddha nicht sterben. Denn genau das ist Buddha. Buddha ist in dir.“ (Jorge Bucay, Komm, ich erzähl dir eine Geschichte, Kap. Auf der Suche nach Buddha, S. 123)

Zen-Weisheiten aus China und mehr

Bucay überzeugt durch intelligente, humorvolle und philosophische Ansätze und vor allem durch seine wunderbare Erzählkunst, die leicht verständlich, aber dennoch anspruchsvoll ist. Einfühlsame Anekdoten, verblüffende Wendungen, die zum Nachdenken anregen, und ein unterhaltsamer, klarer Sprachstil zeichnen das Buch aus. „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ ist ein sehr unterhaltsames und inspirierendes Buch, das glücklich macht und positiv berührt. Mein persönliches Fazit: Absolut lesenswert!

Jorge Bucay und übersetzt von Stephanie von Harrach: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte, Fischer Taschenbuch,13. Auflage, April 2012
288 Seiten, 8,95 € (D), ISBN: 978-3-596-17092-0