Buchtipp: China. Die Küche des Herrn Wu

Kochbücher über die chinesische Küche gibt es viele: Fünf-Elemente-Kochen, Suppenrezepte, vegetarische Gerichte – darüber habe ich bereits berichtet. Heute möchte ich Euch ein besonderes Buch ans Herz legen, das durch meist schlichte, leicht zuzubereitende und authentische Gerichte überzeugt. „China. Die Küche des Herrn Wu“ ist eine Rezeptsammlung von Herrn Wu und Frau Wang, die ein China-Restaurant in Berlin führen. Sie selbst kochen nicht, für die Zubereitung der kulinarischen Köstlichkeiten sind chinesische Köche zuständig. Laut Autorin ist das Besondere dort die Verbindung zwischen chinesischem Essen und deutschem Wein. Im Buch ist es eindeutig das Essen.

Herr Wu, Foto: Manuel Krug für Tre Torri Verlag

Zwischen zwei äußerst dicken Buchdeckeln verbirgt sich die vielfältige kulinarische Welt Chinas: Rezepte von süß-sauer, mild über würzig bis chili-scharf. Gerichte, die wohl jeder Chinese kennt und die jeder tatsächlich ohne Komplikationen nachkochen kann. Die Grundzutaten sollte man allerdings vorrätig haben wie Sojasoße, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Ingwer, Raps- oder Sesamöl und Chilischoten. Aufgetischt werden Vorspeisen, Hauptgänge und Nachspeisen und dies in der Art, als würde Herr Wu zum Essen einladen. Was würde er seinen Gästen servieren? Beispielsweise im Winter oder wenn nur Vegetarier zu Besuch kommen? Hier werden verschiedene Speisen vorgestellt – mit großformatigen Fotos und einer einfachen Beschreibung.

Die Gerichte sind aus dem Leben gegriffen, haben keine ausgefallen Namen, sondern benennen genau das, was gekocht wird, z. B. eingelegter Weißkohl, heißer Topf mit Rindfleisch und Kartoffeln, Eintopf mit Suppenhuhn, Dong-Gu, Mu-Err-Pilzen und Winterbambus, gekochte Teigtaschen, Wolfsbarsch gedämpft mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Sojasoße. Sogar ein Rezept für Peking-Ente wird verraten.

Dass Herr Wu teils Zugeständnisse hinsichtlich westlicher Geschmacksgewohnheiten machen muss, wenn er beispielsweise ein Gericht mit weniger Fett als gewöhnlich in China anbietet, ist nachvollziehbar. Oder auch wenn Wein zum Essen getrunken wird. Chinesen trinken in der Regel nicht beim Essen, allerdings in Hongkong wird auch zwischendurch Tee getrunken oder auch Cola in Dosen ist beliebt bei den Jüngeren.

Was unterscheidet das Buch von anderen? Für mich ist es die Auswahl an Gerichten, die simpel, aber ursprünglich sind. Erst letztens habe ich eine Variante von „Hähnchen in Sojasauce-Frühlings-Zwiebelöl“ gegessen, die meine Mutter zubereitet hat. Während des Durchblätterns des Kochbuchs hatte ich übrigens lauter Dejà-vus. Meine Eltern hatten ebenfalls ein China-Restaurant im Westen von Berlin („Lotos House“), das sie 32 Jahre lang in Eigenregie führten. Mein Vater kochte ebenfalls täglich einen riesigen Topf Hühnerbrühe als Grundlage für die chinesischen Suppen und Soßen. Es gibt nichts Besseres als eine richtige Brühe aus Suppenhühnern, die stundenlang gekocht werden. Den Teig für die Wantan hat mein Vater mit der Nudelmaschine stets selbst zubereitet und mit dem Küchenbeil hat er alles geschnippelt, gehackt und zerkleinert.

Mein Fazit: Leckere, alltagstaugliche Rezepte, einfach erklärt, schnörkellos und modern präsentiert. Wer Lust hat, authentische chinesische Rezepte auszuprobieren, sollte zum Buch und Wok greifen. Die Küche des Herrn Wu ist auch eine Küche für alle.

