Buchtipp für Manager: Die China-Strategie – Erfolgreiches Networking im Reich der Mitte

China-Strategie, be.braWer mit chinesischen Unternehmen erfolgreich Geschäfte abschließen will, muss nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte im Blick haben, sondern auch die kulturellen Gepflogen- und Eigenheiten der Chinesen kennen. Wodurch zeichnet sich das Business in China aus? Wie ticken chinesische Geschäftspartner? Wie funktioniert Networking im Reich der Mitte und wie vermeidet man, in berufliche Fettnäpfchen zu treten? Professorin Yu Zhang, Unternehmerin und Beraterin, beschreibt die Grundlagen der chinesischen Network-Philosophie in ihrem Buch Die China-Strategie – Erfolgreiches Networking im Reich der Mitte.

Bei Besuchen, Verhandlungen oder Geschäftsessen mit Chinesen kann es bei westlichen Geschäftsleuten zu Irritationen und Missverständnissen kommen, wenn ein Verständnis für die asiatische Mentalität gänzlich fehlt. Um den Zugang zu dieser zu vereinfachen, hat Yu Zhang die wichtigsten Tipps zusammengefasst und in einer Art Handbuch erläutert, wie man bessere Geschäftsbeziehungen zu chinesischen Kunden, Partnern und Mitarbeitern pflegt und sich ein berufliches Netzwerk aufbaut.

Chinesen besser verstehen

Das erste Kapitel gibt Aufschluss über die „Basics“  von China: von Zahlen und Fakten und den aktuellen Wirtschaftstrends über die drei Lehren Konfuzianismus, Buddhismus und Daoismus bis hin zu chinesischen Feiertagen und Trinksprüchen. Chinesen, insbesondere die junge Generation, zeigen sich zunehmend selbstbewusster gegenüber dem Westen, sind technologievernarrt und kopieren auch den westlichen Lifestyle mit Luxusartikeln aus dem Westen. Chinesische private Unternehmer sind angesehen und gelten mittlerweile als Motor für den wirtschaftlichen Erfolg. Bezeichnender Weise hat sich die Abschiedsfloske bei Besuchen von chinesischen Gästen geändert. So heißt es nicht mehr „Vielen Dank, dass wir von Ihnen lernen durften“, sondern „Vielen Dank, dass wir uns austauschen konnten“, wie Zhang erläutert. Doch nicht nur deutsche Unternehmer knüpfen Beziehungen nach China, auch chinesische Manager zieht es nach Europa, um zu investieren, Zugang zu modernen Technologien aus dem Westen zu erhalten und neue Märkte zu erschließen.

Networking in China: Business-Knigge

Chinesische Verhaltensweisen und Networking unterscheiden sich grundlegend von denen der westlichen Kultur. Die Autorin verweist auf eine Managementkultur, die geprägt ist durch die traditionellen gesellschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen. Hierarchische Strukturen sind bestimmend – der Arbeiter befolgt die Anweisungen des Vorgesetzten ohne Wenn und Aber. Hier spielt der Einfluss des Konfuzianismus eine Rolle. Darüber hinaus ist Pragmatismus wichtig, wichtiger als eine rigide Planung. So sind Chinesen oft flexibler bei der Lösungsfindung und schlagen auch gerne ohne Absprache plötzlich eine andere Richtung ein, wenn es mehr Erfolg verspricht. Das „Gesicht wahren“ und „Gesicht geben“ ist ein weiterer Aspekt, der für das berufliche Miteinander entscheidend ist. Die Autorin empfiehlt, andere zu loben, nicht mit eigenen Triumpfen anzugeben und Kritik nur im Einzelgespräch zu äußern, damit der andere nicht sein Gesicht verliert. Harmonie statt Konfrontation heißt das Gebot – selbtstverständlich auch im Business.

Besonders wichtig ist für chinesische Geschäftsleute die zwischenmenschliche Beziehung – anders als im Westen ist die Verknüpfung von Beruf und Privatem, das Vitamin-B, die persönliche Empfehlung durch Freunde und einflussreiche Personen ein entscheidendes Mittel für den beruflichen Erfolg – sei es auch nur für die Erlangung eines Praktikumsplatzes. Durch das Beziehungsgeflecht wird ein Netz aufgebaut, das gepflegt werden muss, um beispielsweise spätere Entscheidungen für Kooperationen, Geschäftsabschlüsse, Jobs o.ä. in der Zukunft positiv zu beeinflussen und durch das Investieren in Freundlichkeiten und gegenseitige Unterstützung späteren Nutzen zu ziehen.

Praktische Beispiele

So kann es nicht schaden, zu wissen, dass man nach dem Geschäftsessen gemeinsam eine Karaokebar aufsucht oder zur Fußmassage geht oder dass man asiatische Gäste nicht mit seinem bescheidenen Privatauto selbst abholen sollte, wenn man als Führungskraft eine hohe Position einnimmt und als solche auch wahrgenommen werden möchte. Auffällig ist, dass sich chinesische Firmen gerne in Imagebroschüren überschwänglich darstellen und sich Manager gern mit hohen Politikern ablichten lassen. Hier gilt, Protzen ist erlaubt!

Who is Who der VIP-Chinesen

Im Anhang findet der Leser eine Auflistung der 100 wichtigsten Persönlichkeiten in Chinas Wirtschaft, Politik und Kultur, die teilweise auch hierzulande bekannt sind wie der Pianist Lang Lang oder der Künstler Ai Weiwei. Mittlerweile ist Hu Jintao nicht mehr Staatspräsident, sondern Xi Jinping, der im Buch als Nachfolger bereits benannt ist.

„Die China-Strategie“ ist ein interessant zusammengestellter Leitfaden durch die Business-Mentalität in China. Das Buch ist leicht verständlich geschrieben und mit vielen chinesischen Sprichwörtern und Beispielen aus dem Berufsalltag, die häufig auftretende Verständnisprobleme aufzeigen und diese erklären. Lesenswert für Manager und alle China-Interessierten, die mehr über den chinesischen Business-Knigge erfahren wollen.

Yu Zhang: Die China-Strategie. Erfolgreiches Networking im Reich der Mitte, be.bra verlag 2012, 192 Seiten

Yu ZhangDie Autorin Yu Zhang wurde in der südchinesischen Provinzhauptstadt Nanchang geboren und wuchs in China auf. Sie gründete ihre eigene Firma China Communications Consulting. Seit Anfang der 1990er Jahre lebt sie in Berlin.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s