Chinesische Weisheiten über den Frühling

„Eine Viertelstunde Frühling ist mehr wert als ein Sack Gold.“ (chinesisches Sprichwort)

Blumen

„Man soll den Frühling nicht loben, vielleicht wird im Spätherbst eine karge Zeit kommen.“ (chinesisches Sprichwort)

„Im Frühling zählt jeder Tag, im Sommer jede Stunde.“ (chinesisches Sprichwort)

„Darum nehmen die Weisen die Zeit so ganz besonders wichtig.Wenn das Eis hart zu frieren beginnt, pflegte Hou Dsi nicht zu säen, sondern Hou Dsi wartete mit Säen,bis der Frühling da war. Darum kann einer so klug sein, wie er will, wenn er nicht die rechte Zeit trifft, bringt er nichts fertig.“ ~ Frühling und Herbst des Lü Bu We, Buch XIV, 3. Kapitel Zeitgemäßheit

Magnolie

„Frühlingsabend – Im Garten gurrte abends eine Taube. Der Eremit erwachte und empfand ein Glück, die Tiefen allen Seins beseelend.
Und da er nicht, es zu beschreiben fand, schritt er ums Haus, die Bambusstauden zählend.“ ~ Ge Tianmin (ca. 1200 n. Chr.)

„Wenn die Frühlingslüfte sich erheben, so sprossen alle Gräser; kommt der Herbst ins Land, so bringt die Erde ihre Schätze dar. Frühling und Herbst brauchen ein höheres Leben, damit sie also wirken können. Der große SINN hat sich in diesen Erscheinungen geäußert.“ ~ Dschuang Dsi (4. Jh. v. Chr.)

chinesischer Garten

Laotse über die Güte

Statue Kunyam

„Höchste Güte ist wie das Wasser.
Des Wassers Güte ist es, allen Wesen zu nützen ohne Streit.
Es weilt an Orten, die alle Menschen verachten.
Drum steht es nahe dem Weg.
Beim Wohnen zeigt sich die Güte an dem Platze.
Beim Denken zeigt sich die Güte in der Tiefe.
Beim Schenken zeigt sich die Güte in der Liebe.
Beim Reden zeigt sich die Güte in der Wahrheit.
Beim Walten zeigt sich die Güte in der Ordnung.
Beim Wirken zeigt sich die Güte im Können.
Beim Bewegen zeigt sich die Güte in der rechten Zeit.“
~ Laotse, Tao Te King, Kap. 8

Über Laotse

Laotse (wörtlich „Alter Meister“) soll im 6. Jh. vor Chr. gelebt haben, seine Existenz ist aber umstritten. Er gilt als Begründer der Lehre des Daoismus und als Verfasser des Tao Te King. Es handelt sich um hierbei eine  Sammlung von Aphorismen, die das „Dao“, den „Weg“ oder den „Sinn“,  beschreiben und wegweisend zum politischen Handeln für das gemeinschaftliche Wohl auffordern.

Im Tao Te King geht es um tugendhaftes, maßvolles Handeln, Toleranz und um den Verzicht von Waffengewalt („Waffen sind Instrumente des Unheils und nicht die Instrumente des Edlen.“ Kap. 31). Während des Nazi-Regimes wurde Laotse sogar in den Flugblättern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ zitiert.

Die Auseinandersetzung des Westens mit der Lehre des Daoismus begann bereits im 18. Jahrhundert. Laut jüngster Forschungsergebnisse hat der Jesuit Jean-François Noëlas die erste lateinisch-deutsche Übersetzung des Werks verfasst. 1788 gelangte diese über Matthew Raper, Mitglied der Royal Society, nach London. Als allgemein gültige Lebensweisheiten finden sie heute in der modernen Gesellschaft weiterhin Zuspruch und Anwendung und sind aufgrund ihrer Prägnanz, Metaphorik und Sinnhaftigkeit immernoch aktuell.

Buchtipp: „Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus“

BuddhaNoch ein Buch zum Thema Buddhismus? Auf Empfehlung eines Kollegen habe ich das Buch „Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben“ von Lodro Rinzler gelesen. Es ist anders. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht. Hier nun meine Rezension.