Ursula Heinzelmann: China. Die Küche des Herrn Wu, Tre Torri Verlag, 2018

 

Advertisements

Buchtipp: „Als Buddha noch ein Elefant war“

Als Buddha noch ein Elefant war, AllegriaBuddhistische Weisheiten offenbaren sich in den traditionellen indischen Erzählungen und Anekdoten. Der Kunstprofessor Mark W. McGinnis hat die Geschichten über Buddhas früheres Leben in seinem Buch „Als Buddha noch ein Elefant war“ (Originaltitel: When Buddha was an elephant), erschienen im Allegria Verlag, zusammengetragen. Meine Erkenntnis: einfach märchenhaft.

Bereits beim Aufschlagen des Buchs taucht der Leser ein in eine andere Welt: Die vom Autor selbst entworfenen bunten Illustrationen mit Tiermotiven prägen jedes Kapitel. Die Erzählweise, die der Autor gewählt hat, ist bewusst im Gestus vergangener Zeiten gehalten. Dadurch unterstreicht er die poetische Qualität der 32 Geschichten, die von Mitgefühl, Ehrlichkeit und Achtsamkeit der Protagonisten berichten.  In „Der Elefant, die Zimmerleute und der König“ oder „Der goldene Pfau und der Jäger“ wird beispielsweise das Mitgefühl als eine der buddhistischen Grundregeln thematisiert.

Wer sich für die alten Lehrgeschichten Buddhas interessiert und Freude an kreativ gestalteten Büchern hat, dem kann ich das Werk empfehlen. Ein Buch, das sich besonders zum Vorlesen eignet, zur eigenen Inspiration und zum Nachdenken. Die zeitlosen Geschichten haben in ihrer Sinnhaftigkeit nicht an Aktualität verloren. Die Weisheiten Buddhas sind immernoch wegweisend  für ein glückliches und harmonisches Miteinander.

Mark W. McGinnis: Als Buddha noch ein Elefant war, Allegria, 2017

 

Buchtipp: China für die Hosentasche

China für die Hosentasche, Fischer TBSchon gewusst, dass in China 3,8 Millionen Fahrstühle und Rolltreppen täglich im Einsatz sind? Oder dass nur 11 Prozent der Fläche Chinas für die Landwirtschaft nutzbar ist? Das Buch „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“ von der Ostasienwissenschaftlerin Françoise Hauser gibt einen überraschenden Einblick in ein Land, das für die westliche Welt voller Mysterien, Rätsel und Widersprüche ist.

Die Autorin hat viele spannende Fakten zu China zusammengetragen. Kurz, prägnant und mit dem Fokus auf das Wesentliche. Der Leser erfährt viel über Alltagskultur und Kuriositäten aus dem Reich der Mitte – warum 28.000 Flüsse „verschwunden“ sind, dass der CCTV Tower in Peking im Volksmund als „große Unterhose“ bezeichnet wird und was es mit den „Geisterstädten“ auf sich hat. Die meisten Überseechinesen leben übrigens in Indonesien (7,5 Mio.) In den USA wohnen 3,8 Mio. chinesische Einwohner, 500.000 in Großbritanien und –  knapp hinter Kuba – 105.000 in Deutschland.

Kulinarische Eigenheiten werden ebenso beschrieben, wie diverse Freizeitvergnügen der Chinesen, Religion, Wirtschaft oder der digitale Wandel, der in China wie in keinem anderen Land im Eiltempo voranschreitet. Ein Handy ist für die Chinesen unverzichtbar und ein Statussymbol, das den Alltag bestimmt. 2015 besaßen fast 95 Prozent ein Handy oder Smartphone. Für viele Chinesen, so Hauser, hat das Smartphone eine besondere Funktion: Es ist für viele ein Fenster zur Welt. Denn nicht alle Chinesen sind in der Lage, sich einen teuren PC leisten zu können, um im Internet zu surfen oder auch die sozialen Netzwerke zu nutzen. Im Volkskongress ist übrigens der Gebrauch von Handys seit 2014 verboten – wahrscheinlich aufgrund der potentiellen Ablenkungsgefahr für die Abgeordneten. Wer nach einer Webseite der Kommunistischen Partei Chinas sucht, kann sich die Mühe sparen. Es gibt keine. Dafür aber eine Webseite für die digitale Ahnenverehrung – hier treffen Tradition und Moderne in sehr praktischer Weise aufeinander.

