Buchtipps: Qigong als Heilmethode

Qigong ist nicht nur gymnastische Bewegungsübung, sondern beinhaltet auch einen medizinischen Aspekt. Denn als Heilmethode ist es eine Alternative oder Ergänzung zur westlichen Medizin. Bereits im ältesten medizinischen Lehrbuch, dem Huang Di Nei Jing (Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin), werden Qigong-Übungen vorgestellt, die der Gesundheitspflege dienen. Qigong vereint Bewegungsübungen, Atmung und Meditation – Übungen, die die Lebensenergie Qi stärken, regulieren, harmonisieren. Zwei Bücher zum Thema Qigong als Heimethode möchte ich im Folgenden vorstellen.

Tao_Selbstheilung_CoverDr. med. Josephine Zöller beschreibt in ihrem Buch „Das Tao der SelbstheilungQi als Naturkraft, die empirisch erfahrbar sei und ohne die Leben nicht sein könne. Qi zu definieren, ist nicht einfach. Denn Qi ist mehr als Lebensenergie. Es wird auch übersetzt als Atem, Dampf, universelle Kraft. Laut Laotse ist Qi „Materie, die man nicht sieht, wie auch Luft Materie ist, die man nicht sieht.“ Ohne Qi gibt es kein Leben, keine Bewegung, kein Wachstum. Skeptikern hält Zöller entgegen, dass auch Gravitation oder das menschliche Bewusstsein nicht sichtbar seien und ihr Wesen wissenschaftlich nicht erfassbar wäre. Hierin würden sich die Denkmodelle der westlich-naturwissenschaftlichen und der fernöstlichen Gesellschaften massiv unterscheiden. Die Autorin erklärt in einer kurzen Einführung die theoretischen Grundlagen des Qigong, die Bedeutung des Qi, den Bezug zur Tageszeit, die Meridiane (Energieleitbahnen im Körper) und den kleinen  und großen Energiekreislauf, die drei Dantian (Regenerationsorte bzw. Sammelpunkte des Qi). Zöller unterscheidet zudem die verschiedenen Arten des Atmens. Die natürliche Atmung erfolge „rund, weich, langsam und tief“  und außschließlich durch die Nase. Bei der Qi-Atmung wird durch die Nase ein- und durch den Mund ausgeatmet. Beim sogenannten Windatmen zieht man die Luft in zwei bis drei Luftzügen ein und atmet anschließend mit  tiefer Absenkung der Bauchdecke wieder aus. Schwerpunkt des Buches sind die traditonell überlieferten Qigong-Übungen, die systematisch aufbereitet und gut illustriert sind.

Die Übungen, die im Stehen oder Liegen oder im Gehen praktiziert werden, sind bekannte Formen wie „den Himmel stützen, die Erde stemmen“ oder „mit Pfeil und Bogen schießen“, aber auch Meditationen wie „der Tiger reckt sich“  oder „das Qi durch das Jadekissen lenken“. Zudem gibt sie Tipps für Massagen von Akupressurpunkten beispielsweise zur Linderung von Kreuz- und Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Die vorgestellten Übungen umfassen im Wesentlichen das in der chinesischen Heilkunst praktizierte weiche Qigong. Das Buch von Zöller bietet eine übersichtliche Darstellung der Thematik. Die Übungen sind geeignet für Qigong-Anfänger und Fortgeschrittene. Insgesamt ein gutes Einführungsbuch in die Praxis des Qigong.

Therapeutsches Qi Gong_CoverQigong als Therapie bei Krankheiten und als Mittel zur Regeneration ist auch Schwerpunkt des Buches „Therapeutisches Qi Gong“ von Alexandra Gusetti, Jumin Chen und Wolfgang Seiringer. In diesem Buch geht es um den therapeutischen Ansatz, den Prinzipien des Qigong von seinen Anfängen bis zur therapeutischen Arbeit und um die Komplexität des Heilwissens „hinter den Übungen“. Laut Gusetti soll es aber kein Lehrbuch der chinesischen Medizin sein. Die Übungen sind an Praktiker gerichtet, die aber meines Erachtens schon einen gewissen Hintergrund an Erfahrungen mitbringen sollten. Erläutert werden Bewegungsübungen, Meridianmeditationen und Massagen, auch im Bezug zu den Funktionskreisen Magen-Milz, Niere-Blase, Leber/Galle, Herz-Dünndarm, Lunge-Dickdarm. Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit deuten beispielsweise auf ein Herz-Qi-Mangel hin. Im therapeutischen Qigong muss das Herz-Qi durch Meditation und Bewegung ernährt und reguliert werden. Entsprechende Übungen sind nachzulesen. Meridiantafeln finiden sich zusätzich im Anhang.

Eine Besonderheit bietet ein philosophischer Ausflug der Autorin in die Naturwissenschaft: Im Kapitel zur kulturübergreifenden Betrachtung wagt sie die außergewöhnliche Verknüpfung von Qi und Quantenphysik. „Als Quantenlogik gilt: Liegt ein Zustand vor, so kann bei einer Überprüfung ein anderer erhalten werden. Es gilt nicht mehr Ja oder Nein.“ Diese quantenphysikalische Denkweise habe mehr mit dem Denk- und Wahrnehmungsmodell östlicher Kulturkreise zu tun als das Konzept der klassischen westlichen Naturwissenschaft. Es ist kein Einsteigerbuch, sondern eher ein Fachbuch mit wissenschaftllichem Schreibstil und wenig Bebilderung. Wer sich jedoch mit Qigong im Kontext chinesischer Medizin und Energetik intensiver beschäftigen will, kann das Buch von Gusetti als hilfreiches Nachschlagewerk nutzen. Beide Bücher sind im Bacopa Verlag erschienen.

Links:

Dr.  med. Josephine Zöller, Das Tao der Selbstheilung, Bacopa Verlag

Alexandra Gusetti, Therapeutisches Qi Gong, Bacopa Verlag

 

 

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2 Gedanken zu “Buchtipps: Qigong als Heilmethode

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