Rinzler beschreibt seine eigene Interpretation des tibetischen Buddhismus auf anschauliche, lockere und verständliche Weise – und dies weitgehend ohne esoterische Überhöhung. Der Autor hat sein Buch als Einführung in den Buddhismus mit einem Augenzwinkern geschrieben, zuweilen humorvoll-flapsig („Unglaublicher-Hulk-Syndrom“), zuweilen mit Tiefgang. Aber ohne den erhobenen Zeigefinger.

Am Beispiel der vier mythischen tibetischen Tiere – Tiger, Schneelöwe, Garuda und Drache – analysiert er das menschliche Verhalten und gibt Ratschläge, wie die buddhistische Lebensart helfen kann, typische Alltagsprobleme im Privaten oder im Job zu überwinden. Zum Beispiel durch das Loslassen von Erwartungen.

Es geht um Menschlichkeit, Offenherzigkeit, Mitgefühl und Toleranz. Darum, die eigene Haltung zu überprüfen, vielleicht mal eine andere Sichtweise anzunehmen, sich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen. Zu begreifen, dass die äußeren Umstände sich oft nicht beeinflussen lassen, aber die innere Haltung schon.

„Die Welt muss sich nicht ändern oder verändert werden, um heilig  zu sein. Sie ist bereits heilig…Doch es gibt eine Sache, die man ändern kann und sollte. Deine Sichtweise kannst du ändern.“ (S. 214)

Wenn  Buddha in eine Bar käme, würde es  zumindest der Höflichkeit geschuldet sein, ihm einen auszugeben – und sei es auch nur ein Glas mit frischem Wasser. Wo wir auch schon bei Rinzlers Metapher des Wassers angelangt wären. Ein Sinnbild, das einleuchtend ist, ohne mit dem Zaunpfahl der Erleuchtung zu winken. Laut Rinzler ähnelt kristallklares Wasser unserem natürlichen Zustand des Geistes.

„Es funkelt und ist durch keine Welle getrübt“, so Rinzler. Emotionen oder starke Gedanken, die er mit Schlamm vergleicht, trübten das Wasser. Wir rühren Gedanken hin und her und befassen uns unentwegt mit Sorgen oder der Frage „Was-wäre-wenn“. Unser Geist sei „verschlammt“. Wichtig sei es, wieder Ordnung und Ruhe einzubringen, um das Wasser zu klären. Hierbei helfe beispielsweise die Meditation, das Nicht-Denken und die Konzentration auf den eigenen Atem. Auch wenn es mit der Erleuchtung nicht auf Anhieb klappt, ist es auch nicht schlimm. That’s buddhism.

„Meditation ist ein Selbstfindungsprozess. Es sollte nicht das Ziel sein, einen Zustand der Vollkommenheit zu erreichen…Wir lernen vielmehr, das perfekte Wesen zu sein, das wir bereits sind.“ (S. 51ff.)

Ein weiteres Kapitel lautet „Eine Gesellschaft auf Grundlage eines offenen Herzens“. Mag übertrieben, idealistisch und ein wenig schwulstig klingen. Dennoch steckt in diesem Ansatz ein wahrer Kern. Es ist ein Plädoyer für ein menschlicheres Miteinander in der Gesellschaft, ein  Aufeinander-zu-gehen anstatt einer Anti-Haltung gegenüber anderen und anders Denkenden. Darüber hinaus geht es im Buch auch um Achtsamkeit – die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen, den Moment wahrzunehmen und zu genießen.

Wer einen leichten, unterhaltsamen und nicht „Bier-ernsten“ Lektüreeinstieg für den Buddhismus sucht, sollte Rinzler lesen. Er richtet sich sprachlich in erster Linie an die jüngere Generation, eignet sich aber generell für alle Berufstätigen mit Interesse am Thema.

Am Ende sollte sich aber jeder Leser, der sich mit dem Buddhismus beschäftigt, der Erkenntnis bewusst sein: Buddha findest Du in keinem Buch – Buddha ist in dir.

Lodro Rinzler: Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben, Aurum 2012, 224 Seiten, 18,95 €