„China für die Hosentasche“, Fischer Verlag, ist ein kurzweiliges kleines Buch mit kompaktem Wissen auf 320 Seiten. Ein alternativer Reiseführer mit leichtem Einstieg in die chinesische Lebenswelt. Interessant für China-Begeisterte und China-Kenner.

Françoise Hauser: „China für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“, FISCHER Taschenbuch, 2017

 

 

 

 

Buchtipp: „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“

Das Buch „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ vom Zen-Mönch Haemin Sunim ist kein Ratgeber im klassischen Sinn. Vielmehr ist es ein Philosophiebuch, das angereichert ist mit Anekdoten und buddhistischen Weisheiten, die der Autor auf Alltagsituationen treffend anwendet. Ich musste geduldig sein und die Langsamkeit zelebrieren, bis ich es selbst in den Händen halten konnte – aber das Warten hat sich gelohnt.

Haemin Sunims Sprache ist einfach, aber in jedem Satz steckt eine tiefe Bedeutung. Seine Thesen und Schlussfolgerungen sind für jedermann verständlich formuliert. Philosophie ist nicht kompliziert, wenn Haenim Sunim sie erklärt.

„Wenn du willst, dass deine Kinder weniger fernsehen, schalte zuerst deinen eigenen Fernseher aus“, so der Autor. Es ist zunächst der Blick auf das eigene Ich, bevor man von anderen etwas verlangt oder andere für etwas beurteilt. Selbst wenn der Chef einen bittet, eine Arbeit zu erledigen, die einem zu banal erscheint, sollte man dies akzeptieren statt seine Energie damitzu verschwenden, indem man sich ärgert und auflehnt. Man kann sich das Leben selbst schwer machen. Wer Neid empfindet, für den hat er auch eine plausible Antwort parat: „Das Leben ist wie ein Stück Pizza. In einer Anzeige sieht es köstlich aus, aber wenn wir es essen, ist es nicht so gut, wie wir es uns vorgestellt haben. Wenn du jemanden um sein Leben beneidest, denk an die Pizza in der Anzeige. Es sieht immer besser aus, als es ist.“

Haemin Sunim, © Jo Sehyen

Haemin Sunim empfiehlt, jedes Kapitel zu lesen und anschließend in Ruhe über das Gelesene nachzudenken, bevor man das nächste Kapitel aufschlägt. Tatsächlich sollte man sich genügend Zeit nehmen, die scheinbar einfachen Sinnsprüche auf sich wirken zu lassen. Jeder wird sich dabei ertappen, die eine oder andere beschriebene Situation selbst schon einmal erlebt zu haben. Die Wahrheit in seinen Worten ist teilweise berührend und oftmals inspirierend.

Auch die Illustrationen sind poetisch und schlicht. Sie zeigen dabei zumeist das gleiche Motiv: Menschen, die alleine oder gemeinsam in einer Landschaft wie Miniaturen dargestellt sind und über ihen steht der überdimensionale Mond am Himmel. Vielleicht ein Sinnbild für Bescheidenheit? Der Mensch lediglich als ein Teil eines großen Ganzen?

Die außergewöhnliche Art, zenbuddhistische Weisheiten in diesem neuen Format zu präsentieren – mit Leichtigkeit und Sinnhaftigkeit – ist eine Herangehensweise, die mir gut gefallen hat. Ein empfehlenswertes Buch, in dem man viele Weisheiten zu unterschiedlichen Lebenssituationen findet. Für alle, die sich für Buddhismus und Achtsamkeit interessieren, eine wichtige Lektüre.

Haemin Sunim: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst, Scorpio Verlag, 272 Seiten

https://www.scorpio-verlag.de/Buecher/259/DieschnenDingesiehstdunurwenndulangsamgehst.html

Buchtipp: „Glücksrezepte“ – Lebensfreude und Genuss nach den fünf Elementen

Glücksrezepte Drachenhaus VerlagDas  neue Buch „Glücksrezepte“ von TCM-Expertin Isabella M. Obrist zeigt, wie man die fernöstliche 5-Elemente-Ernährungstheorie mit westliche Essgewohnheiten kombinieren kann. Das Besondere: Die Rezepte sind jeweils einer Jahreszeit angepasst und rein vegetarisch.

Oft fragt man sich: Was soll ich heute wieder essen? Das Buch Glücksrezepte verrät, wie man seine Ernährung kreativ und genussvoll auf die wechselnden Jahreszeiten umstellen kann. Im Winter tut dem Körper beispielsweise Sellerie-Suppe mit Birne und Zimt gut, im Frühsommer ein Aufstrich aus grünen Bohnen mit Salbei-Brötchen oder im Herbst ein leckeres Blumenkohl-Curry mit Kokosmilch.

Gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird jeder Jahreszeit eines der fünf Elemente zugeordnet:

Frühling = Holz

Frühsommer = Feuer

Spätsommer = Erde

Herbst = Metall

Winter = Wasser

Der Titel des Buchs deutet auf die Intention der Autorin: Es geht nicht nur um leckeres, gesundes Essen, sondern auch um die Erfahrung von Glück und Lebensfreude, zu dem eine bewusste und gute Ernährungsweise beitragen kann. Diese wird nur allzuoft vernachlässigt. „Wir wollen den Zusammenhang zwischen Essen und Gesundheit begreifen, ein Zusammenhang, der den Menschen im Fernen Osten seit Jahrtausenden bewusst ist“, so Obrist. 1992 kam sie im Kloster von Tian Tai Shan mit der Fünf-Elemente-Küche zum ersten Mal in Berührung. Die Mönche luden sie zu einem Essen ein, das fleischlos war. Sie beschäftigte sich mit dieser „anderen“ Art zu kochen, und interessierte sich für die chinesische Medizin, die Lebensmittel gezielt nach den Naturgesetzen einsetzt, um die Gesundheit zu stärken und zu erhalten.

Nach einer kurzen Einführung in die Fünf-Elemente-Theorie und Grundprinzipien der chinesischen Medizin folgen 40 Rezepte passend zu den Jahresabschnitten. Jedes einzelne Kapitel endet mit einer Analyse der Zutaten – zum Beispiel der Wirkungsbeschreibung von Brokkoli oder Kichererbsen. Im Anhang findet man dann abschließend einen Saison-Kalender sowie eine Tabelle, die diverse Lebensmittel den Elementen zuordnet.

Mein Fazit: Kochen im Kreislauf mit der Natur macht Appetit und das Buch überzeugt durch außergewöhnliche Rezepte und eine schöne Bebilderung. Es macht Lust auf gesunde Ernährung und ist nicht nur ein Tipp für Vegetarier.

Isabella M. Obrist: Glücksrezepte. Lebensfreude und Genuss nach den Fünf Elementen, Oktober 2017, Drachenhaus Verlag

 

Buchtipp: Suppen aus China – Vegane Rezepte für den Alltag

Suppen aus China, Drachenhaus VerlagChinas Küche ist vielfältig, auch bei den Suppen. Chinesen essen sie schon morgens als Frühstücksmahlzeit wie beispielsweise Nudelsuppe oder verzehren sie zum Abschluss nach dem Hauptgang. Suppen sind lecker und vor allen Dingen gesund. Bei Krankheit isst man am besten Reissuppe, die stärkend wirkt. Heute möchte ich Euch ein besonderes Kochbuch vorstellen, das sich ausschließlich mit veganen chinesischen Suppen beschäftigt. „Suppen aus China. Vegane Rezepte für den Alltag“, erschienen im Drachenhaus Verlag, macht Appetit auf authentische chinesische Suppen.

Sie klingen wie ein Gedicht: Schneegestöber in den Roten Bergen, Sonnenuntergang im Weißen Fluss oder Flüssige Jade. Die veganen Suppen aus China haben klangvolle Namen und sind gehaltvoll, auch wenn sie lediglich aus Kräutern, Gemüse und Pasten bestehen. Nach der chinesischen Ernährungslehre sollte man Suppen zu bestimmten Jahreszeiten zubereiten und verzehren. Je nach den körperlichen Bedürfnissen, die sich im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter unterscheiden, haben die Suppen verschiedene Wirkungen auf unseren Organismus. Nahrung wirkt daher wie „Medizin“.

Das Buch ist insgesamt aufwendig gestaltet. Durch großformatige Fotos werden die Rezepte schön in Szene gesetzt. Zudem bietet das Kochbuch einen guten Überblick über die Ernährungslehre der Fünf Elemente und eine Übersicht der wärmenden (Yang) und kühlenden (Yin) Nahrungsmittel.

Mir gefällt das Kochbuch sehr gut aufgrund seiner tollen Aufmachung und der außergewöhnlichen Rezepte, die man nicht in jedem Kochbuch findet. Empfehlenswert nicht nur für Suppenfans, sondern auch für alle, die sich für gesunde chinesische Küche interessieren. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack.

Nora Frisch, Ming Dittel und Jürgen Bubeck: Suppen aus China. Vegane Rezepte für den Alltag, Drachenhaus Verlag, 2015

http://www.drachenhaus-verlag.com/index.php/programm/Chinas_Kueche

 

Buchtipp: Fachsprache Recht für Deutsch-Chinesisch-Englisch

Fachsprache Recht Legal LanguageKennen Sie Rechtsbegriffe auf Chinesisch? „Fachsprache Recht, Legal Language, Deutsch/Chinesisch/Englisch“ von Dr. Jiagu Richter ist ein neues Lehrbuch für Lehrer und Sinologiestudenten, Chinaforscher, Manager in China und Übersetzer. Erläutert wird das Rechtssystem und ausgewählte Rechtsfälle, die analysiert werden.

Das Fachbuch verfügt über sechzehn Lektionen, die ausgewählten Bereichen des chinesischen Rechts wie Zivilrecht, Strafrecht oder Eherecht zugeordnet sind. Chinesische Grundkenntnisse sollten vorhanden sein, sodass man beispielsweise eine Zeitung lesen kann. Der Sprachkurs hat das Ziel, den Lernenden in die Lage zu versetzen, einen Rechtsfall mit den passenden Vokabeln selbst erklären zu können oder auch in den Medien zu verstehen. Die Lektionen umfassen Textübersetzungen, eine Vokabelliste mit über 500 Rechtsbegriffen, Sprachübungen und Auszüge von chinesischen Rechtstexten. Für zukünftige Rechtsexperten mit Sicherheit ein nützliches Standardwerk.

Richter Jiagu: „Fachsprache Recht, Legal Language, Deutsch/Chinesisch/Englisch“, BACOPA Verlag, 2016, 196 Seiten

Buchtipps: Qigong als Heilmethode

Qigong ist nicht nur gymnastische Bewegungsübung, sondern beinhaltet auch einen medizinischen Aspekt. Denn als Heilmethode ist es eine Alternative oder Ergänzung zur westlichen Medizin. Bereits im ältesten medizinischen Lehrbuch, dem Huang Di Nei Jing (Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin), werden Qigong-Übungen vorgestellt, die der Gesundheitspflege dienen. Qigong vereint Bewegungsübungen, Atmung und Meditation – Übungen, die die Lebensenergie Qi stärken, regulieren, harmonisieren. Zwei Bücher zum Thema Qigong als Heimethode möchte ich im Folgenden vorstellen.

Tao_Selbstheilung_CoverDr. med. Josephine Zöller beschreibt in ihrem Buch „Das Tao der SelbstheilungQi als Naturkraft, die empirisch erfahrbar sei und ohne die Leben nicht sein könne. Qi zu definieren, ist nicht einfach. Denn Qi ist mehr als Lebensenergie. Es wird auch übersetzt als Atem, Dampf, universelle Kraft. Laut Laotse ist Qi „Materie, die man nicht sieht, wie auch Luft Materie ist, die man nicht sieht.“ Ohne Qi gibt es kein Leben, keine Bewegung, kein Wachstum. Skeptikern hält Zöller entgegen, dass auch Gravitation oder das menschliche Bewusstsein nicht sichtbar seien und ihr Wesen wissenschaftlich nicht erfassbar wäre. Hierin würden sich die Denkmodelle der westlich-naturwissenschaftlichen und der fernöstlichen Gesellschaften massiv unterscheiden. Die Autorin erklärt in einer kurzen Einführung die theoretischen Grundlagen des Qigong, die Bedeutung des Qi, den Bezug zur Tageszeit, die Meridiane (Energieleitbahnen im Körper) und den kleinen  und großen Energiekreislauf, die drei Dantian (Regenerationsorte bzw. Sammelpunkte des Qi). Zöller unterscheidet zudem die verschiedenen Arten des Atmens. Die natürliche Atmung erfolge „rund, weich, langsam und tief“  und außschließlich durch die Nase. Bei der Qi-Atmung wird durch die Nase ein- und durch den Mund ausgeatmet. Beim sogenannten Windatmen zieht man die Luft in zwei bis drei Luftzügen ein und atmet anschließend mit  tiefer Absenkung der Bauchdecke wieder aus. Schwerpunkt des Buches sind die traditonell überlieferten Qigong-Übungen, die systematisch aufbereitet und gut illustriert sind.

Die Übungen, die im Stehen oder Liegen oder im Gehen praktiziert werden, sind bekannte Formen wie „den Himmel stützen, die Erde stemmen“ oder „mit Pfeil und Bogen schießen“, aber auch Meditationen wie „der Tiger reckt sich“  oder „das Qi durch das Jadekissen lenken“. Zudem gibt sie Tipps für Massagen von Akupressurpunkten beispielsweise zur Linderung von Kreuz- und Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Die vorgestellten Übungen umfassen im Wesentlichen das in der chinesischen Heilkunst praktizierte weiche Qigong. Das Buch von Zöller bietet eine übersichtliche Darstellung der Thematik. Die Übungen sind geeignet für Qigong-Anfänger und Fortgeschrittene. Insgesamt ein gutes Einführungsbuch in die Praxis des Qigong.

Therapeutsches Qi Gong_CoverQigong als Therapie bei Krankheiten und als Mittel zur Regeneration ist auch Schwerpunkt des Buches „Therapeutisches Qi Gong“ von Alexandra Gusetti, Jumin Chen und Wolfgang Seiringer. In diesem Buch geht es um den therapeutischen Ansatz, den Prinzipien des Qigong von seinen Anfängen bis zur therapeutischen Arbeit und um die Komplexität des Heilwissens „hinter den Übungen“. Laut Gusetti soll es aber kein Lehrbuch der chinesischen Medizin sein. Die Übungen sind an Praktiker gerichtet, die aber meines Erachtens schon einen gewissen Hintergrund an Erfahrungen mitbringen sollten. Erläutert werden Bewegungsübungen, Meridianmeditationen und Massagen, auch im Bezug zu den Funktionskreisen Magen-Milz, Niere-Blase, Leber/Galle, Herz-Dünndarm, Lunge-Dickdarm. Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit deuten beispielsweise auf ein Herz-Qi-Mangel hin. Im therapeutischen Qigong muss das Herz-Qi durch Meditation und Bewegung ernährt und reguliert werden. Entsprechende Übungen sind nachzulesen. Meridiantafeln finiden sich zusätzich im Anhang.

Eine Besonderheit bietet ein philosophischer Ausflug der Autorin in die Naturwissenschaft: Im Kapitel zur kulturübergreifenden Betrachtung wagt sie die außergewöhnliche Verknüpfung von Qi und Quantenphysik. „Als Quantenlogik gilt: Liegt ein Zustand vor, so kann bei einer Überprüfung ein anderer erhalten werden. Es gilt nicht mehr Ja oder Nein.“ Diese quantenphysikalische Denkweise habe mehr mit dem Denk- und Wahrnehmungsmodell östlicher Kulturkreise zu tun als das Konzept der klassischen westlichen Naturwissenschaft. Es ist kein Einsteigerbuch, sondern eher ein Fachbuch mit wissenschaftllichem Schreibstil und wenig Bebilderung. Wer sich jedoch mit Qigong im Kontext chinesischer Medizin und Energetik intensiver beschäftigen will, kann das Buch von Gusetti als hilfreiches Nachschlagewerk nutzen. Beide Bücher sind im Bacopa Verlag erschienen.

Links:

Dr.  med. Josephine Zöller, Das Tao der Selbstheilung, Bacopa Verlag

Alexandra Gusetti, Therapeutisches Qi Gong, Bacopa Verlag